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Olympia-Bewerbung 2024
Showdown in Hamburg: Elbtraum oder Albtraum

Fragen und Antworten zum Olympia-Referendum in Hamburg
Fragen und Antworten zum Olympia-Referendum in Hamburg
Hochspannung vor dem Tag der Wahrheit: Am Sonntag entscheidet sich beim Referendum in Hamburg, ob die Hansestadt ihre Olympia-Bewerbung fortsetzt oder das Mega-Projekt krachend scheitert.

Jahrhundertchance oder Olympia-Knockout, Elbtraum oder Albtraum: Das Hamburger Referendum über die Sommerspiele 2024 wird zum Tag der Wahrheit für den deutschen Sport. Geld, Image, Zukunft - für DOSB-Präsident Alfons Hörmann steht beim Showdown an der Waterkant viel, wenn nicht alles auf dem Spiel.

Hörmann erwartet beim "endgültigen Go" der Hamburger "einen entscheidenden Schub für den deutschen Sport - auf allen Ebenen", sagte der Spitzenfunktionär vor der richtungweisenden Volksbefragung. Ein Scheitern wäre für die Stadt Hamburg und den DOSB ein riesengroßes Debakel und hätte wohl fatale Folgen für die Spitzensportförderung in Deutschland.

Hörmann macht "keinen Hehl daraus, dass es dann an vielen Stellen viel schwieriger wird, die notwendige Unterstützung zu erhalten, sagte der 55-Jährige: "Und damit würde die mehr und mehr wahrnehmbare Zwei-Klassen-Gesellschaft des deutschen Sports - auf der einen Seite der so erfolgreiche Fußball, auf der anderen Seite alle anderen Sportarten - tendenziell leider noch mehr zu- als abnehmen."

Nur wenn die Hamburger am Sonntag mehrheitlich mit Ja stimmen, hält die Hansestadt an ihrer Bewerbung fest. Und so blicken alle am Sonntagabend gespannt ins Hamburger Rathaus, wo Landesabstimmungsleiter Willi Beiß bis spätestens 22.00 Uhr das vorläufige Endergebnis des Referendums verkünden wird. Erste Trends werden gegen 20.00 Uhr erwartet.

"Ich rechne mit einem sehr guten und deutlichen Ergebnis", sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz. Der SPD-Politiker hatte zuletzt noch einmal verstärkt die Werbetrommel gerührt und die Hansestädte auf seinen Kurs eingeschworen: "Olympia ist eine Investition in die Zukunft." Und: "Wir haben sorgfältig geplant, gründlich gerechnet und die Öffentlichkeit umfassend informiert." Auch die Sport-Prominenz mit Vorreitern wie Joachim Löw, Franz Beckenbauer, Uwe Seeler, Michael Stich oder Wladimir Klitschko ist "Feuer und Flamme".

Und trotzdem bröckelte zuletzt die Zustimmung an der Elbe. In der letzten Umfrage sprechen sich nur noch 56 Prozent der Bürger in der Hansestadt für die Ausrichtung der Mammut-Sportveranstaltung aus - im September waren es noch 63 Prozent.

Größter Zankapfel sind natürlich die Finanzen. Die Stadt und die Bundesregierung streiten sich trotz der angeblich so sorgfältigen Planung weiter über die Kostenverteilung für das Mega-Event. Hamburg will nicht mehr als 1,2 Milliarden übernehmen, Berlin soll mit 6,2 Milliarden die mit Abstand größte Last der veranschlagten 7,4 Milliarden Euro für den Steuerzahler übernehmen.

"Es geht um viel Geld. Wir sind in guten Gesprächen", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) dem SID über die zähen Verhandlungen. Der Bund werde den von Hamburg "vorgelegten Finanzplan, der ein umfassendes Stadtentwicklungskonzept bis 2040 beinhaltet, sorgsam prüfen". Hamburg will 2024 nicht nur die Olympischen Spiele ausrichten, sondern mit dem Rückenwind der Bewerbung - und dem Geld des Bundes - einen ganz neuen Stadtteil bauen. Auf dem Kleinen Grasbrook, gegenwärtig eine Industriefläche des Hafens, soll das Olympiastadion für 60.000 Zuschauer entstehen - und danach die so genannte OlympicCity.

Ein finanzieller Irrsinn ist dies für den NOlympia-Aktivisten Michael Rothschuh. "Olympia droht ein teurer Albtraum für Hamburg zu werden", sagte der pensionierte Politik-Professor dem sid: "Hamburg braucht Olympia nicht."

Das sieht Michael Stich natürlich anders. Hamburg brauche die Spiele 2024 - und der deutsche Sport noch viel mehr. Für den Wimbledon-Sieger von 1991 wäre ein Scheitern der Bewerbung eine mittlere Katastrophe. "Wenn es negativ ausgeht, glaube ich nicht, dass sich Deutschland zu meinen Lebzeiten noch einmal um Olympische Spiele bewerben wird. Das wäre ein ganz schlechtes Zeichen - für das ganze Land", sagte der 47-Jährige dem SID. Die Strukturen im Sport "werden sich bei einem negativen Ausgang nicht ändern. Und das wird sicher nicht dazu beitragen, dass wir besser werden und wieder mehr Medaillen gewinnen."

Auch Hörmann hofft, dass nach dem Referendum ein Ruck durch "Sportdeutschland" geht. Mit einem Ja würden die Norddeutschen eine Aufbruchstimmung erzeugen und "den gesamten Stellenwert des Sports in Deutschland auf ein neues Niveau" heben. Der DOSB-Boss geht vor dem Showdown an der Waterkant von einer Mehrheit aus: "Aber selbstverständlich wären wir über jeden Prozentpunkt mehr froh, weil jeder Prozentpunkt mehr auch international ein deutliches Signal wäre."

(sid)
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