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Charity-Rennen im Rahmen der Tour de France
Armstrongs Rückkehr spaltet die Szene

Fotos: Armstrongs Tour-Rückkehr löst riesiges Medieninteresse aus
Fotos: Armstrongs Tour-Rückkehr löst riesiges Medieninteresse aus FOTO: dpa, ase
Lance Armstrong kehrt im Rahmen eines Charity-Rennens zur Tour de France zurück. Es ist ein Reizthema, das in der Szene gespaltene Resonanz hervorruft.

Provokation oder Bagatelle? Lance Armstrongs Stippvisite bei der 102. Tour de France wirbelt seit der Ankündigung vor einigen Monaten gehörigen Staub auf. Dass der Verstoßene nun dorthin zurückkehrt, wo er einst die Früchte seines betrügerischen Perfektionismus' erntete, werten manche als Affront und würden es gerne ignorieren. Andere sehen es gelassen.

Armstrong soll am Donnerstag in Muret auftauchen und die 13. Tour-Etappe nach Rodez einen Tag vor dem Peloton absolvieren. Am Freitag folgt die 14. Tour-Etappe von Rodez nach Mende, dann verabschiedet sich der Texaner wieder. Es ist ein Charity-Rennen, das der 43-Jährige bestreitet, vom früheren englischen Profifußballer Geoff Thomas unter dem Namen "One Day Ahead" zugunsten einer Leukämie-Stiftung ins Leben gerufen.

Armstrong rechnet bei der Fahrt durchs Zentralmassiv kaum mit Anfeindungen. "Ich kann mich zwar täuschen, und ich habe mich oft getäuscht in meinem Leben, aber das ist nicht die Reaktion, die ich in Frankreich bekomme, seit all das passierte", sagte er im Juni bei einem Gruppeninterview in seinem Haus in Aspen/Colorado, an dem die Nachrichtenagentur AFP teilnahm.

"All das" sind seine sieben Tour-Titel zwischen 1999 und 2005, die im Oktober 2012 kassiert wurden, als Armstrong aufflog und einen großen weißen Fleck in den Tour-Annalen hinterließ. Weltverbandsboss Brian Cookson nannte Armstrongs Gastspiel zunächst vor diesem Hintergrund "respektlos und völlig unangemessen". Nach wie vor hält er den Auftritt für "keine gute Idee", wie der Brite der Tageszeitung "Die Welt" kürzlich sagte, inzwischen aber findet er: "Es gibt für mich wirklich wichtigere Dinge als darüber zu sinnieren, was Lance Armstrong tut und was nicht."

Bei Thomas' Veranstaltung nimmt eine Gruppe von Fahrern jede Tour-Etappe einen Tag vor den Profis in Angriff. Wenn Armstrong, der seinen Aufstieg auch auf dem Sieg gegen den Krebs begründete, dazukommt, könnten die Spenden sammelnden Ausflügler womöglich das aktuelle Rennen in den Schatten stellen. Nicht zuletzt daran stören sich Kritiker. Frankreichs Ikone Bernard Hinault mag auf Armstrong überhaupt nicht mehr eingehen. "Für den wird schon viel zu viel Werbung gemacht", sagte er der "Bild".

Thomas verteidigt seinen Mitstreiter hingegen. Der 50-Jährige sagte, Armstrongs Grundgedanke sei wie bei dessen einstiger Stiftung Livestrong, den Kampf gegen den Krebs zu unterstützen: "Das ist alles, was er will. Wir wollen keinen mangelnden Respekt vor der Tour zeigen."

Unter den deutschen Profis fielen die Reaktionen auf den Besuch des tief gestürzten Superstars, dem im Zuge zahlreicher Gerichtsverfahren sogar der finanzielle Ruin droht, generell gemäßigt aus. Tony Martin riet, den Charity-Gedanken und Armstrongs Lügen zu trennen. "Wenn er damit bedürftigen Menschen helfen kann, dann sollte man das unterstützen", sagte der Zeitfahrspezialist, und John Degenkolb ergänzte: "Charity bedeutet, dass es für den guten Zweck ist." Und der heiligt ja bekanntlich die Mittel.

(sid)
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