| 09.42 Uhr

London
Das taugen die Börsenpläne von RWE

London. Innogy soll an die Börse. Der RWE-Chef darf Innogy-Chef Terium nicht kontrollieren - noch nicht. Von Antje Höning

RWE will sich von der Brexit-Unruhe nicht anstecken lassen und seine Zukunftstochter Innogy bis Ende des Jahres an die Börse bringen, sagte Noch-RWE-Chef Peter Terium gestern in London. Dorthin hatten der Konzern Investoren zum Kapitalmarkt-Tag eingeladen. Man gab sich lässig, alle Vorstände traten in der Präsentation ohne Krawatte auf.

In die Innogy hat RWE seine Zukunftsgeschäfte Netze, Vertrieb und Ökostrom abgespalten. Ein sicheres Geschäft: 60 Prozent des Gewinns kommen aus den Netzen, für das die Behörden die Netzentgelte festlegen. RWE will im ersten Schritt zehn Prozent von Innogy an die Börse bringen, verbunden mit der Ausgabe neuer Aktien. Bis zu 50 Prozent können folgen. In der alten RWE AG bleiben alle Problemgeschäfte wie Braunkohle- und Atom-Kraftwerke sowie der Energiehandel.

Dividenden-Titel Innogy RWE will Investoren mit hohen Dividenden zum Kauf von Innogy-Aktien anreizen. Innogy werde 70 bis 80 Prozent des Nettogewinns ausschütten, versprach Terium, der bald nur noch Chef von Innogy ist. Bereits für 2016 soll die erste Dividende fließen. Das gefiel den Anlegern: Die Aktie legte fast um sieben Prozent zu und war Gewinner im Dax. "Die positive Reaktion der Börse zeigt: Die Aufspaltung ist richtig, weil RWE nur so frisches Kapital einsammeln kann und die direkte Verwässerung der kommunalen Aktionäre umgehen kann", sagte Sven Diermeier, Analyst bei Independent Research. Die kommunalen Aktionäre sind weiter nur an der alten RWE beteiligt.

Investitionslücke Die Frage ist, wie Innogy bei der hohen Ausschüttung die nötigen Investitionen stemmen will. Die Regulierungsbehörden verlangen hohe Investitionen in Netze. Mit einem Ökostrom-Anteil von fünf Prozent an der Stromerzeugung ist der Konzern weit davon entfernt, grün zu sein. Innogy darf aber nicht auf Kosten der Zukunft Dividende zahlen.

Resterampe RWE In dem Maße, in dem RWE Innogy-Anteile und damit Dividende verkauft, wachsen die Probleme. Mit der Innogy-Dividende muss RWE die wegbrechenden Gewinne der Kraftwerkstochter Generation kompensieren. "Für die alte RWE AG spitzt sich die Lage zu", sagt Diermeier. Sie habe zudem ein Verschuldungsproblem. "Folgerichtig hat der Vorstand angekündigt, dass er weitere Sparprogramme bei den Kraftwerken auflegt."

Personalquerelen Obwohl die Mutter RWE zunächst noch mit 90 Prozent an Innogy beteiligt ist, bekommt sie nur einen Sitz im Innogy-Aufsichtsrat. Und den soll ausgerechnet RWE-Finanzchef Markus Krebber einnehmen, ein Vertrauter von Terium. Damit wird der Innogy-Chef durch einen Zögling kontrolliert. Aufsichtsratschef beider Konzerne ist Werner Brandt. In Gewerkschaftskreisen hatte man erwartet, dass der neue RWE-Chef Rolf Martin Schmitz seinen Hut als Oberkontrolleur in den Ring wirft. Doch das konnte Terium verhindern - noch.

Quelle: RP
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