| 19.22 Uhr

Frankfurt
"Die Zeit kostenloser Girokonten ist vorbei"

Frankfurt. Sparkassen-Präsident Fahrenschon stimmt die Kunden darauf ein, dass sie künftig mehr zahlen müssen. Die Institute leiden unter der Niedrigzinsphase und müssen sparen. Die Zahl der Sparkassen und Filialen schrumpft weiter.

Die Sparkassen stellen sich wegen steigender Belastungen durch Niedrigzinsen und regulatorische Auflagen auf härtere Zeiten ein und drücken weiter die Kosten. Bereits im vergangenen Jahr seien gut 6400 freigewordene Stellen nicht wieder besetzt worden, sagte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon bei der Bilanzpressekonferenz des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV).

"Ich gehe davon aus, dass sich dieser Trend weiter fortsetzen wird", prophezeite Fahrenschon. Ende 2015 beschäftigten die Institute rund 233.700 Mitarbeiter. Die Zahl der Sparkassen-Zweigstellen und Filialen fiel im vergangenen Jahr um rund 400 auf 14.450, die Zahl der Sparkassen um acht auf 409.

"Natürlich findet eine Anpassung statt, und sie orientiert sich an den Kundenbedürfnissen", sagte Fahrenschon, "wir werden auch 2016 ein paar Sparkassen weniger sehen." Die Eigentümer von öffentlich-rechtlichen Versicherungen und Bausparkassen machten sich ebenfalls Gedanken über weitere Fusionen: "Die Bereitschaft, sich solchen Prozessen zu stellen, wird größer."

 "Der Kunde geht nicht mehr in die Geschäftsstelle"

Ein Beispiel ist Fahrenschons Heimat: In Bayern werden viele Sparkassen-Kunden künftig weitere Wege auf sich nehmen müssen: Von den 2200 Geschäftsstellen sollen in diesem Jahr bis zu 220 geschlossen werden. Inzwischen komme ein Kunde im Schnitt nur einmal pro Jahr in eine Filiale, nehme aber 108 Mal jährlich online Kontakt auf, sagte der bayerische Sparkassenpräsident Ulrich Netzer zur Begründung. "Der Kunde geht nicht mehr in die Geschäftsstelle."

Die Sparkassen verwahren für ihre Kunden Einlagen von mehr als 860 Milliarden Euro und leiden deshalb besonders stark unter der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Da der Zinsüberschuss sinkt, können die Sparkassen laut Fahrenschon andere Angebote nicht mehr quersubventionieren und müssen Gebühren für Dienstleistungen verlangen, die bisher umsonst sind. "Die Zeit von kostenlosen Girokonten ist vorbei", sagte Fahrenschon. Firmenkunden müssten bei einigen Sparkassen zudem bereits Verwahrgebühren bezahlen, wenn sie hohe Bargeldbestände auf ihren Konten liegen hätten.

Damit reagieren die Sparkassen auf die negativen Einlagezinsen, die sie berappen müssen, wenn sie Geld über Nacht bei der EZB parken. Einige Sparkassen in Bayern haben bereits durchrechnen lassen, ob es Sinn macht, Geld in eigenen Tresoren zu bunkern, statt es zur EZB zu tragen. Das lohne sich bei einem negativen Einlagezinssatz von 0,4 Prozent allerdings noch nicht, sagte Fahrenschon. Einige Sparer reagierten dagegen bereits. "Die Kundenschließfächer werden immer stärker nachgefragt", so der Sparkassen-Präsident.

Rückläufige Ergebnisse erwartet

Im vergangenen Jahr konnten die Sparkassen die Belastungen durch niedrige Zinsen, Tarifsteigerungen und eine gestiegene Bankenabgabe durch Zuwächse im Wertpapier- und Kreditgeschäft kompensieren. Der Überschuss blieb konstant bei rund zwei Milliarden Euro. Da höher verzinste Anlagen und Kredite nach und nach auslaufen, stellt sich der DSGV-Präsident im laufenden Jahr und auch darüber hinaus auf rückläufige Ergebnisse ein.

Kritisch sieht Fahrenschon die anvisierte Fusion von Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE). Dass die fusionierte Mega-Börse ihren Sitz in London haben soll - außerhalb des Euro-Raums und bei einem "Brexit" auch außerhalb der EU - könne er sich nur schwerlich vorstellen.

(rtr)
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