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Börse
Angst vor Brexit drückt Dax auf Dreimonatstief

Das 1x1 der Börsensprache
Das 1x1 der Börsensprache FOTO: AP
Frankfurt/Main. Die Talfahrt am deutschen Aktienmarkt hält an. Der Dax schloss am Dienstag 1,43 Prozent schwächer bei 9519 Punkten, was den niedrigsten Stand seit über drei Monaten bedeutete.

Es war der fünfte Verlusttag in Folge für den deutschen Leitindex. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen verlor am Dienstag 1,33 Prozent auf 19.537 Punkte und der Technologiewerte-Index TecDax fiel um 2,30 Prozent auf 1574,72 Punkte.  Analyst Niall Delventhal von DailyFX sah die Kurse "weiterhin im Klammergriff der Brexit-Sorgen". Erneut sei das Kapital in als sicher geltende Anlagen wie etwa Bundesanleihen geflossen.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gab um 1,97 Prozent auf 2797,18 Punkte nach. In Paris und London ging es für die nationalen Indizes ebenfalls kräftig bergab. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial notierte zum europäischen Börsenschluss dagegen nur gut ein halbes Prozent im Minus.

Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding verwies darauf, dass die Umfragen zunehmend auf einen britischen Abschied aus der Europäischen Union hindeuteten. Gut eine Woche vor dem EU-Referendum in Großbritannien liegen nach zwei neuen Umfragen die Befürworter eines Brexits mit bis zu sieben Prozentpunkten vorn. Ein Händler wertete es als weitere Zuspitzung, dass sich auch die auflagenstärkste britische Zeitung "The Sun" für einen Austritt der Briten aus der EU ausgesprochen hat.

Fallende Ölpreise sowie die übliche Nervosität vor der US-Leitzinsentscheidung am morgigen Mittwoch drückten zusätzlich auf die Stimmung. Der rückläufige Eurokurs, der deutsche Exporte in Länder außerhalb des Währungsraums begünstigt, konnte dagegen letztlich ebenso wenig ausrichten wie gute europäische Industrieproduktionsdaten und amerikanische Einzelhandelsumsätze.

Bei Einzelwerten bewegten vor allem Analystenkommentare. Dax-Schlusslicht waren die Aktien von RWE mit einem Kursabschlag von 5,13 Prozent. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte die Bonität des Versorgers gesenkt. Der Ausblick ist negativ. Hintergrund ist die Empfehlung der Atomkommission zur Finanzierung des Atomausstiegs. Dieser werde RWE mit knapp 6,5 Milliarden Euro belasten, schrieben die S&P-Experten.

Lufthansa-Aktien rutschten um 2,61 Prozent auf 10,995 Euro ab und fielen damit dauf den tiefsten Stand seit September 2015. Ein Börsianer machte hierfür das neue Kursziel von 8,50 Euro verantwortlich, mit dem die Investmentbank Kepler den Markt geschockt habe. Zudem spricht Analystin Ruxandra Haradau-Doser nun eine Verkaufsempfehlung aus.

Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von minus 0,09 Prozent am Vortag auf ein Rekordtief von minus 0,12 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,20 Prozent auf 143,21 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,24 Prozent auf 165,16 Punkte. Der Kurs des Euro sackte auf 1,1213 US-Dollar ab. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,1225 (Montag: 1,1268) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8909 (0,8875)
Euro.

(felt/dpa)
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