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Palo Alto
Google überholt Apple an der Börse

Palo Alto. Googles Mutterkonzern Alphabet wird wertvollster Konzern der Welt. Gemessen am Gewinn ist Apple niedrig bewertet. Von Reinhard Kowalewsky

Was interessiert die Börsianer? Nur die Zukunft und das aktuelle und künftige Wachstum, der Vergangenheit wird keine Träne nachgeweint.

Diese Weisheit hat sich gestern bestätigt: Trotz eines phänomenalen Gewinnes in 2015 von 53,4 Milliarden Dollar (49 Milliarden Euro) ist der iPhone-Bauer Apple nicht mehr wertvollster Konzern der Welt. Diese Auszeichnung errang zumindest zeitweise der Google-Mutterkonzern Alphabet mit einem gesamten Marktwert von knapp 500 Milliarden Euro. Apple hat dagegen im Vergleich zum Sommer 2015 ein Fünftel seines Wertes eingebüßt - mit 485 Milliarden Euro ist der Konzern aber noch immer mehr wert als Siemens, Volkswagen, Bayer, Eon und viele andere Firmen zusammen.

Als Ergebnis ist Google eine typische "Wachstumsaktie" mit der Hoffnung auf stark steigende Gewinne in der Zukunft, wogegen die Börsianer Apple fast schon so vorsichtig bewerten wie früher die deutschen Stromkonzerne: Der Börsenwert liegt rund elfmal so hoch wie der für dieses Jahr erwartete Gewinn - das ist eine ähnliche Relation wie sie die Dax-30-Konzerne im Durchschnitt auch haben. Weil Apple aber Barreserven von rund 200 Milliarden Euro hat, müssen nur etwas mehr als 270 Milliarden Euro Börsenwert mit künftigen Gewinnen finanziert werden - ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp sechs. "Die Börse erwartet von Apple offensichtlich keine großen Sprünge mehr nach vorne", sagt der Kölner Wirtschaftsprofessor Klemens Skibicki, "gemessen am bisherigen Gewinn sind die Aktien ja günstig zu kaufen."

Die Wachstumsraten zeigen den Unterschied zwischen dem neuen Weltprimus Google/Alphabet und Apple. Der Umsatz von Google stieg im Weihnachtsquartal um etwa 18 Prozent - Apple legte nur um 1,7 Prozent zu und warnt für dieses Quartal mit einem deutlichen Einbruch. Apple sorgt sich, weil der Absatz der iPhones nicht mehr zulegt und es gleichzeitig nicht gelingt, ein neues "next big thing", so wie das iPhone oder den iPad, zu entwickeln, wogegen Google mehr Zukunftsvorhaben auf den Weg bringt als jede andere Firma der Welt.

Als Resultat ist Google/Alphabet zwanzigmal so hoch bewertet wie der erwartete Gewinn in diesem Jahr - wenigstens eine der großen Investitionen muss sich also noch auszahlen.

Als "Wetten" bezeichnet Alphabet die Aktivitäten jenseits der reinen Suchmaschine Google sowie ähnlicher Digital-Aktivitäten wie Youtube, die sich der Konzern vergangenes Jahr mehr als fünf Milliarden Euro an Investitionen kosten ließ.

Dazu gehören die Entwicklung eines selbstfahrenden Autos mit Digitaltechnik, die Expansion der Haustechnikfirma Nest, der Bau von Drohnen und Ballons für die Internet-Übertragung sowie die Entwicklung neuer Heilverfahren gegen Krebs. "Es geht nur um die Wachstumskurve", sagt Jan Dawson von der Beratungsfirma Jackdaw, "und da legt Google trotz hoher Investitionskosten weiter zu."

Quelle: RP
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