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Jerusalem
Israels Präsident kritisiert Kaufhaus KaDeWe wegen Produkt-Boykotts

Jerusalem. Israels Ministerpräsident hat das Berliner Kaufhaus des Westens (KaDeWe) wegen eines "Boykotts" von Siedlerprodukten kritisiert. "Das Kaufhaus war in jüdischem Besitz, die Nazis haben es enteignet", sagte Benjamin Netanjahu. Es sei absurd, dass es Produkte aus israelischen Siedlungen kennzeichne: "Wir protestieren scharf gegen diesen unangemessenen Schritt." Man erwarte von der Bundesregierung, "aktiv zu werden".

Der "Spiegel" hatte berichtet, das KaDeWe habe Produkte aus israelischen Siedlungen aus dem Verkauf genommen. Das Kaufhaus reagierte damit auf einen EU-Beschluss: Weil die besetzten Gebiete im Westjordanland, auf den Golanhöhen und Ost-Jerusalem nach internationalem Recht nicht zu Israel gehören, sei die Bezeichnung "Made in Israel" irreführend. Stattdessen müsse die Region gekennzeichnet werden. Verbraucher haben so die Möglichkeit, israelische Siedlerprodukte aus besetzten arabischen Gebieten zu kaufen oder bewusst zu boykottieren.

Die EU betrachtet israelische Siedlungen in den besetzten Gebieten als illegal. Sie seien ein Haupthindernis auf dem Weg zu einer Zwei-Staaten-Lösung. In Israel waren schon die Vorbereitungen für die Kennzeichnungspflicht kritisiert worden. Ex-Außenminister Avigdor Lieberman sagte etwa, die geplante Vorschrift erinnere ihn an den gelben Stern, den Juden zur Zwangskennzeichnung im deutschen Nationalsozialismus tragen mussten.

Das Kaufhaus ruderte unterdessen nach Netanjahus massiver Kritik zurück. "Die acht israelischen Weine werden ab sofort wieder im Sortiment sein", teilte das KaDeWe mit.

(dpa)
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