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Köln
Der Konzern, der aus der Kälte kam

Kaufhof-Käufer Hudson's Bay: Der Konzern, der aus der Kälte kam
Der Vorstandsvorsitzende der Hudson's Bay Company, Richard Baker, erläuterte am Montag in Köln die Kaufhof-Übernahme. FOTO: dpa, obe fdt
Köln. Die kanadische Warenhauskette Hudson's Bay kauft für 2,8 Milliarden Euro Galeria Kaufhof. Ein Unternehmen, das als Pelzhändler im 17. Jahrhundert startete und nun Multi-Channel macht, will Europas Warenhaus-Markt aufmischen. Von Georg Winters

Multi-Channel, der Vertrieb von Produkten über unterschiedliche und miteinander verzahnte Kanäle, ist im Einzelhandel längst ein geflügeltes Wort. Und weil in Nordamerika das Internet ja nicht anders ist als in Europa, nutzen auch Manager von Konzernen in Übersee den Begriff gern, wenn sie die Zukunft des Handels umschreiben. Jeremy Storch macht keine Ausnahme. Der Vorstandsvorsitzende der Hudson's Bay Company (HBC), die für 2,8 Milliarden Euro die Metro-Tochter Galeria Kaufhof übernimmt, spricht sogar von Omni-Channel und davon, dass das Warenhaus "glänzend geeignet ist für den Online-Handel".

Im Fall Hudson's Bay ist das zumindest mit Blick auf die Historie erwähnenswert. Die Kette mit rund 13 Milliarden Dollar (neun Milliarden Euro) Umsatz - nach der Übernahme - und etwa 70 000 Mitarbeitern ist nämlich kein Start-up, das vor Jahren in irgendeinem Hinterzimmer geboren und dann an die Börse gebracht worden wäre, um sich dort mit Milliarden von Investoren vollzusaugen. Nein, Hudson's Bay ist der älteste kanadische Konzern, geschaffen 1670 von Briten, die den Franzosen das Monopol im Pelzhandel streitig machten.

Sozusagen der Konzern, der aus der Kälte kam. Im Laufe der Jahrhunderte hat das Unternehmen auch schon mit Immobilien und Rohstoffen gehandelt, sich als Agrar- und als Schifffahrtsgesellschaft versucht und natürlich auch Warenhäuser betrieben. 2008 übernahm der Finanzinvestor NRDC Equity Partners das Ruder, seit 2012 ist Hudson's Bay zum zweiten Mal an der Börse. Die Gruppe betreibt rund 300 Warenhäuser und Fachgeschäfte, und den berühmtesten Konzern-Ableger findet man an der 5th Avenue in New York. Dort, an der edelsten Einkaufsmeile der Ostküste, liegt die umsatzstärkste Filiale des Luxus-Kaufhauses Saks, das Hudson's Bay vor zwei Jahren übernahm und das zudem unter dem Namen "Saks off 5th" auch noch Luxusansprüche sozusagen im Discount-Format bedient. Für jene, für die das ganz Edle dann vielleicht doch eine Spur zu teuer ist.

Zurück nach Europa. Dorthin führt Hudson's Bay der nächste Schritt, die Übernahme von Galeria Kaufhof - 103 Filialen plus 16 Sportarena-Niederlassungen sowie 16 Galeria-Inno-Häuser in Belgien, dazu Logistikzentren und Lagerhäuser. Nach dem Sieg im Wettlauf mit dem Karstadt-Eigentümer Signa Holding kündigen die Kanadier Investitionen und neue Arbeitsplätze in den Kaufhof-Ländern Deutschland und Belgien an. Wie viel, mag weder Storch sagen noch Richard Baker, der Chef des HBC-Verwaltungsrates. Auf jeden Fall gibt es eine Standort- und Beschäftigungsgarantie für drei Jahre. Bis Herbst 2018 ist also keiner der 21 500 Arbeitsplätze bei Kaufhof bedroht. Es sollen sogar neue Jobs entstehen, wie Baker sagt, auch weil der Konzern seine Nobelmarke Saks nach Europa bringen will, um sie neben Galeria Kaufhof zu etablieren.

Das Online-Geschäft soll weiter wachsen, die Kaufhäuser sollen dem Kunden ein Kauferlebnis der besonderen Art bringen. Es wird investiert, vermutlich wird sich das Outfit mancher Kaufhof-Niederlassungen verändern, von denen viele an Innenstadt-Topstandorten liegen und die deshalb auch als Immobilie für den Käufer von großem Interesse sein dürften. "Hudson's Bay verfolgt eine Strategie internationalen Wachstums, und Galeria Kaufhof wird hierbei eine zentrale Rolle spielen", kündigte Baker gestern an.

Seit 2007 habe Hudson's Bay Kaufhof beobachtet und sich einzelne Märkte angesehen, hat er berichtet. Ein Deal, der von langer Hand vorbereitet war und bei dessen Vorbereitung die Hudson's-Bay-Spitze vermutlich erkannt hat, wie wichtig es ist, ein Management zu haben, das mit dem Markt vertraut ist. Deshalb installieren die Kanadier in Deutschland und Belgien auch kein neues Spitzenpersonal, sondern lassen die Mannschaft an Bord, mit Olivier van den Bossche an der Spitze der Geschäftsführung.

Quelle: RP
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