| 10.12 Uhr

Essen
RWE-Ökosparte verdoppelt Gewinn

Essen. Der Energiekonzern will die Ökosparte an die Börse bringen, damit sie neues Eigenkapital für weiteres Wachstum erhält. Tatsächlich werden auch die Schulden steigen - und RWE will große Solarparks bauen. Von Reinhard Kowalewsky

Rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln - nach diesem Motto gestaltet RWE die Expansion seiner Ökosparte RWE Innogy: Erst sollte der frühere SPD-Politiker Fritz Vahrenholt sie schnell zu Wachstum führen. Dann wurden unter seinem Nachfolger Hans Bünting die Investitionen auf eine Milliarde Euro in den Jahren 2015 bis 2018 gekürzt. Jetzt wird die nächste Expansion vorbereitet. Ende des Jahres soll RWE Innogy inklusive des Netz- und Vertriebsgeschäftes an die Börse gehen, um mit dem neu aufgenommenen Kapital abseits des Kohle- und Atomgeschäfts wieder zu wachsen. "Wir starten eine kontrollierte Offensive", erklären Bünting und RWE-Chef Peter Terium.

Wie viel Geld nach dem Börsengang in neue Ökostromprojekte fließen wird, ließen die Manager offen. Sie wollen aber bereits jetzt den Verkauf einiger Windparks stoppen, weil sie künftig auf eine stärkere Kapitalbasis setzen. Das Geschäft sieht Bünting dabei im Aufwärtstrend: Der operative Gewinn von RWE Innogy habe sich in 2015 auf rund 400 Millionen Euro verdoppelt.

Als neues Segment neben Wind- und Wasserkraft soll nun auch großflächig in die Photovoltaik eingestiegen werden. Im Fokus stehen dabei Projekte in Nordafrika, in Dubai und in der Türkei. Bünting rechnete vor, dass in Dubai eine Kilowattstunde Solarstrom für etwas unter sechs Cent produziert werden kann. Auch in der Türkei sei Solarstrom gegenüber konventionellem Strom beispielsweise aus Kohlekraftwerken auch ohne Subventionen praktisch wettbewerbsfähig.

Beim Börsengang sollen erst einmal zehn Prozent des Kapitals des neuen RWE-Ablegers als Aktien verkauft werden. Die Hälfte des Erlöses soll dann Zukunftsprojekte finanzieren, der Rest würde dem hochverschuldeten Mutterkonzern helfen, Verbindlichkeiten abzutragen.

Aber auch der neue Ableger wird stark auf Kredite setzen: Bei Windparks oder anderen Großprojekten will RWE jeweils einen großen Teil der Kosten mit Schulden bezahlen. Dieses Fremdkapital gibt es von den Banken für drei Prozent, sagt Bünting. Wenn dann die Gesamtrendite des Kapitals beispielsweise bei zehn Prozent liegen würde, wäre für das Eigenkapital eine schöne Rendite von 15 bis 20 Prozent drin. Damit die Projektschulden aber nicht in der eigenen Bilanz auftauchen, will RWE Innogy sich bei Projekten nur als Minderheitspartner einbringen.

Offen scheint bisher, welchen Namen der künftige RWE-Ableger haben wird. Der eingeführte Name RWE Innogy ist nicht völlig ausgeschlossen. Immerhin wäre das Unternehmen ja weiterhin Teil der RWE-Familie und hätte viele Privatkunden.

Die Entscheidung über den Chefposten des grünen Ablegers sei noch nicht gefallen, erklärt RWE-Chef Terium. Er schloss nicht aus, dass ihn die Aufgabe möglicherweise auch selber reizen würde. Innovationen seien für ihn schon jetzt Chefsache.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Essen: RWE-Ökosparte verdoppelt Gewinn


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.