| 05.56 Uhr

Eine der größten Insolvenzen Japans
Airbag-Hersteller Takata beantragt Gläubigerschutz

Insolvenz: Airbag-Hersteller Takata beantragt Gläubigerschutz
Die Takata-Firmenzentrale in der japanischen Hauptstadt Tokio. (Archiv) FOTO: dpa, hjb
Tokio. Eine Insolvenz in diesem Umfang hat Japan lange nicht gesehen: Nach einer Skandalserie um defekte Airbags zieht der 84 Jahre alte Konzern Takata in Japan und Amerika die Reißleine. Europa ist nicht betroffen.

Der japanische Autozulieferer Takata hat angesichts eines gewaltigen Rückruf-Desasters Insolvenz in Japan und den USA angemeldet. Das teilte der 1933 gegründete Konzern am Montag mit. Neben dem Mutterkonzern wird die US-Tochter TK Holdings in die Insolvenz geschickt.

In Europa sei indes nicht geplant, Insolvenzverfahren einzuleiten. Die Verfahren in den USA und Japan hätten keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf Takata in Europa, hieß es.

Hoffnung auf Rettung aus China und Amerika

Es ist eine der größten Insolvenzen der japanischen Wirtschaftsgeschichte: Airbag-Hersteller Takata. (Archiv) FOTO: afp

Zur Finanzierung eines Restrukturierungsplans soll Takata nun an den chinesisch kontrollierten US-Zulieferer Key Safety Systems (KSS) zu einem Preis von rund 175 Milliarden Yen (1,4 Milliarden Euro) verkauft werden. Beide Seiten erzielten eine entsprechende Grundsatzvereinbarung, wonach KSS nahezu alle Vermögenswerte und operativen Geschäfte übernimmt, darunter auch die Herstellung von Sicherheitsgurten und Lenkrädern. Der Rest von Takata dürfte soweit wie möglich verkauft werden.

Angesichts von Verbindlichkeiten von mehr als einer Billion Yen (8,1 Mrd Euro) ist es eine der größten Insolvenzen in Japans Wirtschaftsgeschichte. Technische Probleme bei Takata-Airbags waren 2014 bekannt geworden. Bei langer Einwirkung von Hitze und Luftfeuchtigkeit kann der Airbag bei einem Unfall zu stark auslösen.

Die Mängel hatten allein in den USA zum Rückruf von 70 Millionen Airbags geführt. Sie werden für den Tod von mindestens 16 Menschen verantwortlich gemacht.

Lieferungen gehen weiter

Die weltweite Geschäftstätigkeit und die Lieferungen an Kunden sollen auch nach den Insolvenzverfahren ohne Unterbrechung fortgeführt werden. Takata kündigte an, auch die Lieferung von Ersatz-Gasgeneratoren für die laufenden Airbag-Rückrufe weiter fortzusetzen. Angesichts Takatas Weltmarktanteil von 20 Prozent bei Airbags suchten die Autobauer seit Jahren nach einer Lösung, damit Takata die Produktion fortsetzen kann.

Durch den nun geplanten Zusammenschluss von nahezu allen Bereichen von Takata und KSS würde ein Anbieter von Sicherheitssystemen für Autos mit etwa 60 000 Mitarbeitern in 23 Ländern geschaffen. "KSS ist nicht nur der ideale Investor, um die Kosten in Zusammenhang mit den Rückrufen von Airbag-Gasgeneratoren zu bewältigen, sondern auch ein optimaler Partner für Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter des Unternehmens", sagte Shigehisa Takada, Vorstandsvorsitzender von Takata.

Lange Zeit hatte die Gründerfamilie, die bislang 60 Prozent der Anteile an Takata hielt, versucht, eine außergerichtliche Lösung zu finden. Die Autohersteller jedoch bestanden auf einem Insolvenzverfahren. Die Airbags von Takata werden von vielen Herstellern genutzt, unter anderem auch von deutschen.

(sbl/dpa)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Insolvenz: Airbag-Hersteller Takata beantragt Gläubigerschutz


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.