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Thomas Kremer
Justiz ermittelt gegen Telekom-Vorstand

Justiz ermittelt gegen Telekom-Vorstand Thomas Kremer
Telekom-Vorstand Thomas Kremer. FOTO: Telekom
Exklusiv | Bonn. Für sauberes Management ist Thomas Kremer bei der Telekom zuständig - jetzt wird ihm mangelnde Sorgfalt bei einem ähnlichen Job bei ThyssenKrupp vorgeworfen. Blöd für Kremer: Bald müsste über seine Zukunft entschieden werden. Von Reinhard Kowalewsky

An sich weilt Telekom-Vorstand Thomas Kremer im Osterurlaub, tatsächlich muss er sich mit den Spätfolgen seiner 18 Jahre langen beruflichen Vergangenheit bei ThyssenKrupp auseinandersetzen. Nach Informationen unserer Redaktion hat die Staatsanwaltschaft Bremen dem 58-jährigen vor rund zwei Wochen mitgeteilt, dass sie gegen ihn als Beschuldigten bei einem Verfahren gegen Steuerhinterziehung und Korruption ermittelt. Er habe es als für sauberes Management ("Compliance") zuständiger Manager bei ThysssenKrupp möglicherweise versäumt, beim Bremer Joint-Venture Atlas Electronics ausreichend dafür zu sorgen, dass es zu keinen Straftaten kommt.

Geschäfte mit türkischem Militär

Dabei geht es überwiegend um den Verdacht, dass die Rüstungsfirma zwischen 1998 und 2014 türkische Militärs bestochen haben könnte, um Aufträge beispielsweise für Torpedos zu erhalten - darum wurden Büros von Atlas im Januar durchsucht.

Kremer bestätigt auf Anfrage die Ermittlungen gegen sich, sieht aber kein Fehlverhalten. Als Konzernverantwortlicher für sauberes Management habe nur für allgemeine Leitlinien und korrekte Prozeduren sorgen müssen - niemand könne von ihm verlangen, Fehlverhalten in allen Verästelungen des Unternehmens sicher zu verhindern und dafür gerade zu stehen.

Ganz so einfach ist die Lage aber nicht: Denn in Entscheidungen des Bundesgerichtshofes wurde festgelegt, dass bestimmte Funktionsträger in Firmen auch für nicht von ihnen selbst begangene Straftaten möglicherweise mit angeklagt werden können, wenn sie an sich dafür sorgen sollen, dass diese unterbleiben müssen - es kommt immer sehr auf die Details an.

Keine Akteneinsicht

Gleichzeitig werfen die Vorgänge bei Atlas Fragen auf: Das Unternehmen wurde im Jahr 2006 von ThyssenKrupp und Airbus übernommen. Weil Rüstungsfirmen zu Korruption neigen, wurden alle Geschäfte überprüft. Dabei kamen mehrere fragwürdige Beraterverträge heraus, worüber die Bremer Staatsanwaltschaft informiert wurde, die aber nichts unternahm. Das berichtet Kremer jetzt. Die Bremer Behörde kommentiert den Vorgang nicht, Kremer und sein Düsseldorfer Anwalt Sven Thomas haben bisher keine Akteneinsicht, sagen sie.

Falls sich nun herausstellen würde, dass es auch nach dem Aufdecken fragwürdiger Geschäfte zu Bestechungen kam, könnte dies für Kremer unangenehm sein: "Natürlich kann sich der Chief Compliance Officer eines Konzerns nicht um jeden Winkel kümmern", sagt Frank Hülsberg, auf Compliance spezialisierter Partner der Beratungsfirma Warth & Klein Grant Thornton, "aber je konkretere Hinweise es auf Probleme gibt, umso mehr steigt der Druck, dass da ganz genau hingeschaut wird. Und wenn das nicht geschieht, kann es eng werden."

Telekom beim Datenschutz vorne

Trotz des Verfahrens ist Familienvater Kremer optimistisch: "Ich gehe davon aus, dass die Ermittlungen eingestellt werden. Ich sehe nicht, wie ich mich strafbar gemacht haben sollte." Konzernchef Tim Höttges und Aufsichtsratschef Ulrich Lehner sind informiert - und scheinen hinter Kremer zu stehen. Ihm wird zugutegehalten, dass die Telekom beim Datenschutz vorne liegt - und dass es in den letzten Jahren keine großen Skandale gab. Allerdings kam bei manchen Managern nicht gut an, dass Kremer bei ThyssenKrupp nicht verhindert hatte, dass es da Kartelle unter anderem bei Schienen und Aufzügen gab.

Im Sommer muss an sich entschieden werden, ob Kremers Fünf-Jahres-Vertrag über Juni 2017 hinaus verlängert wird. Die Telekom prolongiert Vorstandsverträge meist ein Jahr vor Ende. Falls die Ermittlungen sich hinziehen, sagen Insider, muss die Entscheidung vielleicht verschoben werden.

Quelle: RP
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