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Deutsche Bahn
Richard Lutz - ein Zahlenmensch ist neuer Bahnchef

Richard Lutz - ein Zahlenmensch ist neuer Chef der Deutschen Bahn (DB)
Richard Lutz wird den Großkonzern Deutsche Bahn führen (Archivaufnahme). FOTO: dpa, ped fdt fpt fgj
Berlin. Der bisherige Finanzchef Richard Lutz soll als neuer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn für mehr Kunden und Qualität sorgen. Der Aufsichtsrat bestellte den 52-Jährigen am Mittwoch in Berlin.

Keiner kenne die Bahn so gut wie Lutz, hob Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht hervor. Er sorge für die notwendige Kontinuität inmitten eines rasanten Wandels. Der Aufsichtsrat verlängerte zudem die Verträge der Vorstände Berthold Huber (Personenverkehr) und Ronald Pofalla (Infrastruktur) bis März 2022.

Lutz soll sich am späten Mittwochnachmittag als neuer Bahnchef der Öffentlichkeit präsentieren. Er folgt auf Rüdiger Grube, der im Januar nach knapp acht Jahren im Streit um seine Vertragsverlängerung zurückgetreten war. Grube soll neuer Aufsichtsratschef der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) werden, wie am Mittwoch bekannt wurde. Der 65-Jährige hatte erst vor zwei Wochen eine Unternehmensberatung in Hamburg gegründet.

Lutz hat weiter ein Auge auf die Finanzen

Bei der Bahn wird der Vorstand umgebaut. Als Vorstandschef soll sich der Betriebswirt Lutz weiter um die Finanzen des Bundeskonzerns mit weltweit 300.000 Beschäftigten kümmern. Einen eigenständigen Finanzvorstand gibt es dann nicht mehr. Stattdessen werden zusätzlich die Ressorts Digitalisierung und Technik sowie Güterverkehr und Logistik eingerichtet. Der Aufsichtsrat werde sie "zeitnah" besetzen, hieß es am Mittwoch.

DB Cargo, der Schienengüterverkehr in Deutschland, zählt zu den Sorgenkindern der Bahn, er fällt künftig in ein Ressort mit der internationalen Spedition DB Schenker. Um die Auslandsverkehrstochter Arriva kümmert sich künftig Personenverkehrsvorstand Berthold Huber.

Die Bahn hatte 2015 erstmals seit Jahren rote Zahlen geschrieben.
Noch unter Grube stieß der Vorstand unter dem Schlagwort Zukunft Bahn ein Pogramm für mehr Kunden und Qualität an. Dieses solle Lutz konsequent fortführen, teilte der Aufsichtsrat mit. An diesem Donnerstag präsentiert die Bahn ihre Bilanz für 2016. Wie aus dem Umfeld des Konzerns verlautete, gelang die Rückkehr in die Gewinnzone.

Für die Union im Bundestag ist Lutz eine gute Wahl. "Er weiß, worauf es jetzt ankommt: Deutschland braucht eine starke, attraktive und zukunftsfähige Bahn", sagte der verkehrspolitischen Sprecher Ulrich Lange. Aus Sicht der Grünen war die Vertragsverlängerung für den früheren Kanzleramtsminister Ronald Pofalla "völlig übereilt". Der Abgeordnete Matthias Gastel vermutet, dass er später Vorstandschef werden soll.

Offen ist, wer die neuen Vorstandsressorts besetzt. Digitalisierung und Technik würde fachlich zum bisherigen Siemens-Vorstandsmitglied Siegfried Russwurm passen. Er war zwischenzeitlich als Grube-Nachfolger im Gespräch gewesen. Für den Güterverkehr handelten Medien zeitweise die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, Sigrid Nikutta. Sie sagte am Mittwoch, Gerüchte kommentiere sie nicht.

Im Amt bleibt Aufsichtsratschef Felcht. Er war nach dem Grube-Rücktritt unter Druck geraten. Andere Aufsichtsräte hatten ihn für den Verlauf der Gremiumssitzung im Januar verantwortlich, der zum überraschenden Abgang Grubes führte.

(felt/dpa)
 
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