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Stromkosten
Versorger sollen niedrige Preise weitergeben

Berlin. Seit 2010 fielen die Großhandelspreise um 25 Prozent, ohne dass Privatkunden davon profitieren. Nun will der Bund die Versorger zwingen, ihre Preisgestaltung offenzulegen. Verbraucherschützer fordern automatische Preissenkungen. Von Antje Höning

Seit Jahren sind die Preise, zu denen Strom an der Börse gehandelt wird, auf Talfahrt. Kostete die Megawattstunde einst 60 Euro, ist sie nun oft für 32 Euro zu haben. Allein von 2010 bis 2014 sind die Großhandelspreise um 25 Prozent gefallen, wie die Verbraucherzentrale NRW ermittelt hat. Ursache ist die massive Ökostrom-Förderung, die zu einem Überangebot an Strom geführt und die Börsenpreise gesenkt hat. Doch davon haben viele Verbraucher bislang nichts. RWE, Eon und auch viele Stadtwerke geben die Preissenkungen nur zu einem Bruchteil weiter - wenn überhaupt.

Dagegen will die Bundesregierung nun vorgehen. Die Spitzen der Unions- und SPD-Fraktion vereinbarten in ihrem Papier "Wirtschaft begründet Wohlstand" unter der Überschrift "Verbraucherpreise im Griff behalten", Möglichkeiten für die Weitergabe der gesunkenen Börsenstrompreise an Haushalte und andere Tarifkunden zu prüfen. "Bislang haben zu wenige Versorger die stark gefallenen Großhandelspreise weitergegeben. Mehr Wettbewerb ist insbesondere bei der Grundversorgung nötig", sagt Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs.

Die Grundversorgung ist der Tarif, in dem automatisch alle Kunden landen, die nicht gewechselt und aktiv einen Versorgungsvertrag abgeschlossen haben. Mehr als ein Drittel der Deutschen bezieht Strom noch über Grundversorgungs-Tarife, obwohl diese in der Regel teurer sind als Sondertarife, für die man sich aber aktiv entscheiden muss.

Daher will die Regierung die Versorger zu mehr Transparenz und somit zu mehr Wettbewerb zwingen. Sie sollen öffentlich machen, zu welchen Großhandelspreisen sie ihren Strom eingekauft haben. "In dieser Legislaturperiode wollen wir versuchen, das anzuschieben", so Fuchs.

Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Klaus Müller, begrüßte den Vorstoß: "Das ist ein überfälliger Schritt. Seit Jahren sinken die Großhandelspreise, doch die meisten Privatkunden haben nichts davon." Doch Müller geht die Regierung nicht weit genug: "Es reicht jedoch nicht, nur mehr Transparenz zu schaffen. Die Bundesregierung muss auch für einen Automatismus sorgen, wonach die Versorger die Senkung der Großhandelspreise in einer bestimmten Zeit an die Privatkunden weitergeben müssen", so Müller zu unserer Zeitung. Dies sei insbesondere in den teuren Grundversorgungs-Tarifen nötig, in denen vor allem ältere und einkommensschwächere Menschen seien.

Solche Forderungen hat die Stromwirtschaft bisher zurückgewiesen. Strom werde meist mehrere Jahre im Voraus eingekauft. Daher könnten Preisrückgänge an der Börse nicht zeitgleich an die Kunden weitergegeben werden, lautet das Argument des Branchenverbands BDEW. Doch nach Jahren des Preisverfalls zieht es kaum noch.

Gerne verweist die Branche auch auf den hohen und über die Jahre gestiegenen Anteil von Steuern und Abgaben am Strompreis. In der Tat liegen nur rund 25 Prozent des Strompreises in der Hand der Versorger. Doch das nutzen viele von ihnen weiter aus. Sie stehen an vielen Fronten massiv unter Druck, so dass sie versuchen, die Gewinnmargen im Geschäft mit den Privatkunden hochzuhalten.

Sollte die Bundesregierung mit ihrer Preissenkungs-Initiative erfolgreich sein, wäre dies ein Schlag für Stadtwerke und Versorger, die wie RWE stark in der Grundversorgung engagiert sind. Schon jetzt schreiben 35 bis 45 Prozent der Kohle- und Gaskraftwerke von RWE rote Zahlen. Bleibe es bei 32 Euro je Megawattstunde, werde die Kraft-werkstochter "in nicht allzu ferner Zukunft" Verluste machen, hatte RWE im März gewarnt. Sollte der zweitgrößte deutsche Versorger nun auch noch weniger Geld für seinen Strom bekommen, wird sich die Krise weiter verschärfen.

Quelle: RP
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