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98,45 Prozent bestätigen Kraft als NRW-SPD-Chefin
"Das haut mich wirklich um"

Hannelore Kraft mit starkem Ergebnis als SPD-Chefin in NRW wiedergewählt
Sichtlich gerührt: Hannelore Kraft auf dem Parteitag. FOTO: dpa, wok wst
Bochum. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ist mit einem starken Ergebnis von 98,45 Prozent erneut an die Spitze der NRW-SPD gewählt worden. Die sichtlich gerührte Kraft sendete einen emotionalen Gruß an ihre Mutter.  Von Kirsten Bialdiga

Acht Monate vor der Landtagswahl hat die SPD ihrer NRW-Parteivorsitzenden Hannelore Kraft auf einem Parteitag mit einem deutlichen Votum den Rücken gestärkt. Von 452 Delegierten, gaben der Ministerpräsidentin 445 ihre Stimme, das entspricht einem Anteil von 98,45 Prozent. Vier votierten mit "Nein", drei enthielten sich, acht Stimmen waren ungültig.

Das ist zwar nicht das beste Ergebnis, das Kraft bei einem Parteitag je erzielte. So gaben ihr 2012 in Münster  99,08 Prozent der Genossen ihre Stimme. Aber es liegt deutlich über dem Votum des letzten Parteitages 2014 in Köln, wo nur 95,18 Prozent für Kraft votierten.

"Schade, Mama, dass du nicht dabei sein kannst"

Die 55-Jährige konnte eine gewisse Rührung nicht verbergen. "Nach 18 Jahren so ein Ergebnis, das haut mich wirklich um", sagte sie nach Bekanntgabe des Votums und fügte mit tränenerstickter Stimme hinzu: "Gestatten Sie mir einen persönlichen Gruß an meine Mama: Schade, dass Du nicht dabei bist."

Zugleich sandte die alte und neue SPD-Parteivorsitzende eine Solidaritätsadresse  an die stellvertretende Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann, die auf dem parallel stattfindenden Grünen-Parteitag in Oberhausen nur mit 80,6 Prozent der Stimmen zur Spitzenkandidatin gekürt wurde: "Grüße an unseren grünen Koalitionspartner und herzlichen Glückwunsch", sagte Kraft und stellte klar, wie sie die SPD im NRW-Wahlkampf positionieren will: "Wir kämpfen allein, aber wenn es geht, machen wir gern mit den Grünen weiter."

Zuvor hatte Kraft in ihrer Rede auf Erfolge ihrer Regierungszeit in der Wirtschafts-, Sozial- und Bildungspolitik verwiesen. Heute seien mehr Menschen in NRW in Arbeit als je zuvor, das Bruttoinlandsprodukt liege um 90 Milliarden Euro höher als 2010 und die Versorgung mit schnellem Internet komme sehr gut voran. Zugleich verteidigte sie ihr Programm "Kein Kind zurücklassen": Es brauche einen langen Atem, bis sich flächendeckend Erfolge einstellen würden.

Daneben stellte sie in der über Strecken retrospektiven Rede Erfolge der NRW-Landesgruppe in der Bundespolitik heraus wie in der Steuerpolitik oder die Mietpreisbremse. "Wir wollen mehr Gerechtigkeit wagen", rief Kraft den Delegierten in Bochum am Ende ihrer Rede zu, "wir können unser Land weiter voranbringen."

Der Landesparteitag stimmt in Bochum unter anderem über die Flexibilisierung der Gymnasialzeit ab. Künftig soll das zehnte Schuljahr wieder zur Sekundarstufe I zählen, die Oberstufe soll wahlweise zwei oder drei Jahre besucht werden können. Zudem begrüßte Kraft einen Antrag der Jusos, neben einem kostenfreien ÖPNV-Ticket für Studierende auch eines für Azubis einzuführen.

Die Ministerpräsidentin und ihre rot-grüne Landesregierung waren in den vergangenen Wochen scharfer Kritik der Opposition ausgesetzt, weil das bevölkerungsreichste Bundesland beim Wirtschaftswachstum, bei der Arbeitslosigkeit, den Schulden und anderen wichtigen Kennziffern im Bundesländervergleich an letzter Stelle stehe.

Auf einem weiteren Parteitag im kommenden Februar wird die NRW-SPD endgültig das Wahlprogramm festzurren und die Kandidatenliste aufstellen. 

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