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Flüchtlinge in NRW
Nicht alle Turnhallen werden zum Schulstart frei

In Zahlen: Flüchtlinge pro Stadt
In Zahlen: Flüchtlinge pro Stadt FOTO: RP
Düsseldorf. Wenn in zwei Wochen die Schule beginnt, müssen etliche Schüler wohl zunächst auf Sportunterricht verzichten. Innenminister Ralf Jäger bezweifelt, dass dann alle Turnhallen wieder verfügbar sind. Von Detlev Hüwel, Denisa Richters und Christian Schwerdtfeger

Viele Kommunen haben in den Sommerferien die Flüchtlinge in Schul-Turnhallen untergebracht. Vermutlich werden zum Schulstart nicht alle wieder geräumt sein. "Ob das komplett gelingt, kann derzeit niemand sagen", sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) unserer Redaktion. "Das hängt auch davon ab, wie schnell uns die großen Zelthallen zur Verfügung stehen und wie groß der Zulauf in den nächsten Wochen sein wird."

Derzeit sind 16 der 60 Landesnotunterkünfte Turnhallen. In Dormagen etwa wurden erst zu Wochenbeginn 150 Flüchtlinge in zwei Turnhallen einquartiert. Die Menschen sollen dort mindestens drei Wochen bleiben - also auf jeden Fall über den Schulstart am 12. August hinaus. In Ratingen und Meerbusch sieht es ähnlich aus. In Düsseldorf hofft die Stadtverwaltung, die mit Flüchtlingen belegten Hallen frei zu bekommen, wenn vielleicht auch nicht zum ersten Schultag. Die Heinrich-Heine-Universität hat bis Mitte Oktober ihre Sporthallen am früheren Sportinstitut zur Verfügung gestellt.

Düsseldorf: Hier sollen Flüchtlinge untergebracht werden FOTO: dapd, dapd

Düsseldorf setzt zudem verstärkt auf Großzelte: Vier werden bis Ende nächster Woche an zwei Standorten in den Stadtteilen Eller und Wersten aufgebaut; dort sollen 600 Plätze entstehen. Im Oktober sollen zudem zwei Traglufthallen für jeweils 300 Menschen aufgestellt werden. Diese Hallen sind winterfest und sollen für ein Jahr stehenbleiben.

Auch in Grevenbroich ist unklar, ob alle belegten Turnhallen in zwei Wochen wieder frei sind. Die Stadt sucht bereits nach Alternativen für den Sportunterricht. Soeben bezogen dort Flüchtlinge eine Turnhalle. Gestört wurde ihre Ankunft von einer Gruppe Rechtsradikaler. Um Provokationen zu vermeiden, erteilte die Polizei den Neonazis Platzverweise. "Wir gehen massiv und konsequent mit der Polizei gegen solche Extremisten vor", sagte Jäger.

Fotos: So werden die 150 neuen Flüchtlinge untergebracht FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen

Er kündigte an, dass das Land Flüchtlinge verstärkt in Zelthallen unterbringen werde, die bis zu 1000 Menschen fassen können. Er hoffe, bald über die Standorte entscheiden zu können. Der Kölner SPD-Vorsitzende und OB-Kandidat Jochen Ott lehnt solche Riesenzelte jedoch ab. Besser seien über die Stadt verteilte kleinere Unterkünfte.

Unterdessen hat das Kölner Verwaltungsgericht der Klage eines Flüchtlings aus dem Irak gegen seine Abschiebung nach Ungarn stattgegeben. Da der Mann in Ungarn bereits als Asylbewerber registriert worden war, hatten die Behörden in Deutschland seinen Asylantrag abgelehnt. Das Gericht hob die Anordnung zur Abschiebung jedoch unter Hinweis auf "systematische Mängel" beim ungarischen Asylverfahren auf.

Die Notunterkunft Achterrathsfeldschule in Moers FOTO: Dieker, Klaus

Bayern hat am Donnerstag damit begonnen, Unterkünfte nur für Balkan-Flüchtlinge einzurichten. In einer Kaserne bei Ingolstadt sollen 500 Menschen untergebracht werden. Der Landkreis Lörrach (Baden-Württemberg) will Flüchtlinge mit Geldangeboten zur Rückkehr in ihre Heimat bewegen. Eine dreiköpfige Familie kann demnach mit bis zu 1858 Euro rechnen.

Quelle: RP
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