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Unterschätzter Pott
In diesen 7 Punkten gewinnt das Ruhrgebiet jedes Ranking

So schön ist Duisburg bei Nacht
So schön ist Duisburg bei Nacht FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Gefühlt jede Woche taucht wieder ein neues Ranking auf, das herausgefunden haben will, wie schlecht das Ruhrgebiet doch dasteht. Damit ist jetzt Schluss. Unser Autor zeigt in sieben Punkten, wie schön und einzigartig der Pott ist.  Von Markus Plüm

Alle zwei Jahre vergleicht das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) Deutschlands 30 größte Städte hinsichtlich ihrer ökonomischen Wettbewerbsbedingungen. In der am Donnerstag erschienenen Studie landen insbesondere die großen Ruhrgebietsstädte nur auf den hinteren Plätzen - wie auch in den Jahren zuvor. Während sich die beiden größten Ruhrgebietsmetropolen Essen (17) und Dortmund (18) noch im unteren Mittefeld einreihen, finden sich strukturschwache Städte wie Duisburg (25), Bochum (27) und Gelsenkirchen (28) am hinteren Ende des Rankings wieder.

Ökonomische Wettbewerbsbedingungen sind das eine. Das andere aber, ist der schlechte Ruf, den das Ruhrgebiet bundesweit genießt. Wenig Charme, Kohlenstaub und Betonklötze weit und breit. Schmuddelkind der Nation. Im Rest der Republik, ja selbst im nur 20 Kilometer entfernten Düsseldorf, erntet man nur verächtliches Schnauben und im besten Fall Mitleid, sobald es um die fünftgrößte europäische Metropolregion an Emscher, Rhein und Ruhr geht.

Darum haben wir eine Liste mit sieben Punkten erstellt, warum das Ruhrgebiet eigentlich besser ist als sein Ruf und alle Rankings. Viel besser.

1. Die Menschen

Zwischen Duisburg im Westen und Dortmund im Osten, zwischen Marl im Norden und Bochum im Süden leben rund 5,1 Millionen Menschen. Vielen wird nachgesagt, sie wären ungebildet, einfach und rauh. Doch wer hinter diese Schale guckt, erkennt liebenswerte Gemüter, die ihr Herz auf der Zunge tragen. Die anpacken können und wissen, was harte Arbeit bedeutet. Und die alles andere als einfach sind - nämlich einfach nur liebenswert und herzlich.

2. Die Kultur

Nicht umsonst war das Ruhrgebiet im Jahr 2010 Kulturhauptstadt Europas. Die stillgelegten Bergwerke und brachliegenden Industriegelände haben sich im Laufe der Jahre zu touristischen Anziehungspunkten entwickelt. Nicht nur das Weltkulturerbe Zeche Zollverein in Essen oder der Duisburger Landschaftspark Nord sind absolute Highlights, auch der Veranstaltungskalender bietet etliche Höhepunkte wie RuhrTriennale oder Extraschicht. Darüber hinaus bildet das Ruhrgebiet mit über 200 Museen eine der größten und umfangreichsten Museumslandschaften Deutschlands.

"ExtraSchicht - Die Nacht der Industriekultur" 2015 FOTO: dpa, mku

3. Die Hochschullandschaft

Von wegen ungebildet. Rund 242.000 junge Menschen studieren an den vier größten Universitäten des Ruhrgebiets in Hagen, Bochum, Duisburg-Essen und Dortmund. Hinzu kommen etliche weitere Studenten, die an Fachhochschulen oder Privatuniversitäten eingeschrieben sind. Insgesamt 22 Hochschulen bieten in über 600 verschiedenen Studiengängen unbegrenzte Möglichkeiten. Das Ruhrgebiet als Wissensquell ist nicht nur ein Mythos.

4. Der Fußball

Apropos Mythos. Der wird auf Schalke auch gerne besungen. Auch wenn das den Fans von Borussia Dortmund rund 40 Kilometer weiter östlich gar nicht gefällt. Über nichts lässt sich im Ruhrgebiet so herzhaft streiten wie über König Fußball. Ob BVB, S04, VfL, MSV, RWE oder RWO - im Zweifel geht bei den Menschen nichts über die Liebe zum eigenen Verein.  Und auch bundesweit elektrisiert kein weiteres Spiel die Massen so sehr wie das legendäre Ruhrpott-Derby zwischen Dortmund und Schalke. Oder wahlweise Lüdenscheid-Nord gegen Herne-West.

5.  Die Sprache

Wenn im Ruhrgebiet eine Familie auf Reisen geht, dann sind Vatta, Mutta, Omma und Oppa unnawechs. So einfach is dat. Kannze nich vastehen, musse au nich. Und wenn et nache Maloche dat verdiente Pilsken vonne Trinkhalle gibt, wird sowieso nicht viel gesprochen. Man versteht sich auch ohne Worte. Glückauf!

Was der Ruhrpottler wirklich meint, wenn er etwas sagt

6.  Die Mantaplatte

Oder auch Currywurst mit Pommes und Mayonnaise. Das kulinarische Highlight des Ruhrgebiets gibt es quasi an jeder Ecke zu finden. Hier braucht man keine Canapés und keinen Schampus, im Ruhrgebiet mag es jeder gern deftig. Und da können die Berliner noch so heftig protestieren: Die beste Currywurst findet man im Ruhrgebiet.

7.  Die Infrastruktur

Im Ruhrgebiet sind die Stadtgrenzen fließend. Gerade noch in Oberhausen, befindet man sich eine Straße weiter schon in Bottrop. Und auch die rund 60 Kilometer zwischen Duisburg und Dortmund lassen sich bequem überbrücken. Denn zehn große Autobahnen kreuzen sich insgesamt 24 Mal im Ruhrgebiet und verbinden die Metropolregion miteinander. Die A2, A42 und A40 als Ost-West-Achsen und die A3, A43 und A45 als Nord-Süd-Verbindungen sowie viele weitere Verkehrswege bilden ein engmaschiges Netz, dass die Städte miteinander verbindet. Und die Bahnverbindung zwischen Duisburg und Essen gehört mit zu den meistbefahrenen Schienenstrecken Europas. Genug Möglichkeiten also, die Region zu erkunden.

So haben Sie Duisburg noch nie gesehen FOTO: Christoph Reichwein

Was der Ruhrpottler wirklich meint, wenn er etwas sagt, lesen Sie hier. 

Wie schön Duisburg bei Nacht aussieht, sehen Sie in dieser Fotostrecke. 

(p-m)
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