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Prozess gegen Sven Lau
Salafisten in Mönchengladbach verfügten über halbe Million Euro

Fotos: Sven Lau beim Prozessauftakt in Düsseldorf
Fotos: Sven Lau beim Prozessauftakt in Düsseldorf FOTO: dpa, fg pil
Düsseldorf . Seit zehn Jahren beobachtet die Polizei in Mönchengladbach Sven Lau. Ein Ergebnis der Ermittlungen: Die Islamisten hatten dort zwischenzeitlich eine halbe Million Euro Vereinsvermögen angehäuft. Teile des Geldes sind jetzt verschwunden.

Die Islamisten um Sven Lau haben in Mönchengladbach über erhebliche Geldsummen verfügt. In nur zwei Jahren habe ihr Verein "Einladung zum Paradies" eine halbe Million Euro erhalten, sagte ein Polizist des Staatsschutzes am Mittwoch im Terrorprozess gegen den Salafistenführer vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht aus. Angaben zur Herkunft des Geldes machte der Beamte nicht.

Die Bundesanwaltschaft hat den 35-jährigen, bundesweit bekannten Lau wegen Unterstützung einer islamistischen Terrormiliz angeklagt. Lau gilt auch als Initiator der "Scharia-Polizei" in Wuppertal.

Die größte Summe, über 200.000 Euro, sei für ein Moscheegelände ausgegeben worden, sagte der Polizist. Weitere 200.000 Euro seien bei der Auflösung des Vereins übrig gewesen und verschwunden. Das Geld sei teilweise in bar an Vorstände ausgehändigt worden, beim Nachfolgeverein "Medina" aber nicht angekommen. Wo das Geld sei, "wissen wir bis heute nicht", sagte der 50-jährige Kommissar.

"Im Dschihadismus angekommen"

Lau sei mehrfach in Ägypten und 2013 auch dreimal in Syrien gewesen. Das belegen Propagandavideos. "Spätestens da ist uns klar geworden, dass Lau im Dschihadismus angekommen ist."

In Mönchengladbach sei Lau in den Jahren zuvor noch Ansprechpartner der Polizei gewesen. "Wir waren als Staatsschützer zunächst ganz froh, dass Lau Einfluss auf seine Gruppe hatte", sagte der Polizist.

Unter den Islamisten seien auch Hitzköpfe gewesen, die Stimmung sei aggressiver geworden. Lau habe seine Leute zunächst beschwichtigt.

Durch die Salafistengemeinde sei später ein Riss gegangen, als klar geworden sei, dass sie die Baugenehmigung für ihre Moschee nicht bekommen würden. Lau sei dann in Verdacht geraten, im Keller der Vereinsräume Feuer gelegt zu haben, um die Gemeinde anschließend als Opfer eines Brandanschlags darzustellen.

Zeugen hätten ihn dort gesehen. Bei der Überwachung von Telefonaten sei mitgehört worden, wie die Islamisten Aussagen abgesprochen hätten. Die Ermittlungen wurden später aber eingestellt.

Laut Anklage hat Lau 2013 zwei Salafisten aus Deutschland mit Hilfe eines Schleusers in die Reihen der Terrormiliz Jamwa gelotst, die später im "Islamischer Staat" (IS) aufging. Außerdem soll er der Terrormiliz Nachtsichtgeräte und Geld verschafft haben. Laus Verteidiger bestreitet die Vorwürfe.

(siev/lnw)
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