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Dinslaken
Die Suche nach den verlorenen Jecken

Die Suche nach den verlorenen Jecken
FOTO: Büttner, Martin (m-b)
Dinslaken. Am Rosenmontag präsentiert sich Dinslaken als karnevalsfreie Zone. Die Narren muss man mit der Lupe suchen. Von Florian Langhoff

Es gibt sie noch, die Hochburgen des Karnevals. Auch wenn in Düsseldorf und Mainz die Karnevalszüge wegen einer Unwetterwarnung abgesagt werden und nur in Köln das jecke Treiben auf der Straße stattfindet, so wird in diesen Städten auch am Rosenmontag kräftig gefeiert. In Dinslaken dagegen ist von Straßenkarneval nichts und von jecker Stimmung nur wenig zu sehen.

In der Neutor-Galerie ist weder karnevalistische Dekoration zu finden, noch sieht man verkleidete Verkäufer in den zahlreichen Geschäften. Dafür ist die Technik des Einkaufszentrums jeck und löst einfach mal einen Feueralarm aus. Nachdem Feuerwehr und Polizei mit Blaulicht und Martinshörnern angerückt sind, stellt sich alles als Fehlalarm heraus. "Die Feuerwehr hat alles überprüft und es ist nichts Schlimmes passiert", erklärt Centermanager Jeremia Gonzalez Martinez. "Es muss sich niemand Sorgen machen", verkündet er über die Lautsprecher der Neutor-Galerie. Die Kunden strömen wieder ins Zentrum und kaufen ein - wie an einem ganz gewöhnlichen Montag.

"Früher war am Rosenmontag in der Stadt noch was los", kommentiert eine Besucherin des Centers den eklatanten Mangel an jeckem Treiben. Ein Blick ins Archiv verrät: Da war doch mal was. Feiernde Pumpennachbarschaften im gesamten Stadtgebiet und närrisches Treiben in den Traditionskneipen der Innenstadt. Das war einmal. Mittlerweile scheint sich der Karneval am Rosenmontag gänzlich aus der Innenstadt verabschiedet zu haben.

Diesem Mangel an jecken Treiben begegnet man auch auf der Neustraße in nahezu allen Geschäften. In einer Optikerfiliale ist jeckes Personal unterwegs. "Das ist bei uns Tradition", sagt Silke Kohlgruber, die für das jecke Treiben verantwortlich ist. "Ich hole am Rosenmontag immer die Kostüme aus dem Keller und bringe sie mit", erklärt sie. Mit ihren Kolleginen bekommt sie dafür durchaus positive Resonanz von den Kunden.

"Gleich gibt es für das Team noch einen Karnevalskrapfen, und dann lassen wir den Tag ausklingen", verrät Silke Kohlgruber. Auch ein paar Geschäfte weiter finden sich Verkäuferinen in närrischer Montur und blicken auf eine karnevalistisch verwaiste Neustraße. "Ich komme aus dem Rheinland und komme mir hier heute wie ein Alien vor", sagt eine der kostümierten Verkäuferinen.

Außerhalb der Innenstadt gibt es in der Fleischerei Mölleken in Hiesfeld zumindest etwas närrische Stimmung. Der Verkaufsraum ist mit Luftschlangen und Luftballons dekoriert und das Personal hinter der Fleischtheke trägt heute närrisch-bunten Kopfschmuck. "Wir machen das vor allem für unsere Kunden", erklärt Fleischerei-Inhaber Thomas Mölleken. Aber gute Laune und Freundlichkeit gehören hier auch außerhalb des Karnevals zum Betriebsklima. "Wenn man lächelt, geht alles leichter", sagt Thomas Mölleken.

Mit der Karnevalsstimmung am Rosenmontag ist es also in der Stadt nicht all zu weit her. Auch die hiesigen Karnevalsvereine haben für den Tag, an dem der Straßenkarneval sonst in seiner heißen Phase ist, keine besonderen Aktionen geplant. Zumindest ist in den Terminkalendern im Internet nichts zu finden. Aber nach Wurstjagen, Prunksitzungen und dem Tulpensonntagszug in Voerde kann man sich auch mal eine kleine Pause vom jecken Treiben gönnen. Spätestens zur Beerdigung des Hoppeditz sind die Narren vermutlich wieder da.

Quelle: RP
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