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Dormagen
Crashkurs in Sachen Demokratie

Dormagen. In der Theaterscheune widmeten sich Martin Maier-Bode und Jens Neutag dem Zustand der Demokratie von der Antike bis zu Angela Merkel.

Klagen über den Zustand der Demokratie sind so alt wie diese selbst. In ihrem aktuellen Programm "Fertig" widmeten sich Martin Maier-Bode und Jens Neutag jetzt in der Theaterscheune deren aktuellem Zustand und griffen dabei zuweilen weit zurück in die Historie.

Martin Maier-Bode gab die Rolle des unentwegt aktivistischen Alt-Linken, der den 1980-er Jahren nachtrauert, während dem jüngeren Jens Neutag das alles ein wenig wie die Steinzeit vorkommt. Zu den Erkenntnissen, die das Duo vermittelte gehört nicht zuletzt die, dass vom Urmodell der Demokratie in Athen heutzutage allenfalls noch der Name zu gebrauchen ist: Dass Frauen und Besitzlose in einem kleinen Zirkel reicher Reeder gar nicht mitstimmen dürfen, ist heute ebenso wenig vermittelbar wie die einst selbstverständliche Tatsache, dass das noch größere Heer von Sklaven dafür schon gar nicht in Frage kam. Immerhin: Die alten griechischen Philosophen haben den Begriff der Volksherrschaft erfunden, doch wie sich der vielzitierte "Demos" wirklich zum Herrschen bringen lassen könnte, ist bis zum heutigen Tage strittig.

Erste Voraussetzung dafür wäre wohl, dass das Stimmvolk auch tatsächlich herrschen will, und da hatten Maier-Bode und Neutag ein interessantes Experiment mit dem Publikum in petto: Das hatte freie Themenwahl und machte auch davon Gebrauch: Griechenland wurde vorgeschlagen, das Stichwort NSA fiel auch, doch wie im wirklichen politischen Leben lautete die Antwort der kabarettistischen "Obrigkeit", dass das doch alles "allzu kompliziert" sei. Womit sich das Publikum in seiner Eigenschaft als kabarettistisches "Staatsvolk" - wie im richtigen Leben auch - klaglos beschied, statt nun gerade von seinem Recht auch wirklich Gebrauch zu machen, Dezidiertes zu ganz heißen Themen zu hören.

Irgendwie, so könnte die Lehre aus diesem Abend lauten, war die Demokratie halt immer schon "fertig" oder, etwas optimistischer: Wie viel Demokratie möglich ist, hängt immer auch davon ab, wie viel der "Demos" davon letztlich auch wagen will.

(S.M.)
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