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Düsseldorf
Ansichten eines Tals am Kö-Bogen

Düsseldorf: Ansichten eines Tals am Kö-Bogen
Das "Ingenhoven-Tal" entsteht durch die Schräge des Dachs des einen Gebäudes und der Fassade des anderen, gibt den Blick aufs Schauspielhaus frei. Vorne der Zugang zum U-Bahnhof, hinten das Dreischeibenhaus. FOTO: ingenhoven architects
Düsseldorf. Die Entscheidung zum Projekt Kö-Bogen II mit der Bebauung am Gründgens-Platz kommt bald in den Düsseldorfer Rat. Am Rand des Platzes (und deutlich in ihn hineinragend) soll das "Ingenhoven-Tal" entstehen. Von Denisa Richters

Seit Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) einen möglichen Abriss des sanierungsbedürftigen und denkmalgeschützten Schauspielhauses ins Spiel gebracht hat, ist es das Haupt-Diskussionsthema zum Gustaf-Gründgens-Platz. Dabei gerät fast in den Hintergrund, dass im Stadtrat eine Entscheidung zu einem Projekt ansteht, bei dem genau dieses Schauspielhaus in den Fokus rücken soll. Bei Kö-Bogen II soll nämlich am Rand des Platzes (und deutlich in ihn hineinragend) das "Ingenhoven-Tal" entstehen.

Benannt ist es nach dem Düsseldorfer Architekten Christoph Ingenhoven, der den Entwurf und die Assoziation eines Tals gleich mitgeliefert hat. Es entsteht durch die schräge Seitenfassade des Hauptgebäudes, eines 100 Meter langen und bis zu 28 Meter hohen Gebäuderiegels, der entlang der Schadowstraße entsteht. Zur Straße hin hat er eine verglaste Front, in den unteren Etagen ist Einzelhandel vorgesehen. Die Seiten zum Schauspielhaus und zur Berliner Allee sind terrassiert und sollen dauerhaft begrünt werden. Nebenan ist ein zehn Meter hoher gläserner Pavillon vorgesehen, dessen abgeschrägtes Rasendach die andere Seite des architektonischen Tals bilden soll, an dessen Ende der Blick auf das Schauspielhaus fällt. Sofern es dann noch dort steht.

Blick aus Richtung Schauspielhaus: Die Fassaden des Hauptgebäudes sind terrassiert und begrünt, unter dem Rasendach ist der andere Bau gläsern. FOTO: ingenhoven architects

Der gesamte Gründgens-Platz, unter dem auch die Tiefgarage abgerissen und neu gebaut wird, gehört inzwischen den Investoren des Projekts (u.a. die Centrum-Gruppe). Ingenhoven hat einen Masterplan entwickelt, der auch einen neuen Kassen-Pavillon sowie ein Konzept für die Sanierung des Schauspielhauses beinhaltet. 20 bis 25 Millionen Euro soll das kosten. Nicht ausgeschlossen ist, dass die Stadt den Kassen-Pavillon für das Schauspielhaus pachten muss.

Wie aber genau das Zusammenspiel zwischen Investoren, Stadt und Schauspielhaus auf und rund um den Gründgens-Platz sein wird, soll ein städtebaulicher Vertrag regeln, der seit Monaten verhandelt wird und - nach mehrmaligem Verschieben - nun gemeinsam mit dem Bebauungsplan für das Projekt am 17. November dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt wird. Die Politik wartet bereits darauf und will das Vertragswerk im Vorfeld der Entscheidung genau studieren. SPD-Fraktionschef Markus Raub pocht darauf, dass das Gestaltungsrecht des Platzes uneingeschränkt bei der Stadt bleibt, will die Abwicklung der Bauarbeiten (inklusive Lkw-Verkehr) und das Zusammenspiel mit dem Schauspielhaus klar geregelt wissen. Sichergestellt werden müsse zudem, dass sowohl die Architektur als auch die Begrünung wie angekündigt ausgeführt werden. "Bei Kö-Bogen I mit den Libeskind-Bauten war die Begrünung ein Witz, wir dürfen hier keine neue Pleite erleben", sagt Raub. Er ist bei den bisher angekündigten Hainbuchhecken skeptisch. Auch Alexander Fils (CDU) fordert funktionierende Bepflanzung und Platzgestaltung und dass der Investor die gesetzten Grenzen beim Einzelhandel einhält. "Die Vereinbarungen müssen gerichtsfest sein und auch gelten, wenn das Gebäude weiterverkauft wird", sagt FDP-Fraktionschefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

Diskutiert wird auch darüber, wie offen mit Ansichten der geplanten Bebauung umgegangen wird. "Ich erwarte, dass wir im Licht des Vertrags eine finale Darstellung bekommen, was die Investoren vorhaben", sagt Raub. "Bilder sagen viel, städtebauliche Verträge sagen mehr", meint Strack-Zimmermann. Der Investor täte gut daran, kein Geheimnis um Illustrationen zu machen, sondern damit offen umzugehen. Den Bürgern werde es gefallen.

Aus der Vogelperspektive wird die Dimension klar: Das Gebäude an der Schadowstraße (rechts) ist rund 100 Meter lang. FOTO: ingenhoven architects
Quelle: RP
 
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