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Düsseldorf
Häuser aus Schaum

Düsseldorf: Häuser aus Schaum
Andreas Mohr kann mit seinen Bauschaum-Elementen in vier Stunden ein Haus bauen. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Ingenieur Andreas Mohr entwickelt billige, haltbare Unterkünfte für Menschen in Not. Sein Verfahren wurde patentiert. Von Ute Rasch

Manche Ideen brauchen Zeit, bis sie reif sind. Oder bis die Zeit reif ist. Vor 20 Jahren dachte Andreas Mohr, Ingenieur mit reichlich Management-Erfahrung, darüber nach, wie man billige, haltbare Häuser für Menschen in Not entwickeln könnte. Dann machte er in seinem Beruf Karriere. Bis sich die alte Idee wieder in seinem Kopf einnistete - nun hat er ein Patent und eine Firma. Und bald wird der erste Prototyp seines Hauses stehen - aus Kunststoffschaum gebaut. Mit Wänden, die an das Prinzip der Luftmatratze erinnern. Nein, ein Schaumschläger ist der Mann deshalb noch lange nicht.

Erdbeben in Nepal, abgebrannte Slums in Indien, Überschwemmung in Mozambique, Bürgerkrieg in Syrien - es sind Bilder von Katastrophen, die Andreas Mohr nicht mehr losließen. "Immer wieder Menschen in notdürftigen Zelten, im Schlamm, im Elend." Da er ein Mann der Zahlen ist, untermauert er Gefühle mit Fakten: "60 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht. Mehr als 860 Millionen Menschen leben in Slums." Und alle brauchen Unterkünfte. "Flüchtlinge bleiben im Durchschnitt elf Jahre in provisorischen Unterkünften. Wir brauchen daher nicht nur kurzfristige Notunterkünfte, sondern auch dauerhaft funktionierende Siedlungen."

Zurück in die Vergangenheit. Vor 20 Jahren hatte Andreas Mohr gerade mit seiner Familie ein Haus gekauft und wollte die Kellerfenster erneuern. In die Freiräume spritzte er zum Abdichten Bauschaum, ein Lückenfüller aus dem Baumarkt. "Der geht auf wie ein Hefeteig, dann wird er hart und fest." Daraus müsste sich doch mehr machen lassen, dachte er.

Und nun macht er: Er entwickelte ein Verfahren, bei dem vorgefertigte Einzelteile aus Kunststoff an ihrem Einsatzort mit dem Bauschaum Polyurethan gefüllt werden - nach dem Prinzip der Luftmatratze. Dann werden die Einzelteile mit Reißverschlüssen verbunden und können als Wände, Fundament und Dach eingesetzt werden. "Bis das Haus steht, vergehen etwa vier Stunden", erklärt der Erfinder. Bei einer akuten Katastrophe seien Zelte in der ersten Zeit "unschlagbar", aber danach würden seine Häuser einfach mehr Lebensqualität bieten. Und teurer als die schlichtesten Container seien sie auch nicht. Andreas Mohr kalkuliert einen Verkaufspreis von 7000 Euro, "wenn die Häuser mal in Serie gehen".

Aber bis dahin ist noch viel zu tun. Jetzt sucht der Erfinder erst mal Partner: in der chemischen Industrie für die Herstellung des Schaums, in Kommunen, um einen Prototypen unter freiem Himmel zu testen, "man könnte ein Haus als Kiosk in einem Park nutzen". Und schließlich strebt er die Kooperation mit einer der großen Hilfsorganisationen an, die nach Katastrophen weltweit im Einsatz sind. Von den Eigenschaften seines Kunststoffschaums ist der Erfinder überzeugt. Zumal Polyurethan ein etabliertes Material sei, das schon lange als Dämmstoff eingesetzt werde, aber auch für Polstermöbel oder Autositze. "Der Kunststoffschaum ist langlebig, wenn er vor UV-Strahlen geschützt wird." Er ließe sich darüber hinaus wieder verwenden und sei nicht leicht brennbar, "er wird sogar als selbst löschend eingestuft".

In seiner Vision sieht der Erfinder schon die erste Siedlung: Einzel- und Reihenhäuser mit jeweils zwei kleinen Schlafzimmern und einem Koch-Wohnbereich - eine Kombination aus beidem ist für Großfamilien möglich - Waschküchen, Duschräumen, kleine Läden, vielleicht ein Restaurant und eine Klinik. Alles aus Schaum gebaut.

Quelle: RP
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