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Düsseldorf
Organisationen und Verbände überwältigt von Hilfsbereitschaft

Düsseldorf: Organisationen und Verbände überwältigt von Hilfsbereitschaft
Diakonie-Koordinatorin Tina Dietrich erreichen täglich zahlreiche Anrufe von Düsseldorfern, die Flüchtlingen helfen möchten und spenden wollen. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. In Düsseldorf mangelt es nicht an Sachspenden und kreativen Ideen, um Flüchtlingen zu helfen. Ein Ende der Spendenbereitschaft ist noch lange nicht abzusehen. Von Jessica Kuschnik

Hunderte Säcke voller Kleider für Flüchtlinge, Dutzende Fahrräder, Möbel und Koffer - viele karitative Organisationen und Initiativen sind täglich mit dem Sortieren und Sichten von Sachspenden beschäftigt. Viele Lager sind bereits voll, doch der Winter naht, und daher ist vor allem warme Kleidung noch immer sehr willkommen.

Jeden Tag rufen Bürger aus dem gesamten Stadtgebiet bei Caritas, Diakonie und Co. an, um sich zu informieren, was gebraucht wird. "Unsere Internet- und Telefonleitungen glühen", sagt Tina Dietrich von der Diakonie Düsseldorf. "Im Moment intensiviert sich das sogar noch, statt abzuflauen. Die Leute stumpfen nicht ab, jede neue Nachricht über Flüchtlinge berührt sie", so ihr Eindruck.

Düsseldorfs Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch ist begeistert von so viel Empathie. "Wir sind wirklich überwältigt von der Hilfsbereitschaft in unserer Stadt." Nach dem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Heidenau (Sachsen) habe die Spendenbereitschaft in der Stadt noch einmal "einen ordentlichen Schub bekommen - nach dem Motto: Das soll hier nicht passieren", sagt Koch. Was die Düsseldorfer so motiviert, darüber könne man nur spekulieren. Doch den Flüchtlingen zu helfen, sei es durch Sachspenden oder Engagement, sei einfach ansteckend, meint die Flüchtlingsbeauftragte.

Oliver Ongaro von der Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative Stay freut sich vor allem über die Kreativität, mit der die Spendenwilligen Veranstaltungen organisieren. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Ganz hoch im Kurs liege im Moment das Spenden von Fahrrädern, sagt Tina Dietrich. "Was uns jetzt allerdings fehlt, sind Schlösser für die Räder, damit uns diese möglichst lange erhalten bleiben." In der Regel seien die Düsseldorfer aber sehr gut organisierte Spender, die sich informierten, was benötigt wird. Ab und an komme mal jemand spontan mit einigen Tafeln Schokolade hereinspaziert, die er unter die Flüchtlinge bringen will. "Das tut uns leid, wenn wir die nicht in den Unterkünften verteilen können - dafür fehlt oft die Zeit", so Dietrich. Denn neben der Koordination der Spenden müssen viele andere Angelegenheiten organisiert werden wie Einschulungen und Behördengänge.

Für die Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative Stay ist das große Interesse am Leben der Flüchtlinge und deren Situation ein Novum. "Wir sind seit Jahren in diesem Bereich tätig, und die Bereitschaft zu Helfen war nie größer", sagt Oliver Ongaro. Grund dafür sei, dass die Menschen nun wüssten, wie die Flüchtlinge leben. "Das kreiert ein sehr positives Klima in der Stadt." Er habe nicht das Gefühl, dass die Menschen genervt sind vom Thema. "In Düsseldorf kommen auch viele Kontakte durch die Kirche oder Vereine zustande. Plötzlich ist da auch ein Flüchtling in der Fußballmannschaft, man lernt den Menschen und seine Geschichte kennen", sagt Ongaro.

Gleiches erlebt Melanie Schwemin von der Düsseldorfer Caritas. Wenn man früher etwas Gutes tun wollte, spendete man für Kinder in Afrika. Heute könne man darüber hinaus in der eigenen Nachbarschaft den Neuankömmlingen unter die Arme greifen. Was an Sachspenden bei der Caritas landet, wird im Kaufhaus Wertvoll angeboten. Dort können nicht nur Flüchtlinge, sondern auch ander Bedürftige wie durch ein ganz normales Geschäft bummeln und "bezahlen" dort mit sogenannten Kostenlos-Scheinen. "Weil einige Lager schon voll sind, werden die Spenden an uns weitergeleitet, daher kommt gerade sehr viel bei uns an", sagt Dietrich.

Oliver Ongaro von Stay ist besonders angetan von der Kreativität vieler Helfer. "Einzelne überlegen sich, wie sie Geld sammeln können, und dabei zeigt sich ein wirklich großer Ideenreichtum", sagt er und nennt zwei Longboardfahrer, die bis nach Hamburg gefahren und dabei Spenden gesammelt haben. Mit dem Geld kann die Flüchtlingsorganisation den Neuankömmlingen ganz unbürokratisch helfen, etwa wenn sie Lebensmittel brauchen oder ein Pass her muss. "Das ist zwar anonymer als eine Sachspende, aber auch sehr wichtig." Tina Dietrich von der Diakonie berichtet von einer Familie, die ein Sommerfest organisiert hat und mithilfe ihrer Gäste 1000 Euro zusammenbekommen wollte. Am Ende des Tages kamen 8700 Euro zusammen. Schulen engagieren sich vermehrt, organisieren Spendenläufe und sammeln ausrangierte Tornister. "Auch Firmen überlegen sich zunehmend etwas für Charity-Events", sagt Ongaro.

Das Kaufhaus Wertvoll füllt sich zunehmend mit Spenden für Bedürftige, von denen auch die Flüchtlinge profitieren, sagt Melanie Schwemin von der Düsseldorfer Caritas. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Ganz besonders seien noch immer Angebote von Menschen, die Wohnungen zur Verfügung stellen möchten, sagt Claudia Hämmerling, Koordination Flüchtlingshilfe des Sozialdienstes katholischer Frauen und Männer in Düsseldorf. "Hier haben wir noch großen Bedarf, denn wenn die Flüchtlinge anerkannt sind, müssen sie raus aus den Heimen und brauchen Wohnungen", sagt Hämmerling. Mit dieser großen Offenheit habe sie nicht gerechnet. Düsseldorf hat sich selbst überrascht.

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Quelle: RP
 
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