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Kolumne Auf Ein Wort
Sechzig Sekunden für Frieden

Düsseldorf. Im Stadtteil Niederkassel, in dem viele japanische Familien wohnen, gibt es einen wunderschönen japanischen Garten mit einem traditionellen Haus und einem buddhistischen Tempel. Am Eingang des Tempels ist ein kleiner Kasten mit vielen kleinen kunstvoll gefalteten Papier-Kranichen.

So ein Origami-Kranich hat eine besondere Bedeutung. Nach einer Legende erfüllen die Götter einen Wunsch, wenn jemand tausend Origami-Kraniche gefaltet hat. Daran glaubte auch Sadako Sasaki. Als Zweijährige hatte sie den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima miterlebt. Zehn Jahre später erkrankte sie an Leukämie, verursacht durch die freigewordene Strahlung. Sie kämpfte gegen ihre Erkrankung und faltete 644 Origami-Kraniche, ehe sie nach acht Monaten im Oktober 1955 starb.

Die Geschichte von Sadako Sasaki berührt mich: Dieses zwölfjährige Mädchen gibt nicht auf. Sie hofft, sie bangt, sie faltet Kraniche und am Ende stirbt sie. An ihrer kurzen Lebensgeschichte werden mir der ganze Irrsinn eines Krieges und besonders der Einsatz von Atomwaffen mit seinen schrecklichen Folgen deutlich. In Hiroshima und anderswo kommen deswegen am 6. August Menschen zusammen und verharren still für sechzig Sekunden.

"Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!" - bekannte der Ökumenische Rat der Kirchen 1948 in Amsterdam. Damit nahmen die Kirchen die Botschaft Jesu Christi auf, der für Gewaltverzicht und Feindesliebe eingetreten ist. Nach dem Bergprediger haben Gewalt und Kriege eine Vorgeschichte: Sie hat schon längst im Kopf begonnen, bevor überhaupt ein erster Schlag ins Gesicht erfolgt oder ein erster Schuss gefallen ist. Hassreden und Drohgebärden in Nordkorea oder auf der Marinebasis von Norfolk, im Südsudan oder auf dem Tempelberg in Jerusalem oder auch an vielen anderen Orten dieser Welt und auch bei uns sind alarmierend Signale.

Was tun? - Ich empfehle, einen Ort der Ruhe aufzusuchen, die Augen für 60 Sekunden zu schließen und zu beten: "Herr, mache uns zu Werkzeugen deines Friedens und fange bei mir an."

JÖRG JERZEMBECK-KUHLMANN

Quelle: RP
 
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