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Lokalsport
Tedesco bleibt auf dem Boden

Düsseldorf. Vom Europapokal will der Trainer noch nicht reden. Doch mit Schalke 04 steuert er auf Champions-League-Kurs. Von Thomas Lipinski

Noch schaut Domenico Tedesco die Champions League "eher als Fan" am Fernseher. "Ich versuche, auszuschalten, da etwas raus zu lesen, sondern mich über gute Spiele zu freuen", sagt der Trainer von Schalke 04. Wenn der Coach-Novize der Fußball-Bundesliga so weitermacht, muss er sich ab September beruflich mit der Königsklasse befassen.

Als Tabellenzweiter sind die Gelsenkirchener auf dem besten Weg zurück in die Champions League. Mit einem Sieg heute (18.30 Uhr/Sky) beim VfL Wolfsburg wollen sie ihre Serie auf fünf Dreier in Folge ausbauen.

Doch vom Europapokal will Tedesco noch nicht reden. Für die ganz große europäische Bühne ist der 32-Jährige auch gar nicht vorbereitet: Er hat keinen Anzug für die Champions League. "Nur einen viel zu kleinen", sagt er lachend - von seiner Kommunion.

Er selbst, der vor gut einem Jahr noch Jugendtrainer bei der TSG Hoffenheim war, ist nicht zu klein für seinen ersten Bundesliga-Job. Im Gegenteil: Nach nur elf Wochen Profi-Erfahrung beim Zweitligisten Erzgebirge Aue hat Tedesco sich auf Schalke als Glücksgriff erwiesen. Er hat den Tabellenzehnten der Vorsaison zurück in die Bundesliga-Spitzengruppe geführt - nicht gerade mit spektakulärem Offensiv-Fußball, aber mit effektivem Teamwork.

"Wir brauchen uns nicht zu entschuldigen für die Art und Weise, wie wir unsere Punkte holen", sagt Tedesco zu der Kritik am Schalker Minimalistenfußball. "Wir machen es so, wie es angebracht ist."

Beim eher glücklichen 1:0 beim Tabellen-16. FSV Mainz 05 schaltete sein Team auf "Abstiegskampfmodus", wie er nachher erklärte. "In Mainz war es sicher auch nicht unsere Idealvorstellung vom Fußball", sagt er: "Aber gerade wenn es nicht so läuft, muss man auch mal mit Kampf, Leidenschaft und Willen überzeugen."

Die Kritik, Schalke spiele wie die meisten Bundesliga-Klubs vorwiegend gegen den Ball und nicht mit ihm, weist er zurück. "Wir haben einen klaren Plan, wie wir das nächste Spiel gewinnen können. Nicht, wie wir 80 Prozent Ballbesitz generieren können. Das wäre nicht zielführend", betont er. "Aber natürlich wollen wir uns verbessern. Es ist ja schön, wenn wir erfolgreich sind und trotzdem noch Luft nach oben haben."

In der Winterpause hatte Tedesco angekündigt, mehr Wert auf die Offensive zu legen. Das Spiel nach vorne sollte verbessert werden, mehr Torgefahr entstehen. "Das ist uns insgesamt ja auch nicht so schlecht gelungen, weil wir seit 20 Spielen immer treffen. Wir haben die fünftmeisten Tore in der Liga. Aber klar haben wir auch da noch Luft nach oben."

Dass Tabellenführer Bayern München 20 Punkte enteilt ist und schon am Sonntag zum sechsten Mal in Folge Meister werden könnte, interessiert den Schalker Coach nur am Rande. Für langweilig hält er die Bundesliga deshalb nicht. "Für uns ist sie sehr, sehr spannend. Wir müssen jede Woche ans Limit gehen."

(sid)
 
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