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Mörsenbroich
Der Raum aus drei Positionen

Mörsenbroich. Spannender kann eine Ausstellung kaum sein. Was Galeristin Katharina Mai an Wände geheftet und auf Tische und Nischen in den Räumen an der Ludwig-Beck-Straße in Mörsenbroich gestellt hat, ist ein Trialog von Malerei, Radierung und Plastik von drei Künstlern. Der Titel: "Der Raum – drei Positionen". Von Stephan Hamacher

Skadi Engeln, gebürtige Aachenerin mit Wohnort in Berlin und Paris, zeigt ihre "Störbilder", entstanden unter dem Eindruck der Dreifach-Katastrophe von Fukushima. Menschenleere Landschaften aus Frankreich und der Uckermark hat die Künstlerin mit Tempera, Öl und Wasser auf Papier festgehalten. Vertikale Striche, gezogen mit Hilfe einer Schnur, wie sie auch Architekten für ihre Arbeit benutzen, "stören" die Felder, Wiesen und Hügel in Grün, Rot oder Violett.

Andere Bilder auf Leinwänden sind abstrahierte verwischte Landschaften und erinnern ein wenig an die Kunst des Künstlerkönigs Gerhard Richter, ohne diese zu kopieren. Einige Arbeiten sind aus der Erfahrung einer Reise auf dem Jakobsweg entstanden.

Die Düsseldorferin Irene Rietdorf Soutter schafft außergewöhnliche Plastiken aus starkem Bütten-Papier. Halbkreis begegnet Quader und die Balance gerät aus den Fugen, nimmt man die Segmente ihrer Arbeit auseinander, was durchaus beabsichtigt ist.

Zwei Teile, vier rechte Winkel: Hier erfährt man eine Neudefinition des Kubismus. Außerdem sind Werke aus Beton zu sehen, Tore, die an keltische Steinkreise oder antike Portale erinnern, naturbelassen und beeindruckend in ihrer Wirkung aufgrund der Schlichtheit.

Eine Arbeit erinnert an eine Partitur: Segmente aus Kupferblech in immer größer werdenden Abständen platziert, ergeben ein Ensemble. Winkel, Bewegung, das Wachstum von Pflanzen, die Bewegung im Raum, das Gleichgewicht, Licht und Schatten sind die Themen.

Carlos Lopez aus Barcelona, der in Paris lebt und arbeitet, stellt seine Arbeiten auf der Basis von Kohlezeichnungen vor: Komplexe Strichradierungen, Schraffuren, Landschaften aus Steinmauern, gesammelt in Frankreich und Westirland.

"Spiegelblanke Ländlichkeit" ist eine Umschreibung des Künstlers, dessen Werke mal zart, klein und filigran daherkommen, mal ins Monumentale übersteigert sind. Schwarz und weiß sind diese Arbeiten und beruhen auf einer 500 Jahre alten Technik, die schon Dürer und Leonardo kannten.

Die meisten Bilder sind eindimensional, das größte Werk in der Ausstellung wirkt jedoch räumlich. Faszinierend ist, wie sich die vielen kleinen Details beim Betrachten zu einem imposanten Gesamtbild umformen.

Quelle: RP
 
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