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Gerresheim
Neue Gleise nach Gerresheim zu teuer

Gerresheim. Die neue Straßenbahn durch Flingern und Gerresheim ist vom Tisch. Allerdings soll die U73 ins Glasmacherviertel verlängert werden. Die Ortspolitiker fürchten noch mehr Stau auf wichtigen Routen, wenn das Neubaugebiet fertig ist. Von Arne Lieb

Die Planungen für den Verkehr rund um das Glasmacherviertel konkretisieren sich. Die Verwaltung hat gestern Planungs- und Verkehrsausschuss sowie den Bezirksvertretungen 7 und 8 in einer gemeinsamen Sitzung die Ergebnisse von diversen Prüfungen vorgestellt. Diese hatten die Politiker im Sommer veranlasst. Die Ergebnisse sind nicht nur für die künftigen Bewohner des Neubaugebiets von Bedeutung. Die wichtigsten Punkte:

Keine neue Straßenbahn Die Ampel-Kooperation aus SPD, Grünen und FDP hätte sich eine neue Straßenbahnstrecke gewünscht, um das Gebiet besser anzubinden. Die Bahnen sollten über Cranachstraße, Hellweg, Dreher- und Torfbruchstraße fahren. Daraus wird nichts. Die Stadtverwaltung hat ermittelt, dass bei allen vier geprüften Varianten die Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Das hätte zur Folge, dass Bund und Land sich an der Finanzierung nicht beteiligen würden. "Die Ergebnisse sind sehr eindeutig", sagt Verkehrsdezernent Stephan Keller. Für die Ampel-Politiker ist klar: Dieses Vorhaben wird die Stadt nicht alleine umsetzen.

U73 soll verlängert werden Ein kurzes Stück Straßenbahn soll aber entstehen: Die U73 (die ab der Netzumstellung am Wochenende die Linie 703 ersetzt) soll vom S-Bahnhof aus parallel zu den S-Bahn-Gleisen ins Glasmacherviertel verlängert werden, zwei neue Stationen sollen entstehen. Dafür sind Kosten in Höhe von zehn Millionen Euro veranschlagt, auch die müsste die Stadt alleine tragen. Der Beschluss zur Umsetzung steht noch aus - das gilt für die gesamte Verkehrsplanung im Viertel -, aber die Ampel-Kooperation zeigt sich entschlossen.

Sorgen vor Stau Mitte 2019 sollen die ersten Bewohner einziehen. Die Ampel-Kooperation hat die ursprüngliche Verkehrsplanung so verändert, dass ÖPNV und Fahrradverkehr gestärkt werden und ein Park-and-Ride-Platz entsteht. Allerdings rechnet die Stadt trotzdem mit zusätzlichen 8600 Autofahrten am Tag. Klar ist: In Spitzenzeiten wird das rund um das Viertel zu Staus führen. Außerhalb des direkten Umfelds rechnet die Stadt aber nicht mit einer spürbaren Mehrbelastung. Die Politiker aus Gerresheim und den umliegenden Bezirken sind weniger optimistisch. Sie fürchten, dass zum Beispiel Strecken in die Innenstadt noch weniger funktionieren. Verkehrsdezernent Stephan Keller entgegnet, dass sich durch die Planung für das Neubaugebiet nicht die Probleme im sonstigen Straßennetz lösen lassen. "Wir müssen noch Antworten finden."

Kosten Der Investor Patrizia ist zufrieden, dass es nun vorangeht - er hat durch die Umplanung nach der Kommunalwahl rund ein Jahr verloren. Projektleiterin Gudrun Piesczek dementiert Gerüchte, der Investor habe einen Rückzug angedroht. Noch verhandelt werden muss, wie sich die Patrizia an den Kosten für die Verkehrserschließung beteiligt. Die werden auf 43,4 Millionen Euro geschätzt.

Bürgerbeteiligung Der nächste Schritt ist, dass den Bürgern die umfangreiche Planung vorgestellt wird. Vorgesehen ist ausdrücklich nicht nur eine Informationsveranstaltung, sondern eine echte Beteiligung. "Wir können auf Anregungen noch reagieren", sagt Keller.

Quelle: RP
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