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Holthausen
Kunst zwischen Natur und Industrie

Holthausen. An der Reisholzer Werftstraße 81 ist auf einer Brache ein temporärer Außen-Kunstbereich entstanden. Unter anderem stellt dort der in Düsseldorf lebende und arbeitende Tim Eiag aus. Von Bernd Schuknecht

Im Reisholzer Hafen, mit dem Atelierhaus vom Verein "Kunst im Hafen", der Ausstellungshalle "Werft 77", weiteren Ateliers sowie der Galerie "Töchter und Söhne" ohnehin eines der vielfältigsten und produktivsten Zentren für bildende Kunst in Düsseldorf, präsentiert sich mit dem Artport von Tim Eiag ein neuer, wenngleich nur zeitlich befristet genutzter, Off-Kunstort. Ein Ort, der trotz des grauen Beton-Tisches am Artport-Aufgang einen besonderen Natur-Grün-Zauber verströmt. Ein sanfter Wind streicht vom Rhein her über die grünen Geschenkbänder, die die in indianischer Zelt-Form arrangierten Bambusstäbe zusammenhalten, aber gleichzeitig auch einen warmen Didgeridoo-ähnlichen Klang erzeugen.

So wird das "vernetzte" Tipi, für dessen Netz 1300 Meter grünes Band notwendig waren, zugleich zum Klangobjekt. Auf einem ausrangierten Eisenbahn-Flachwagen, der auf einem Nebengleis vergessen wurde, ersetzen bis zu acht Meter lange Bambusstäbe die Rungen. Auch sie sind mit Geschenkband verknüpft und dienen als Rahmen für Fotografien, die im Zuge der globalen Kunstaktion "kommen sie nach hause 15", die von Steff Adams kuratiert wird, gezeigt werden.

50 Künstlerinnen und Künstler aus Europa, Nord-, Mittel- und Südamerika, Afrika und Japan zeigen in reproduzierter Form ihre Kunst in diesem spannungsreichen Umfeld aus Natur-Grün und und industriellem Schwermetall. Tim Eiags künstlerische Themenfelder sind das Spannungsverhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft sowie realen und virtuellen Wirklichkeiten, das er künstlerisch auslotet und dabei gelegentlich an ein Upgrade von Joseph Beuys für das Web-Zeitalter erinnert.

Bereits vor drei Jahren entdeckte der gebürtige Hamburger, der an der Akademie für Bildende Künste in Wien studiert hat und maßgeblich von Düsseldorf aus arbeitet, die Brache im Reisholzer Hafen, die direkt an den Atelier-Garten der Künstlerin Gisela Machalz anschließt.

Doch bevor sich Ideen für eine Open-Air-Kunst-Präsentation in dem spitz zulaufenden Areal von 300 Meter Länge entwickeln konnten, musste zunächst massiv gerodet und reichlich Müll entsorgt werden. "Ich musste jede Menge wildes Brombeergestrüpp sowie Brennnesseln entfernen, wobei ich aber wieder gezielt spezielle Brennnesselarten angepflanzt habe", sagt Eiag, der dafür schwärmt, Brennnesseln als Salat, Gemüse oder Tee zu verwenden.

"Der Bambus kommt übrigens aus meinem Garten, ihn zu ernten war ebenfalls Schwerstarbeit", ergänzt Gisela Machalz. Auch wenn die Artport-Ausstellung zeitlich auf zwei Tage begrenzt ist, so soll doch nicht alles vergebens gewesen sein. "Ein Museum in Köln hat bereits Interesse an der Installation angemeldet", so Eiag. Die originäre grüne Kunst-Atmosphäre ist jedoch exklusiv nur im Reisholzer Hafen erlebbar.

Quelle: RP
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