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Duisburg
Nahostkonflikt als optimistischer Dialog

Duisburg: Nahostkonflikt als optimistischer Dialog
Nisreen Faour und Brian Michaels stellten sich nach der Aufführung den Fragen des Publikums. FOTO: Nina Gschlößl
Duisburg. Vorzügliches Akzente-Gastspiel "Mixed Feelings" unterm Dach des Theaters als Aufruf zur Solidarität. Von Ingo Hoddick

Die kleinen, aber feinen Abende gehören mit zum Besten auch beim Theatertreffen der diesjährigen, 37. Duisburger Akzente "Nah und Fern - 300 Jahre Duisburger Hafen". Jetzt gastierten die erfolgreiche palästinensische Schauspielerin Nisreen Faour und ihr britisch-jüdischer Kollege Brian Michaels mit Hilfe von Bayer Kultur Leverkusen im Foyer III unterm Dach des Theaters mit "Mixed feelings".

Es geht um den Nahostkonflikt und seine Wurzeln im Holocaust - in Witzen und sehr persönlichen Erzählungen, vor allem in englischer, aber auch in arabischer und deutscher Sprache. Die beiden Großväter von Nisreen Faour wurden 1948 aus ihrem Dorf im Norden Israels vertrieben. Als sie an der Schauspielschule in Tel Aviv anfing, mühsam ihr Schul-Hebräisch zusammenkratzend, erzählte ein Kommilitone, er wolle Schauspieler werden, um in seinem Kibbuz ein historisches Gebäude bespielen zu können - es war das Haus ihres Großvaters. Jetzt im Foyer III berührte die temperamentvolle Mimin vor allem mit einem klangvollen Gedicht des palästinensischen Lyrikers Mahmud Darwisch. Brian Michaels, der lange die Schauspielabteilung der Folkwang-Universität der Künste in Essen leitete, betonte dass er als Diaspora-Jude sich nicht mit der Politik der aktuellen israelischen Regierung identifizieren könne. Es habe in Großbritannien nie viel Antisemitismus gegeben - aber wenn "sein" jüdischer Fußballclub Tottenham Hotspurs gegen einen der anderen Londoner Vereine spiele, zischten die Fans als Imitation der Gaskammern von Auschwitz.

Die junge Regisseurin Sandra Reitmayer baute in ihr Stück geschickt den Dialog der beiden Protagonisten aus Anton Tschechows "Der Heiratsantrag" ein. Dieser "Scherz in einem Akt" wurde schon Ende des 19. Jahrhunderts als irrwitziger verbaler Schlagabtausch um ein Stück Land aufgeführt, die "Bullenwiese".

Das Ganze war ein unaufdringlicher Aufruf zur Solidarität mit allen Vertriebenen und Flüchtlingen dieser Welt, für Frieden und Freiheit und nicht zuletzt für die Kunst als wichtigster Weg der Menschheit. Nach der Vorstellung gab's Gelegenheit zum Gespräch mit den Bühnen-Akteuren: Auf die Frage aus dem Publikum, woraus sie Hoffnung schöpfe, antwortete Nisreen Faour lachend: "Ich bin eine Frau!"

Quelle: RP
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