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Duisburg
Roboterarme verstauen die Rohre im Lager

Duisburg: Roboterarme verstauen die Rohre im Lager
Hochgestapelt: 25 Meter hoch ist die Regalanlage im Herzen des neuen Zentrallagers. Sie wird komplett computergesteuert. FOTO: Benteler
Duisburg. Gestern wurde das neue Zentrallager des Stahlrohranbieters Benteler in Kaßlerfeld eröffnet. Damit stärkt die Firma den Standort in Duisburg. Davon profitiert nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Stadt. Von Franziska Hein

Das blau-weiß-graue Kastenmuster ist schon seit Ende Januar ein Magnet für die Augen - zumindest für die Autofahrer, die vor der Rheinbrücke der A 40 in Richtung Venlo im Stau stecken. Der schmucke Kasten beherbergt das neue Zentrallager der Firma Benteler Distribution, das gestern offiziell eröffnet wurde. Und das im geplanten Zeit- und Kostenrahmen, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Benteler International AG, Hubertus Benteler. 25 Millionen Euro hat das Unternehmen in das neue Zentrallager investiert.

Was von außen durch modernes Design besticht, ist innen ein hocheffizientes und in Teilen vollautomatisches Lagersystem. Die Firma Benteler ist nach eigenen Angaben einer der führenden Rohranbieter. Ihre Stahlrohre exportiert sie bis nach Brasilien und Australien. Der Unternehmenszweig Benteler Distribution hat nun in Duisburg seine deutschen Lagerstandorte konzentriert. Von hier sollen nun rund 4000 Kunden in Deutschland und Europa beliefert werden.

Bei der Eröffnung (von links): Dr. Jost A. Massenberg, Hubertus Benteler Sören Link und Oliver Rechtsprecher. Die auffällige Mosaik-Fassade soll für Abwechslung in der Gewerbe- und Industrielandschaft sorgen.

Die Bauarbeiten begannen im vergangenen Sommer, zunächst wurden sie durch den Fund einer Zehn-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg am Ruhrdeich in Kaßlerfeld im August des vergangenen Jahres verzögert. Schon seit Mai dieses Jahres ist das Lager aber in Betrieb. Seither werden Stahl- und Edelstahlrohre angeliefert, eingelagert und passgenau an die Kunden ausgeliefert. Das Herzstück ist die 25-Meter-hohe vollautomatische Hochregalanlage. Sie besteht aus 10 000 Kassetten, die jeweils Rohre von acht Metern Länge bis zu einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen pro Fach aufnehmen können. Der neue Komplex kann Material von insgesamt bis zu 15 000 Tonnen lagern, damit hat das Unternehmen seine Kapazitäten in Duisburg mehr als verdoppelt. Zwei computergesteuerte Regalbediengeräte verstauen die Rohre oder holen sie passend zu den Aufträgen aus den Kassetten, damit sie noch zugeschnitten und verpackt werden können. 80 Mitarbeiter für Logistik, Produktion und Lager arbeiten in dem neuen Lager. 40 Mitarbeiter wurden aus dem Standort in Ratingen übernommen, der im Zuge der Umstrukturierung geschlossen wurde. In Zukunft sollen weitere Arbeitsplätze entstehen, sagte Oliver Rechtsprecher, Geschäftsführer der Benteler Distribution Deutschland, während des Rundgangs.

Für das Unternehmen hat das Zentallager eine strategische Bedeutung. "Wir erhoffen uns dadurch einen Wettbewerbsvorteil", sagte Jost Massenberg, Leiter der Benteler Distribution International. Nach der Stahlkrise 2008/2009, als die Stahlbranche Milliardenverluste hinnehmen musste, müssen die Unternehmen um jede Marktlücke kämpfen. "Es tobt ein knallharter Preiskampf bei gleichzeitig wachsenden Anforderungen an die Produktqualität", erklärte der deutsche Benteler-Geschäftsführer Rechtsprecher. Benteler möchte sich deshalb in den nächsten Jahren gerade im Kundenservice weiterentwickeln. Auch dazu trägt das Lager bei: Kunden bekommen ihre Bestellungen schneller und erhalten sie in einer Lieferung, was bisher nicht möglich war, da die Waren in Lagern überall in Deutschland verteilt waren. "Hier in Duisburg sind wir im Herz der Stahlindustrie, und wir wollen dafür sorgen, dass es ein bisschen schneller schlägt", sagte Rechtsprecher.

Auch Oberbürgermeister Sören Link (SPD) freute sich, dass der Rohrspezialist Duisburg als Lagerstandort gewählt hat. Nicht nur von außen werte das Lager den Hafenstandort auf. Er richtete einen Appell an Berlin: Der Faktor Infrastruktur sei "lebensnotwendig" für Duisburg als Logistikstandort im Herzen Europas. "Es kann nicht sein, dass es zehn Jahre dauert, die A 40-Brücke zu sanieren." Duisport-Sprecher Julian Böcker war von der Größe der Anlage beeindruckt. "Das Lager ist ein Beleg für die Attraktivität des Standorts und dessen Bedeutung als führende Logistikdrehscheibe in Zentraleuropa."

Auch in anderer Hinsicht profitieren die Duisburger von den neuen Lagerhallen: Als Partylocation würde das neue Gebäude einiges hermachen. An an einem Veranstaltungskonzept werde gearbeitet, hieß es aus der Geschäftsführung.

Quelle: RP
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