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Duisburg
Zaimoglus Roman über die Emigration nach Istanbul

Duisburg. Feridun Zaimoglu, geboren 1964 in der Türkei, lebt seit seiner Kindheit in Deutschland. Er studierte Kunst und Humanmedizin in Kiel, wo er seither als Schriftsteller, Drehbuchautor und Journalist (sowie seit einige Jahren auch wieder als Bildender Künstler) arbeitet. Für sein umfangreiches Wort-Werk erhielt er nicht weniger als 25 Preise. Von Ingo Hoddick

Jetzt präsentierte er im Rahmen der 37. Duisburger Akzente "Nah und Fern - 300 Jahre Duisburger Hafen" im gut gefüllten Konferenz-Zentrum "Der Kleine Prinz" seinen jüngsten Roman "Siebentürmeviertel". Fünf Jahre nach seinem - übrigens weitgehend misslungenen - Duisburg-Roman "Ruß" müsse er aufpassen, jetzt in Duisburg nicht in "debiles Grinsen" zu verfallen, meinte der Autor, denn nach der umfangreichen Recherche hier für "Ruß" sei das wie eine Heimkehr. In "Siebentürmeviertel" geht es auf gut 800 Seiten um die deutsche Emigration der Jahre 1933 bis 1945 in die Türkei und weiter um das damalige Istanbul, eine fremde und faszinierende Welt, vor allem um jenes Arme-Leute-Viertel, in dem Armenier, Griechen, Kurden, Roma, Serben und Türken zusammenleben. Beraten wurde der Autor dabei von seinem Vater, einem "gebürtigen Siebentürmler".

Der sechsjährige Wolf weiß nicht, wie ihm geschieht: Nach dem Tod seiner Mutter (bei seiner Geburt) hat er nur seinen Vater gehabt, der aber nach einer Warnung vor der Gestapo plötzlich Deutschland verlassen muss. In Istanbul wird er als vermeintlicher "Hitlersohn" teils verachtet, teil bewundert. Feridun Zaimoglu las in Duisburg mit einer Gestik wie ein orientalischer Märchenerzähler einen kurzen Abschnitt aus dem Roman, der sich aus geheimnisvoller literarischer Ursuppe verdichtet zu einer großartigen Schul-Episode. Auch in Atatürks Türkei gibt es einen Fahnenappell, einen "Führer" und eine "Volksgemeinschaft". Wolfs Nenn-Mutter und Nenn-Schwester überzeugen geschickt seine Lehrerin, ihren Zeigestock nicht mehr zu physischen Strafen zu missbrauchen und auch sonst ihre Schüler besser zu behandeln: Der junge Staat brauche die Frauen als vorbildliche Lehrerinnen und überhaupt sei sie ja ein guter Mensch.

Als nächste Akzente-Lesung im "Kleinen Prinzen", Schwanenstraße 5-7, am heutigen Donnerstag, 10. März, um 20 Uhr, bringt der Schweizer Autor Alex Capus seinen jüngsten Roman "Reisen im Licht der Sterne". Der Eintritt kostet fünf Euro im Vorverkauf (in der Zentralbibliothek, Steinsche Gasse 36) und sechs Euro an der Abendkasse.

Quelle: RP
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