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Umstrittener Asyl-Shop in Rees
Flüchtlinge drohen mit Hungerstreik

Umstrittener Asyl-Shop in Rees: Flüchtlinge drohen mit Hungerstreik
Auch heute wollen die Asylbewerber den Shop boykottieren. FOTO: Hartjes
Rees. Die Wogen rund um das Asylbewerberheim schlagen derzeit wieder hoch. Wie berichtet, boykottieren viele Flüchtlinge den Shop, in dem sie nach einem Punktesystem einkaufen können. Sie wollen statt dessen, dass sie Geldleistungen bekommen. Daher protestieren sie und drohen sogar mit Hungerstreik.

Heute ist die nächste Ausgabe im Shop. Auch dann wollen viele Flüchtlinge die Waren liegen lassen. "Alle Städte im Umkreis wie Emmerich, Kleve und Kalkar geben Geld. Wir sind hier aber gezwungen, die Lebensmittel im Shop zu nehmen", sagt Selemon aus Afrika. Von jedem Lebensmittel gibt es nur eine Sorte. "Immer dasselbe essen, das will keiner." Jetzt haben die meisten der 50 bis 60 Bewohner beschlossen, keine Pakete aus dem Shop mehr zu nehmen. "Dazu noch die Situation, dass wir mit bis zu fünf Männern unterschiedlicher Kultur und Sprache in einem kleinen Zimmer leben - es ist unmenschlich", sagt Selemon. "Wir brauchen aber auch Schulbildung, jeder von uns würde gerne die deutsche Sprache lernen. Und wir brauchen eigenes Geld für Kleidung, Haareschneiden und Schuhe", erzählte Selemon, der auf seine Füße zeigte. Der Afrikaner lief barfuß in Sandalen trotz der Kälte.

Die Gordanovs sind die einzige Familie dort. Sie haben vier Kinder zwischen drei und neun Jahren, alle in Deutschland geboren. "Keiner will uns eine Wohnung geben, wir gelten als schwierig", sagt Ehefrau Madina. Die kleinen Sonderwünsche der Kinder würden sich mit dem bisschen Geld kaum erfüllen lassen. Mal Süßigkeiten, besonderes Obst oder Joghurt, das gebe es selten. Doch wenn man Lebensmittel kauft, fehle das Geld anderswo. "Ich würde so gerne mal Hamburger essen", wünscht sich der achtjährige Albert, Eldar (9) wünscht sich Döner. "Wenn die Kinder die Nudeln vom Shop sehen, wollen sie sie nicht essen", sagt der Vater. Am Samstag wollen die Asylbewerber in der Reeser Innenstadt demonstrieren. "Aber erstmal müssen wir das mit Stadt absprechen, wir wollen nichts tun, was nicht erlaubt ist", sagt die 37-jährige Madina Gordanov. Die Asylbewerber möchten auf ihre Lage aufmerksam machen und hoffen, dass die Stadt bei der Lebensmittelversorgung das System der Nachbarstädte einführt.

Allerdings gibt es durchaus Kommunen, die auf das Reeser Modell setzen. Auch Isselburg hat einen Shop eingerichtet, der von der selben Firma wie Rees beliefert wird. "Wir sind im Grundsatz mit dem System zufrieden und sehen keinen Grund, daran etwas zu ändern", sagt Sozialamtsleiter Frank Schaffeld. Auch von den Flüchtlingen in Isselburg gebe es keine Kritik. "Wir reagieren schnell auf ihre Wünsche", so Schaffeld. Nach seiner Einschätzung sei das Shop-System für die Asylbewerber sogar besser. "Die Sätze für Geldleistungen sind lange nicht angepasst worden. Im Shop dagegen haben die Flüchtlinge immer die gleiche Menge bekommen." Sie hätten damit besser dagestanden als andere, die bei Discountern eingekauft haben.

(moha / zel)
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