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Rees
Klimawandel erhöht die Hochwasser-Gefahr

Rees. Gestern Aktionstag der Hochwassernotgemeinschaft entlang der Rheinschiene. Ein Extremhochwasser, das selbst die Jahre 1926 und 1995 übersteigt, ist längst keine Fiktion mehr.

Wenn jemand den Rhein Tag für Tag im Blick hat, dann sind es die Reeser Rhinkieker. Senioren der Stadt, die mit dem Rhein großgeworden sind. Jeder von ihnen weiß zu genau, wie sich in den Jahren 1993 und 95 die Hochwassersituation in Rees zuspitzte und der Deich zu brechen drohte, das Hochwasser bis auf den Marktplatz lief. Und sie kennen Erzählungen und Bilder aus dem Jahr 1926, als man vom Jahrhunderthochwasser sprach, das Wasser bis in die Oberstadt lief.

Dass es noch viel schlimmer kommen kann, symbolisierten gestern gelbe Luftballons an der Rheinpromenade. Weit über den Köpfen der Anwesenden wehten die Ballons im Wind, um die Höhe eines Extremhochwassers zu markieren. 70 Zentimeter bis zu einem Meter höher als damals.

Gestern gab es überall an der Rheinschiene zwischen Koblenz und Rees Aktionen zum 20-jährigen Bestehen der Hochwassernotgemeinschaft (HWNG), so auch in Rees. Andreas Mai, Stellvertreter des Bürgermeisters, erinnerte daran, dass sich nach dem Extremhochwasser 1995 Gemeinden, Städte und Bürgerinitiativen zusammenschlossen, um sich für eine Verbesserung des Hochwasserschutzes einzusetzen.

Obwohl viel erreicht wurde, bestehen immer noch Defizite hinsichtlich der Realisierung von Retentionsräumen und der Koordination von Maßnahmen, die, so die HWNG, viel zu langsam voranschreiten. "Es heißt, der Hochwasserschutz müsse zügig umgesetzt werden, dieses 'zügig' scheint man unterschiedlich zu interpretieren. Das Land denkt da in Dekaden", monierte Andreas Mai.

Denn während es früher um die winterlichen Hochwasser ging, ist durch den Klimawandel mit Extremhochwasser zu rechnen. So muss sich der Deichverband auf ein 500-jähriges Ereignis mit neuem Bemessungshochwasser einstellen, dass in Rees bei einem Extremhochwasser 14.700 Kubikmeter Wasser pro Sekunde die Fläche zwischen den Deichen passieren müssten. "1995 waren es 11800 Kubikmeter", erläuterte Holger Friedrich, Geschäftsführer des Deichverbandes.

Geschehen kann dies, wenn sich die Welle hochschaukelt, zum Winterhochwasser Starkregen, die Hochwasserzuflüsse aus den Nebenflüssen und weiteren kleinen Zuflüssen den Rhein steigen lassen. "Wichtig ist, dass wir lernen, mit dem Rhein zu leben und das Hochwasserbewusstsein schärfen", mahnt Friedrich an. "Hochwasserschutz kostet Geld, dazu müssen wir auch mit einem eigenen Anteil beitragen." Was passiert, wenn der Deich in Haffen bricht, konnte Holger Friedrich auf seinem Laptop als Animationsfilm zeigen.

(ha)
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