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Geldern
Gelderner Baustein im weltweiten Konzern

Geldern: Gelderner Baustein im weltweiten Konzern
Der letzte Arbeitsschritt in der Produktion: Nach der maschinellen Kontrolle sucht das menschliche Auge noch einmal nach Fehlern. FOTO: Gottfried Evers
Geldern. Die Unimicron-Gruppe mit Hauptsitz in Taipeh hat Werke in Taiwan, China und Japan - und die früheren Ruwel-Werke am Niederrhein. Bei der Sommertour der Kreiswirtschaftsförderung ging es um das internationale Zusammenspiel. Von Dirk Möwius

Das vergangene Silvester hatte sich Gerhard van Dierendonck ganz anders vorgestellt. Nach einem Termin in Taiwan hatte er gerade in seinem Hotel in Hongkong eingecheckt, um dort den Jahreswechsel zu erleben. Eine WhatsApp-Nachricht aus Geldern änderte alles: Das Unimicron-Werk stand in Flammen. Noch am gleichen Abend ging es für den CEO des Unternehmens zurück an den Niederrhein, mit einer klaren Ansage ans Team und die Stadt: "Heute beginnt der Wiederaufbau."

Wie ernst das gemeint war, davon konnten sich Kreiswirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers und Bürgermeister Sven Kaiser gestern im Rahmen der Sommertour der Kreis-WFG überzeugen: Mit großem Tempo wird am Bau der neuen Halle auf dem Gelände des abgebrannten Werks gearbeitet. Mitverfolgen können den Fortschritt übrigens alle Mitarbeiter, denn eine Kamera überträgt Livebilder von der Baustelle in die Kantine. "Auch bei uns gab es Zweifler, die nicht glauben wollten, dass wir neu bauen. Deshalb habe ich als erstes die Kamera anbringen lassen", erläutert Gerhard van Dierendonck. Ähnliche Zweifel gab es überall in der Stadt, berichtete auch Sven Kaiser. Doch van Dierendonck und er hatten sich schon früh verständigt, dass der Wiederaufbau kommt; und zwar in Geldern - attraktiven Angeboten anderer Städte zum Trotz.

Gerhard van Dierendonck mit Sven Kaiser und Hans-Josef Kuypers (v.l.) an der Baustelle für das neue Werk. Am 28. Dezember war die Halle niedergebrannt. Der Neubau soll bis November stehen, dann werden die Maschinen installiert. FOTO: Evers Gottfried

Das Feuer erwischte Unimicron in einer Phase, in der das Unternehmen nach schwierigen Jahren wieder richtig gut aufgestellt war. Gerhard van Dierendonck ließ gestern noch einmal die Unternehmensgeschichte Revue passieren: Im Juli 1945 wurde Ruwel von Fritz Stahl, Ingenieur der Hochfrequenztechnik, gegründet. Radioröhren, Spulensätze, aber auch Radios, genannt "Ruwel-Pionier", wurden gebaut. 1951 verlegte er den Unternehmenssitz an den heutigen Standort in Geldern. "Früher war hier ein Schlachthof", so van Dierendonck. Im Jahr 1954 begann Fritz Stahl mit der Entwicklung der ersten "gedruckten Schaltung", wie die eine Leiterplatte damals hieß.

1991 verstarb Stahl. Das Unternehmen geriet in Turbulenzen und wurde 1993 vom Klever Investor Bernd Zevens vor einer drohenden Insolvenz gerettet. Die kam dann 2009 doch: Der taiwanesische Unimicron-Konzern übernahm das Unternehmen. Und der Niederländer Gerhard van Dierendonck übernahm die Verantwortung. Mit dem nötigen Geld aus Taiwan wurde investiert, Ruwel neu aufgestellt, entzog sich der Abhängigkeit von wenigen Großkunden. Heute werden die Leiterplatten aus Geldern, die für höchste Qualität und Zuverlässigkeit stehen, vor allem in der Automobilindustrie eingesetzt, für das autonome Fahren oder den Abstandswarner. Dazu kommen Schaltungen für Windkraft- und Solaranlagen sowie für die moderne Industrieproduktion. Dabei wird stets international gearbeitet. So wird die Produktion großer Mengen nach China ausgelagert, die Programme für die Produktion in Geldern schreiben Ingenieure im indischen Bangalore. "Wir haben natürlich auch Glück gehabt und die richtigen Kunden zur richtigen Zeit gefunden", so van Dierendonck.

Das Feuer hat man gut überstanden. 325 Mitarbeiter sind im Einsatz, nur 50 Zeitarbeiter verloren vorübergehend ihren Arbeitsplatz. Die sollen aber wiederkommen, wenn das neue Werk ab Anfang März in die Produktion geht. Was aber noch eine Riesenherausforderung ist, wie Gerhard van Dierendonck einräumt. Hans-Josef Kuypers zeigt sich beeindruckt von dem internationalen Unternehmen, das von Geldern aus etwa 30 Prozent seines Umsatzes im Export macht. Für Kaiser hatte der Besuch noch einen besonderen Aspekt. Er hatte schon als Schüler in den Ferien bei Ruwel gejobbt. Damit passt er zu einem Phänomen, das Gerhard van Dierendonck überall in der Stadt feststellt: "Jeder kennt jemanden, der bei Ruwel gearbeitet hat. Das ist eine unglaubliche Verwurzelung des Unternehmens in der Stadt."

Quelle: RP
 
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