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Gelderland
Im Advent das Staunen neu lernen

Gelderland. Wie das Warten bis Weihnachten aussehen kann - das beschreiben die Geistlichen Yvonne Brück, Christoph Schwerhoff und Johannes Fries. Von Bianca Mokwa

Schokolade oder Geschichten? Die Auswahl an Adventskalendern ist groß. Pfarrer Johannes Fries entschuldigt sich für das Exemplar, das er in der Hand hält. "Der sieht schon ein bisschen ramponiert aus." Immerhin begleitet ihn der Kalender seit Kindertagen. 50, 55, 60 Jahre mag es her sein, dass so einer in seinem Elternhaus hing. Vor ein paar Jahren hat er sich das gleiche Exemplar nachgekauft. Hinter den Türchen sind Bilder, die an biblische Geschichten erinnern. Die Sonntage haben eigene Türchen.

Jesu Einzug in Jerusalem ist zum ersten Advent zu sehen. "Nach ein paar Jahren weiß man genau, was dahinter ist", sagt Fries. "Das ist aber auch gar nicht schlimm, sondern es geht um die Erinnerung an die Geschichten." Die richten sich nach der festen Leseordnung, die es für jeden Sonntag gibt. Welche das ist, steht im Perikopenbuch der Evangelischen Kirche Deutschlands.

Was Fries fasziniert, sind nicht nur die Geschichten vom Gottessohn Jesus Christus, sondern die über die Helden mit Fehlstellen und Rissen, mit denen Gott Geschichte schreibt. "Jakob, der Lügner, Mose hat einen Ägypter erschlagen, die Jünger laufen weg", zählt der evangelische Pfarrer Beispiele auf. "Wir haben es da mit Menschen zu tun, deren Grenzen weggeschwiegen werden, da ist die Bibel realistisch, das macht Mut. Gott sucht sich nicht die Superhelden, sondern Menschen, die ihre eigene, zweifelhafte Geschichte haben." Vielleicht ist die Adventszeit die Zeit, mal genauer hinzuschauen, die Bibel in die Hand zu nehmen.

Adventszeit ist auch Fastenzeit. "Also die Martinsgans war das letzte große Festessen vor Weihnachten, aber diese Tradition ist völlig vergessen", weiß Fries. Wie hält es denn Kevelaers Kaplan Christoph Schwerhoff mit der Fastenzeit? "Das ist eine gemeine Frage", kontert er lachend. Denn kürzlich ist der Schokoladen-Adventskalender eingetroffen. Den bekommen er und sein Bruder jedes Jahr von ihrem Vater geschenkt, alte Familientradition. Dass die Adventszeit auch Fastenzeit ist, wurde ihm im Studium klar. "Ich bin da eher noch im Versuchsstadium", sagt er über die praktische Umsetzung.

Sicher ist, dass er in der Adventszeit reduzierter leben will und den Fokus auf Dinge im Leben neu einstellt. "Ich versuche etwas mehr ins Gebet zu kommen", nennt der Kaplan ein Beispiel. "Erst suche ich morgens den Kontakt zu Gott, und dann schaue ich, was in der Welt los ist." Advent ist eine Zeit, die anders ist als alles andere im Jahr. "Für mich als Priester ist es schon dadurch anders, weil ich im Gottesdienst anders gekleidet bin, in Violett."

Schwerhoff gibt schon einmal einen Ausblick auf das, was kommt, Weihnachten, worauf der Advent als Zeit der Ankunft hinarbeitet. "Gott wird Mensch, das ist das Schöne. In der Adventszeit dürfen wir auch wieder menschlicher werden. Ich freu' mich wirklich drauf."

Die evangelische Pfarrerin Yvonne Brück aus Issum kennt die Adventszeit noch als Bußzeit, als bei ihrer Oma die Keksdose bis Weihnachten verschlossen blieb. Mit sehnsüchtigem Warten hat die Adventszeit tatsächlich zu tun, wenn man auf Jesus Christus als Erlöser und Retter wartet. Die 24 Türchen können da eine Hilfe sein, die Wartezeit zu überbrücken. Für ihre vierjährigen Patenkinder hat die Pfarrerin je 24 Eulen gebastelt mit Süßigkeiten, Haarspangen und Pferdepflastern drin, alles was das Herz von vierjährigen Mädchen erfreut.

Die Pfarrerin wünscht sich mehr kindliche Vorfreude. "Erwachsene denken: ,Ach, ist das stressig, ist die Gans gekauft, alles vorbereitet.' Kinder sind im Moment. Und das tut uns auch gut." Nicht umsonst stehe in der Bibel: "Werdet wie die Kinder." Das sei richtig und wichtig, sagt die Pfarrerin. Und ihre einjährige Tochter Charlotte ist ihr da ein gutes Vorbild. Das Aufleuchten einer einzelnen Lichterkette bringt ihre Augen schon zum Funkeln.

"Weihnachten hat mit Staunen lernen zu tun", sagt Brück. Gemeinsam mit vielen macht sie sich auf den Weg in Issum, jeden Tag trifft man sich an einem anderen Ort. Den lebendigen Advent gibt es an vielen Orten. In Issum startet der am 1. Dezember um 18 Uhr am evangelischen Kindergarten "Sonnenstrahl" in der Ahornstraße.

Quelle: RP
 
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