| 18.30 Uhr

Uedem-Keppeln
Keppelner Queeken vertreiben den Wind

Uedem-Keppeln. Ein kurzer Draht zum Wettermann, Zuversicht und ein wenig Glück: Für die Queekespiere ist ihr Konzept zum Rosenmontag aufgegangen. 36 Zugnummern präsentierten sich den gut gelaunten Karnevalisten. Von Anja Settnik

"Habt ihr die Sonnenbrille auch nicht vergessen? Dreimal Helau auf die Queekespiere aus Keppeln!" In überschäumend guter Laune präsentierten sich Organisation, Vereine, Wagentrupps und Fußgruppen, die sich hunderte Male versicherten, wie richtig sie doch alles gemacht hatten: Starkwind in der Nacht und erwarteter Sturm am Nachmittag - da war zwischendurch Zeit genug für den Keppelner Rosenmontagszug, der trocken und bei immer blauer werdendem Himmel ohne jedes Problem über die Bühne ging. Während die Narren in Kleve wie in Duisburg oder Düsseldorf versuchten, die Trauer über den abgesagten Zug weg zu feiern, konnten die Queekespiere und ihre Freunde ausgelassen feiern.

Präsident Robert Terheiden kam im Blaumann, der nicht als Kostüm gedacht war, zum Zug: der Zeltverleiher hatte einem Kunden im Nachbarland schnell noch helfen müssen, nächtliche Sturmschäden zu beheben. Bis zum Start des heimischen Umzugs war er aber wieder zur Stelle, ebenso wie alle organisierten und sonstigen Karnevalisten. Dieter Kalbfleisch, Geschäftsführer der Queekespiere und Zugleitung, vertraute der RP an, dass einige Besprechungen mit dem WDR-Wettermann, schließlich guter Freund ihrer Präsidentin Steffi Neu, den Keppelnern einige Sicherheit vor ihrer Entscheidung gegeben hatten. Die Realität gab ihnen recht.

Zu sehen gab es einen tollen Zug, der einmal mehr ganz überwiegend von den Vereinen, Clubs und Nachbarschaften geprägt war. Ob Kindergarten oder Kegelclub, katholischer Jugendverband oder Freundeskreis: Der Großteil der Wagen und Fußgruppen bestand aus den Männern, Frauen, Jugendlichen und Kindern des Orts, ergänzt um einige Akteure aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Einige Wagen und Gruppen aus Kalkar, Altkalkar, Kehrum und Neulouisendorf waren dabei und natürlich die engsten "Auswärtigen", die Uemse Knollen samt Ballett. Im Vergleich zu den Aktiven waren die auswärtigen Zuschauer wohl etwas skeptisch; sie kamen in nicht ganz so großer Anzahl. Um so mehr Parkraum, Kamelle und genug Platz, um alles zu sehen, für die Zuversichtlichen.

"Steffi, die Sonne scheint!" Moderatorin Andrea Franken vom Reiterverein konnte sich gar nicht über das unerwartet narrenfreundliche Wetter beruhigen. Zugleitung, Ordensträger und Musikvereine aus Keppeln und Uedemerbruch schritten dem Teenieballett voran, dann kam schon der Wagen mit dem jubelnden Elferrat. "Das sind die schönsten Männer von Keppeln", pries "Dea" an, was da auf dem Narrenschiff die Hände in die Luft warf. Die schönsten Mädchen - das Queekespiere-Ballett mit lila Haaren, folgte ihnen auf dem Fuße. Gleich mehrere Zugnummern widmeten sich den "Panzerknackern", die ja offensichtlich am Niederrhein zu Hause sind: So viele Geldautomaten haben sie in den vergangenen Monaten gesprengt, wenn auch meist erfolglos.

Zweites großes Thema: die Baustellen, Brückensanierungen und nötigen Umwege, die Uedemer derzeit in Kauf nehmen müssen. Gegen diesen Frust hatten die "Bauarbeiter" ein adäquates Mittel dabei, das leider nur im Karneval während der "Arbeit" erlaubt ist: das eine oder andere Schnäpschen. Mit dem Motto Abgas-Skandal waren die Hobbyflexer unterwegs. "Abgasskandal ist uns egal, in Keppeln drücken wir weiter aufs Gaspedal" reimten sie und fuhren eine Hebebühne in die Höhe, die bei echtem Sturm sicher keine Chance gehabt hätte. Mit übel riechenden rot-leuchtenden "Abgasen" waren die "Landstreichler" unterwegs, die Jugendgruppe Niedermörmter als Schornsteinfeger ließ es am heftigsten qualmen. Ohne Star Wars geht's beim Nachwuchs derzeit nicht: Die KLJB Keppeln war mit Darth Vader und Co. zur Stelle.

Fortuna Keppeln holte die "Eiszeit" ins Dorf, die Damen vom Totenhügel widmeten dem ewigen Eis einen Wagen. Als farbenfrohe Fußgruppen brachten Lady-Kracher, Clowns oder Pumuckl Farbe und Herz in den närrischen Lindwurm. Traditionell machte der Hein-Duck-Dich-Club aus Bedburg-Hau den Abschluss - ebenfalls als Panzerknacker. Und dann ging's noch lange fröhlich an und in der Dorfschule weiter.

Quelle: RP
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