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Grevenbroich
Minister gibt Gas - für mehr Sicherheit

Grevenbroich: Minister gibt Gas - für mehr Sicherheit
Die schwere Maschine, auf der Ralf Jäger gestern die ersten Testrunden absolvierte, war nicht seine eigene, sondern ausgeliehen. FOTO: Georg Salzburg
Grevenbroich. Innenminister Ralf Jäger ist begeisterter Biker. Auf dem Testgelände des ADAC-Fahrsicherheitszentrums setzte er sich gestern selbst aufs Motorrad und warb angesichts steigender Unfallzahlen für ein regelmäßiges Fahrsicherheitstraining. Von Julia Hagenacker

19 Grad, Sonne, bestes "Ich-hol-die-Maschine-aus-der-Garage-Wetter": Für seine Werbeoffensive für ein regelmäßiges Fahr- und Sicherheitstraining hätte sich der begeisterte Motorradfahrer Ralf Jäger, der auch Innenminister in Nordrhein-Westfalen ist, keinen passenderen Tag aussuchen können. "Ich bin bekennender Schönwetterfahrer", sagt Jäger und zuppelt sich vor dem Rausgehen aufs Testgelände am Grevenbroicher ADAC-Fahrsicherheitszentrum schnell noch den dünnen Schal unter der schwarzen Motorradjacke zurecht. "Allerdings", fügt er an, bevor er auf eine schwere Leih-Maschine steigt, um eine erste Runde im Slalom durch rot-weiße Hütchen zu drehen, "weiß ich auch, dass ich mit 55 Jahren körperlich nicht mehr super fit bin. Und, dass ich zuletzt im Oktober auf dem Motorrad saß." Kurz: Der Biker Jäger sagt, er brauche eine Auffrischung in Sachen "sicheres Fahren". Und sicher ist: Da steht er nicht alleine da.

In der noch jungen Saison 2016 sind auf den Straßen in NRW bereits zehn Motorradfahrer bei Unfällen ums Leben gekommen. 2015 waren es insgesamt 83 - 13 mehr als im Jahr davor. 31, sagt Jäger, verunglückten wegen überhöhter Geschwindigkeit. Zum Beleg, wie schlimm der rücksichtslose Tritt aufs Gas enden kann, hat der Minister ein reales Unfall-Video mitgebracht: Mit Vollgas durch eine "30er"-Baustelle - gefilmt mit einer "GoPro"-Helmkamera. Eine Bodenwelle bringt den Fahrer zu Fall, bei 120 Kilometern pro Stunde. "In diesem Fall hat er überlebt", sagt Jäger. In vielen anderen Fällen haben Motorradfahrer viel weniger Glück. "Besonders Anfänger und Wiedereinsteiger unterschätzen oftmals die Leistung ihrer Maschine und überschätzen die eigenen fahrerischen Fähigkeiten", sagt der Innenminister. "Das ist gerade auf kurvenreichen Strecken eine tödliche Kombination."

Die NRW-Polizei kontrolliert deshalb besonders stark auf beliebten Tourenstrecken in der Eifel, im Bergischen, aber auch auf den Landstraßen im Rheinland. 18.000 Biker wurden im vergangenen Jahr von Juni bis Oktober überprüft. 3000 von ihnen waren zu schnell unterwegs. Der Innenminister spricht von einer "Unkultur". "Wer rücksichtslos rast, wird aus dem Verkehr gezogen", sagt er. Denn: Die Folgen schwerer Verkehrsunfälle seien für die Opfer und deren Angehörige oft einschneidend. "So toll sich die Beschleunigung auch anfühlt, darf man das niemals vergessen", sagt Jäger. "In vielen Situationen müssen wir auf dem Motorrad sehr schnell richtig reagieren. Das kann über Leben und Tod entscheiden, deshalb sollte man regelmäßig an Sicherheitstrainings teilnehmen." Gerade nach den Wintermonaten, in denen viele ihre Zweiräder einmotten, sei es wichtig, sich wieder mit der eigenen Maschine vertraut zu machen, betont der Minister.

Im Oktober saß der Minister zuletzt auf dem Motorrad. "Nach der Pause muss ich mich erst mal wieder fit machen", sagt er. FOTO: Georg Salzburg

Klaus-Jürgen Ruppert, Geschäftsführer des Grevenbroicher ADAC-Fahrsicherheitszentrums, sagt, viele täten das auch: "Bei uns haben im vergangenen Jahr circa 4400 Motorradfahrer am Training teilgenommen - das ist schon enorm. Ich glaube, dass die Sensibilität da sehr groß ist. Denn es geht ja eben nicht um eine Fortsetzung der Fahrschule, sondern um Sicherheit."

Quelle: NGZ
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