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Kamp-Lintfort
Erster Schultag in einem fremden Land

Kamp-Lintfort: Erster Schultag in einem fremden Land
Beim gemeinsamen Backen brauchte es nicht vieler Worte, um sich miteinander zu verständigen. FOTO: Klaus Dieker
Kamp-Lintfort. Die Europaschule hat zehn Kindern, die aus Krisengebieten geflüchtet sind, gestern zum Einstieg ins Schulleben einen schönen Willkommenstag bereitet. Es ist zugleich Auftakt einer Kooperation aller drei weiterführenden Schulen. Von Anja Katzke

Ein bisschen aufgeregt sind Kim Fellner und die anderen vier Scouts der Europaschule schon: Sie dürfen die zehn Mädchen und Jungen aus Syrien, Ägypten, Albanien, Serbien und der Mongolei, die allein oder mit der Familie aus ihrer Heimat geflüchtet waren, offiziell begrüßen - auf Englisch. Sie haben den Text übersetzt, untereinander aufgeteilt und geübt. Als ihre neuen Mitschüler gegen zehn Uhr ankommen, ist die Aufregung bald verflogen - und zwar auf beiden Seiten. Schulhund Neo hat schon bei der Ankunft das Eis gebrochen. Alle zehn werden mit Handschlag begrüßt. Die Flüchtlingskinder stellen sich auf Deutsch vor. Barbara Mennekes, Leiterin der Europaschule, ist begeistert über das erste Kennenlernen: "Wir möchten den Kindern den Schulstart in Kamp-Lintfort so leicht wie möglich machen. Sie sollen hier in Ruhe ankommen. Wir versuchen, ihnen einen verlässlichen und stabilen Raum zu geben, damit sie sich entwickeln können."

Die Willkommensklasse, die Anfang Dezember gegründet wurde, basiert auf einer einmaligen Kooperation. Es handelt sich um ein gemeinsames Projekt der weiterführenden Schulen in Kamp-Lintfort: Europaschule, Unesco-Schule sowie Georg-Forster-Gymnasium haben ein Konzept erarbeitet, wie die Kinder schnell deutsch lernen und gleichzeitig ins Schulleben integriert werden können. Jede Schule stellt Lehrer für den Unterricht zur Verfügung. Die insgesamt 15 Mädchen und Jungen bilden am Vormittag in der Niersenbergschule eine Klasse, die von Lehrern aller drei Schulen unterrichtet werden. Am Nachmittag besuchen sie dann die AGs und den Werkstattunterricht an den drei Schulen. Die Europaschule bietet den Kindern zum Beispiel an, an dem Unterricht in Musik, Kunst und Sport teilzunehmen. Das Konzept kam an: Stadt und Bezirksregierung gaben die Genehmigung.

Gestern stellten die Kinder schnell fest, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt - beim Backen und beim Basketballspielen. Es brauchte nicht viele Worte, um sich zu verständigen. Hier ein Handzeichen, ein Kopfnicken, da ein englisches Wort. Und zur Not war Dolmetscher Hanah Jabra dabei, um die sprachlichen Barrieren abzubauen. Gemeinsam mit Lehrerin Annemone Rothe las er eine Weihnachtsgeschichte vor - auf Deutsch und Arabisch. In der Lehrküche war der Tisch schon schön eingedeckt. In zwei Gruppen entdeckten die neuen Schüler das Schulgebäude. Die Mädchen entschieden sich fürs gemeinsame Backen von Cookies, die Jungen für Basketball mit Lehrer Christian Kuhlmann - denn auf dem Spielfeld versteht man sich auch ohne Worte. Die Backstunde ermöglichte Kaufland, das die Willkommensaktion der Schule finanziell unterstützte. Die Schulscouts, das sind engagierte Schüler aus der Begabtenfördergruppe, versprachen den Neuankömmlingen, ihnen mit Rat und Tat zu helfen.

Quelle: RP
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