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Kranenburg/Nimwegen
Stoppen jetzt Greifvögel den Windpark?

Kranenburg/Nimwegen. Niederländische Naturschützer reichen Einspruch gegen den Bau der Windkraftanlagen ein. Von Peter Janssen

Johan Thissen ist 60 Jahre alt und seit 47 Jahren regelmäßig im Reichswald unterwegs. Es dürfte nicht viele Menschen geben, die mehr über die Greifvögel in dem Forst wissen als der Diplom-Biologe. Thissen kartiert seit 1968 die Tiere. Er hat mit an dem Einspruch gegen die Errichtung einer Vorrangzone für Windkraftanlagen im Reichswald gearbeitet, der bei der Gemeinde Kranenburg eingereicht wird. In dem Schreiben äußern sich die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Nijmegen (Vogelwerkgroep Rijk van Nijmegen) und die Regionalgruppe "Rijk van Nijmegen" von IVN (Institut für Naturbildung und Umweltschutz) zu der Flächennutzungsplanänderung. Die Windenergieanlagen würden Natur und Landschaft im besonders wertvollen Reichswald extrem negativ beeinflussen, so die Vogelkundler. Sie sind der Ansicht, dass die Gemeinde Kranenburg aufgrund des europäischen und nationalen Artenschutzrechts sowie einer falschen Interpretation des Windenergieerlasses ein Gerichtsverfahren verlieren würde. Eine juristische Niederlage habe auch die niederländische Gemeinde Oude IJsselstreek in einem Klageverfahren hinnehmen müssen, in dem es ebenfalls um den Bau von Windkraftanlagen ging.

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft untersuchen seit 1968 die Brutbestände der Greifvögel im Reichswald. Die Dichten von Wespenbussard und Habicht seien hier einmalig hoch, so die Ornithologen. Innerhalb der geplanten Konzentrationszone und in einem Umkreis von nur einem Kilometer seien in diesem Jahr sieben Habicht-, zwei Baumfalken-, 25 Mäusebussard-, zwei Sperber- sowie drei Wespenbussardreviere gezählt worden. Die Naturfreunde weisen darauf hin, dass Greifvögel die mit Abstand die häufigste Vogelgruppe unter den Schlagopfern von Windenergieanlagen sind (Quelle: bundesweite Fundkartei von Schlagopferzahlen in der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg). Die Hoffnungen von Johan Thissen ruhen unter anderem auf dem Baumfalken und dem Wespenbussard. Die beiden Vögel bereiten Planern von Windkraftanlagen mehr Sorgen als ihnen lieb ist. In Bayern stoppte der Baumfalke den Bau eines Windrads. Vom Horst des Falken müssen die Windkrafträder 500 Meter entfernt bleiben. Wird ein Wespenbussard entdeckt, beträgt der einzuhaltende Abstand sogar einen Kilometer.

Quelle: RP
 
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