| 22.38 Uhr

Kundgebung in Köln eskaliert
44 verletzte Polizisten nach Hooligan-Demo

Köln: Krawalle bei Hooligan-Demo
Köln: Krawalle bei Hooligan-Demo FOTO: dpa, cas hpl
Köln. Bei der Demonstration der Gruppe "Hooligans gegen Salafisten" in Köln ist es am Sonntag zu massiven Ausschreitungen gekommen. Die Demonstranten randalierten, warfen Böller und Flaschen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein. Es gab Verletzte und Festnahmen. Erst am Abend beruhigte sich die Lage.

Die Demonstration der Hooligans hatte gegen 15 Uhr auf dem Breslauer Platz in Köln begonnen. Bereits um 14 Uhr startete die antifaschistische Kundgebung "Schulter an Schulter gegen Rassismus" auf der Domplatte. Kurz nach 15 Uhr setzte sich ein Demonstrationszug der Hooligans in Bewegung durch die Stadt.

Hooligans zünden Bengalos und werfen mit Flaschen

Nach Angaben des Kölner Stadtanzeiger kam es im Verlauf des Demonstrationszuges gegen 15.50 Uhr an der Straße "Unter Krahnenbäumen" zu ersten Tumulten. Demonstranten warfen mit Flaschen und zündeten immer wieder Feuerwerkskörper, berichtete die Reporterin des Kölner Stadtanzeigers. Die Polizei habe Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt, weil einige Demonstranten auf Polizisten und Journalisten losgegangen seien. Dies bestätigte ein Polizeisprecher dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Während sich der Demonstrationszug weiter durch die Stadt bewegte, eskalierte die Lage zunehmend. Die Polizei setzte Wasserwerfer gegen die randalierenden Hooligans ein. Es gab erste Festnahmen, nachdem Demonstranten am Breslauer Platz einen Polizeitransporter umwarfen. Dabei wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur sid mindestens ein Polizist schwer verletzt.

Polizei sperrt Straßenzüge ab

Die Kölner Polizei sperrte mehrere Straßenzüge ab, um ein Aufeinandertreffen der Hooligans und der Gegendemonstranten zu verhindern. Nachdem die Gewalt der Demonstranten gegenüber den Polizeibeamten weiter eskalierte, brachen die Veranstalter die Demonstration schließlich ab.

Doch auch nach dem Abbruch der Veranstaltung blieb die Situation auf dem Breslauer Platz eine zeitlang weiter angespannt. Die Einsatzkräfte der Polizei kesselten die Demonstranten nach Angaben der Reporterin des Kölner Stadtanzeigers ein. Die Hooligans warfen mit Flaschen, Böllern und sogar Fahrrädern nach den Polizisten. Diese setzten sich mit Wasserwerfern zur Wehr. 

Mehr als doppelt so viele Demonstranten wie angekündigt

Beobachtern zufolge hatten sich am Sonntagnachmittag rund 4000 Hooligans aus Fangruppen verschiedener Fußballvereine versammelt, um gegen Islamisten zu demonstrieren. Die Polizei machte bis zum Abend keine Angaben zur Zahl der Demonstranten. Der Veranstalter hatte allerdings nur etwa 1500 Demonstranten angekündigt.

Fotos: Salafisten-Rede und Gegendemos in Mönchengladbach FOTO: Ilgner Detlef

Zugleich kamen rund 500 Teilnehmer zu einer Gegendemo - unter ihnen war die Kölschband Brings. Die Polizei versuchte mit etwa 1300 bis 1500 Einsatzkräften, die Situation unter Kontrolle zu halten. 

Behinderungen im Bahnverkehr

Als sich die Lage etwas beruhigt hatte, eskortierte die Polizei die Demonstranten in kleinen Gruppen durch den Bahnhof zu ihren Zügen, damit sie aus Köln abreisen konnten. Auch dabei kam es immer wieder zu kleineren Rangeleien mit den Einsatzkräften.

Rund um den Kölner Hauptbahnhof kam es gegen 18 Uhr außerdem vereinzelt zu Behinderungen im Bahnverkehr. Die Polizei riet dazu, den Hauptbahnhof zu meiden. Auch Busse von und nach Köln Hauptbahnhof konnten teilweise dort nicht halten.

17 Festnahmen

Erst gegen 20 Uhr beruhigte sich die Situation. Alle Straßensperrungen konnten aufgehoben werden. In einer ersten Bilanz des Einsatzes sprach die Köner Polizei am Abend von 44 verletzten Beamten der Landes- und Bundespolizei. Es gab 17 Festnahmen. Ein Hubschrauber habe Bilder aus der Luft gemacht, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur dpa. Diese würden von szenekundigen Beamten ausgewertet, um die Angreifer auch nachträglich zur Rechenschaft ziehen zu können.

Die Stimmung unter den Fußballfans sei schon zum Auftakt der Demonstration sehr aggressiv gewesen, sagte der Polizeisprecher. Offenbar seien viele der Teilnehmer der Hooligan-Demo alkoholisiert gewesen. 

Riexinger: "Demo hätte nie zugelassen werden dürfen"

Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, erklärte nach den Ausschreitungen, das Veranstaltungsrecht sei "nicht zur Legalisierung von Neonazi-Gewaltexzessen da". "Diese sogenannte Demonstration hätte niemals zugelassen werden dürfen", sagte Riexinger der Onlineausgabe der in Berlin erscheinenden Tageszeitung "neues deutschland".

Aktivitäten der Gruppe "Hooligans gegen Salafisten", bei der Hooligans und Rechtsextreme mitmischen, werden von den Sicherheitsbehörden aufmerksam beobachtet. Angemeldet hatte die Demonstration ein Funktionär der vom Verfassungsschutz beobachteten rechtsextremen Pro NRW.

Bei Pro-NRW-Kundgebungen war es nach Provokationen der Rechten in den vergangenen Jahren mehrfach zu schweren Ausschreitungen von Salafisten gekommen. Hinweise auf ein Erscheinen salafistischer Gruppen gebe es diesmal aber nicht, sagte ein Polizeisprecher.

Mit Material von lnw, dpa, sid.

(lnw/sid/dpa)
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