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Konzert in Köln
Rihanna gibt eine Party

Rihanna gibt Konzert im Rheinenergie-Stadion in Köln
Rihanna kommt nach Köln. 30.000 Zuschauer werden zu ihrem Konzert erwartet. FOTO: dpa, uw sab
Köln. Am Donnerstagabend tritt die 28-Jährige im Rheinenergie-Stadion in Köln auf. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Konzert des Superstars. Von Philipp Holstein

Warum ist das ein besonderes Konzert?

Weil Rihanna mit Taylor Swift und Beyoncé der größte weibliche Popstar dieser Tage ist. Ihre Kolleginnen auf den Pop-Olymp haben mit spektakulären Show vorgelegt, es wird also interessant zu sehen, was die 28-Jährige zu bieten hat.  Wobei man sagen muss, dass sie die Sache nicht so verbissen sieht, sie lässt gern Fünfe gerade sein. Und gerade das macht sie sympathisch.

Madonna etwa oder Beyoncé predigen Disziplin und leben das ayurvedische Null-Fehler-Powermenschentum. Sie arbeiten an der Definition ihrer Muskeln und füttern ihre Spiritualität, und wenn man aus ihren Konzerten kommt, fühlt man sich zu dick und defizitär. Dazu passend wirken deren Konzerte bisweilen wie Bootcamps. Rihanna ist das Gegenteil, sie steht auf der Bühne herum, als habe sie trotz großer Hitze seit Tagen nichts getrunken.

Sie wirkt überrascht, dass so viele ihr zuhören und dass die Musik tatsächlich ihre Musik sein soll. Sie würde viel lieber mit denen da unten feiern, aber sie bleibt oben, weil die Party sonst ja vorbei wäre. Oft hält sie das Mikrofon auf Kniehöhe, dann läuft halt das Playback. Manchmal versucht sie zu singen, was nicht immer gut klingt, aber live ist. Rihanna, schrieb das Magazin "New Yorker", ist der erfolgreichste Amateur der Welt.

Brit Awards 2016: Rihanna – erst verspielt, dann verrucht FOTO: dpa, ac cv

Was ist das Tolle an Rihanna?

Sie ist cool. Und lässig. Und immer sieht es aus, als würde sie alles nicht so eng sehen. "Having a good time" ist ihr Kerngeschäft. Das ist das Irre an diesem Popstar, dass alles so leicht wirkt, was Rihanna tut. Der Multi-Millionen-Dollar-Lady ist es gelungen, sich als Rebellin zu etablieren, als strassbesetzte Che-Guevara-Maske des Mega-Entertainments. Sie steht für die Verweigerung des Hochleistungsprinzips, und sie hat es geschafft, aus sich eine Marke zu machen, das Synonym für post-emanzipierte Lässigkeit. Sie macht aus Zitronen Limonade und aus Limonade Champagner.

Ihre Lider senkt sie meist, damit sie nicht sehen muss, was sie nicht sehen will. Sie verbindet Mackertum und Mädchenhaftigkeit, Bordstein und Fernweh, Vulgarität und Grübchenseligkeit. Sie wurde auf Barbados geboren, sie war 16, als ihr Mentor Jay Z sie nach New York holte, und seither lebt sie das Leben, von dem viele träumen. Sie schießt wie ein Sektkorken durch die Welt, und ihre 33 Millionen Instagram-Follower sehen sie heute beim Karneval in Rio, morgen beim Knutschen mit Leonardo DiCaprio und zwischendurch beim Kiffen in Amsterdam.

In jedem Song singt sie anders, sie kann meckern wie in "Umbrella", grooven wie in "Pon De Replay", quaken wie in "Work", schmeicheln wie in "California King Bed", den Himmel stürmen wie in "Diamonds" und abfahren wie in "S&M". Am besten kann sie Refrains. Sie sagt, auf mich könnt ihr euch nicht verlassen, aber wenn ihr mir folgt, werdet ihr es nicht bereuen. Sie lässt sich nicht festlegen, Selbstbestimmung bedeutet bei ihr, unbestimmt zu sein, vage; und vielleicht ist sie der einzige Superstar, der keinen Unterschied zwischen Privatperson und Bühnenexistenz macht. Sie versucht gar nicht erst zu provozieren, weil man das 2016 eh nicht mehr kann, sie irritiert lieber.

Was hebt sie von anderen ab?

Ihr immenser Erfolg sagt viel über unsere Zeit, es ist ein bisschen wie im Märchen von des Kaisers neuen Kleidern, deshalb gilt sie als Stilikone, obwohl sie gar keinen Stil hat. Es ist immer teuer und meistens geschmacklos, was sie an hat, aber sie trägt alles mit interesseloser Neugier und einer Absichtslosigkeit, die man leicht mit Grazie verwechseln kann. Sie ist oft gut frisiert, aber selten vollständig bekleidet, und sie weiß, dass es für die Marke besser ist, einmal mehr in "InStyle" aufzutauchen als eine neue Platte zu machen. Schließlich ist sie Popstar und nicht Sängerin oder Musikerin.

In den ersten sieben Jahren ihrer Karriere hat sie stets im November ein neues Album vorgelegt. Auf jedem fanden sich Teen-Pop-Hits, auf den Refrain ausgerichtete Fetenknüller. Nun hat sie sich drei Jahre Zeit genommen, dann "Anti" veröffentlicht, und darauf ist kein Hit, nicht mal mehr ein Refrain, bloß Atmosphäre und Textur, und das muss man sich erstmal trauen. "Anti" ist eine soulige Kifferplatte, ein R'n'B-Weltraumgleitflug. Zuletzt hat sie sich zu den Rassenproblemen in Amerika geäußert und ein Manifest unterschreiben, in dem es darum geht, wie wenig es braucht, um in den USA diskriminiert zu werden. Ist sie nun also eine politische Künstlerin? Eher nicht. Sondern eine mit guten Timing.

Rihanna ist die wertvollste Marke im Pop. Sie ist kaum zu fassen, und das macht sie interessant. "Das gewisse Etwas" nannte man das früher. Hoffentlich wird sie nie erwachsen.

Bei diesen Stars klingeln die Kassen FOTO: dpa

Woran bemisst sich ihr Erfolg?

Mariah Carey hält den Rekord in den amerikanischen Charts: Sie stand 79 Wochen mit ihren Titeln auf Platz eins. Rihanna könnte es BALD gelingen, diese Marke zu knacken. Ihr neues Album "Anti" wurde innerhalb von 15 Stunden 1,4 Million Mal heruntergeladen, zudem 13 Millionen Mal gestreamt, also online angehört. Keine Platte wurde je so rasch so oft verkauft. Seit Erschienen steht sie in den US-Top 10.

Rihanna gibt ihren Namen für Nagellack, Parfüms, Modelinien und Sonnenbrillen, was ja bekanntlich längst die harte Währung ist, während Alben die Bedeutung von Posts haben, weswegen man sie inzwischen nur mehr teilt. Und: Rihannas Art zu singen, diese Handreichung zur Euphorie, hat Schule gemacht: Wer das Radio anschaltet, hörte Dutzende Sängerinnen, die sich anhören wie sie.

Was gibt es bei dem Konzert zu beachten?

Zuerst die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen. Ihr Konzert in Nizza sagte Rihanna wegen des Anschlags ab. In Köln sollen Besucher ausführlich kontrolliert werden. Man sollte sich auf lange Wartezeiten einstellen. Der Veranstalter empfiehlt sogar, Taschen und Rucksäcke gar nicht erst mitzubringen. Einlass ist ab 17 Uhr, Rihanna soll gegen 20.30 Uhr auf die Bühne kommen. Erwartet werden rund 30.000 Zuschauer. Es gibt noch Karten.

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