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Krefeld
Krefelder Farben für die Welt

Krefeld: Krefelder Farben für die Welt
Die anorganischen Farbpigmente aus Uerdingen gelten weltweit als Standard: Die Lanxess-Produkte werden zur Einfärbung von Farben und Lacken, Kunststoffen, Papier sowie als Spezialpigmente für Toner und andere Anwendungen genutzt. FOTO: lanxess
Krefeld. Die in 90 Jahren in Uerdingen produzierte Menge an Eisenoxidpigmenten reicht aus, um ganz Frankreich mit eingefärbten Pflastersteinen auszulegen. 13 Millionen Tonnen anorganischer Farbpigmente hat Lanxess - vormals Bayer - am Krefelder Standort seit 1926 hergestellt. Mit 1200 Tonnen hatte es begonnen, aktuell produziert der Weltmarkführer 280.000 Tonnen im Jahr - und der Markt wächst. Von Norbert Stirken (Text) und Thomas Lammertz (Fotos)

Überall auf der Welt prägen mit Farbpigmenten von Lanxess versehene Bauwerke die Städte: Die Liste ist lang und reicht vom Eiffelturm in Paris bis zu den Weltmeisterschaftsstadien in Südafrika. "Trotzdem klingt es erst einmal unsexy, wenn von Eisenoxidpigmenten die Rede ist", sagte Oberbürgermeister Frank Meyer bei der Feierlichkeit zum 90-jährigen Bestehen der Produktion im heutigen Chempark am Uerdinger Rheinufer.

5000 Kunden rund um den Globus nehmen Lanxess aus Krefeld ihre 1100 Produkte ab. Die weltweit größte Produktionsstätte für anorganische Farbpigmente am Rhein ist viermal größer als die des Verfolgers aus China. Im Chempark treffen viele begünstigende Komponenten zusammen. Lanxess sitzt dort, wie die Spinne im Netz.

Lastwagen liefern Eisensulfat an und schütten es in so genannte Bunker. FOTO: Lammertz Thomas

Von der anderen Rheinseite - nur fünf Kilometer entfernt - liefert Thyssen Krupp beispielsweise täglich Lastwagen voll mit Eisensulfat als Abfallprodukt seiner Stahlherstellung und Schrott. Das wird in so genannte Bunker gekippt. Aus dem Material stellt Lanxess in vielen großen und kleinen Reaktoren mit Hilfe von Natriumlauge Eisenoxidpigmente her. Überwacht und gelenkt wird alles aus einer Steuerwarte mit Computern, Joystick und vielen Bildschirmen. "Das Anforderungsprofil an unsere Beschäftigten hat sich enorm gewandelt", erklärte Wolfgang Oehlert (Vice President Technical Operations BU Inorganic Pigments). Früher sei vor allem Muskelkraft gefragt gewesen, heute müssten die Mitarbeiter mit dem Hirn überzeugen. Die Berufsbezeichnung Chemikant vereine vielfältiges Wissen und Können.

Schrott und in Wasser gelöste Sulfate werden in Behältnisse (Reaktoren) in Größen von 100 bis 1000 Kubikmetern gefüllt. Es wird Natronlauge hinzugegeben, mit Sauerstoff versetzt und auf 70 Grad Celsius mit Wasserdampf erhitzt. Nach und nach wird der Reaktor mehr befüllt. Der Energiebedarf für den Prozess ist groß. 50 Stunden bruzzelt die Suppe unter einem bis zu 4000 Kilogramm schweren Deckel vor sich hin. Die Suspension (Stoffgemisch) wird zu einer Art Brei eingedickt und in einen Drehfilter geleitet. Darin werden Salze ausgewaschen, ins Filterinnere gesogen und aussortiert. Nach dem Waschvorgang wird die Suspension als fester Kuchen abgeworfen und über eine Förderschnecke weitertransportiert, zwischengelagert und getrocknet. Dadurch erhält Lanxess ein ungemahlenes Trockengut in den jeweiligen Farben - so genannte Klinker.

Hochwertiger Schrott wird für die Produktion von Eisenoxidpigmenten vorgehalten. FOTO: Lammertz Thomas

Durch Glühen entstehen aus schwarzen rote Klinker. Dazu oxidiert schwarzes Eisenoxid in einem 30 Meter langen Drehrohrofen unter Sauerstoffzufuhr bei ungefähr 800 Grad Celsius. Anschließend werden die Klinker mechanisch gemahlen und die Pigmente automatisch abgefüllt und konfektioniert. Sie werden als Pulver, Granulat und als Kompaktpigmente an die Kundschaft ausgeliefert. Die Abnehmer sitzen in der Farben- und Lackindustrie, der Kunststoff- und der Baustoffbranche und anderen Unternehmenszweigen.

Die Produkte, die weltweit unter Markennamen wie Bayferrox, Bayoxide und Colortherm gehandelt werden, lagern in einem hochmodernen Blocklager sowie in Lochlagern. 300.000 Einwegpaletten werden eigens für Lanxess pro Jahr gefertigt und angeliefert. Über 15 Etagen stapelt sich die Ware. Die alten Gemäuer aus der Gründerzeit sind statische Wunderwerke, die 2000 Kilogramm auf den Quadratmeter verkraften. Gleichwohl reicht der Raum nicht aus, um alle Produkte bis zur Auslieferung an die Kunden in Uerdingen zu lagern. Täglich fahren 35 Lastwagen vom Standort auf die rechte Rheinseite, um in einer Dependance im benachbarten Mündelheim 500 bis 700 Paletten zu deponieren.

In der Steuerwarte lenken und kontrollieren Fachleute die Prozesse in den Reaktoren. FOTO: Lammertz Thomas

Das bei der Produktion anfallende Anilin verkauft Lanxess übrigens an Covestro, die ebenfalls im Chempark ansässig sind. Von dessen Betreiber Currenta bezieht der Spezialchemiekonzern beispielsweise den bereits erwähnten Dampf. Currenta ist in Verhandlungen, um über eine neue Versorgungsleitung einen Teil des benötigten Dampfes von der Müll- und Klärschlammverbrennungsanlage der Stadtwerke zu beziehen. Den größten Teil produziert Currenta am Standort selbst.

Lanxess ist Teil eines funktionierenden Verbundes an einem Traditionsstandort für die chemische Industrie. Chef Jörg Hellwig weiß das und lobt als gebürtiger Krefelder erfreut die guten Bedingungen in Krefeld. Die Auslastung des Werks sei sehr gut. Weltweit werden rund eine Million Tonnen Eisenoxidpigmente jährlich nachgefragt, 375.000 davon liefere Lanxess - 280.000 Krefeld. Die Wachstumsprognosen gehen von 2,3 bis 2,4 Prozent steigender Nachfrage aus. Vor allem die Urbanisierung - also der Trend der Menschen, vermehrt in die Städte zu ziehen - rege die Bautätigkeit an. Die Baustoffindustrie sei einer der großen Abnehmer für Farbstoffe in Dachziegeln, Pflastersteinen und Betonwerkstoffen, berichtete Oehlert.

Seit dem Jahr 2005, nachdem Bayer zu Lanxess wurde, hat der Konzern in Uerdingen mehr als 420 Millionen Euro, davon 200 Millionen Euro in die Produktion investiert. Das Herzstück, so Jörg Hellwig, sei die Herstellung von anorganischen Farbpigmenten.

Oberbürgermeister Frank Meyer sieht in dem Jubilar einen global agierenden prominenten Repräsentanten Krefelds, der die schöne Rolle übernommen hat, Farbe und damit Lebensqualität und Fröhlichkeit in die Welt und unter die Menschen zu bringen.

Quelle: RP
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