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Langenfeld
Flüchtlinge bestehen Deutschprüfung

Langenfeld: Flüchtlinge bestehen Deutschprüfung
FOTO: Matzerath Ralph
Langenfeld. Von 32 Teilnehmern des VHS-Kurses haben 30 bestanden - viele mit "sehr gut" und "gut". Von Heike Schoog

Arkan Chicho ist 32. Er ist mit seiner Familie aus dem Irak geflohen und seit zehn Monaten in Langenfeld. Er gehört zu den ersten Flüchtlingen, die an der Volkshochschule Langenfeld die erste Deutschprüfung mit Erfolg absolviert haben. Sein erstes Wort? "Hallo. Guten Morgen", sagt er und lacht. Das ist eine Weile her. Dazwischen liegen viele Lektionen. "Die Grammatik ist schwer", sagt Chicho. "Sprechen ist gut." In seiner Heimat hat er in Hotels und Restaurants als Kellner gearbeitet. Das würde er hier auch gern wieder tun. Dafür lernt er.

Seine Mitschülerin Nazarin Beipoorian (29) stammt aus dem Iran. Sie ist im Dezember in Langenfeld angekommen und lebt in der Flüchtlingsunterkunft am Winkelsweg. Sie spricht schon ganz gut. "Ich habe vorher schon gelernt", sagt sie. Denn sie möchte weiter studieren - Geschichte und Literatur, wie sie es in ihrer Heimat getan hat. "Ich habe hier Freunde", berichtet sie. Ihre Familie ist in alle Winde zerstreut, lebt in vielen verschiedenen Ländern. Sie schätzt es, dass Frauen in Deutschland respektiert werden. "Das war in meiner Heimat ganz anders." "Terrible", sagt sie und verfällt zwischendurch von der deutschen in die englische Sprache. Ihr erstes Wort, als sie hier angekommen ist: "Es regnet".

Yousef Payman (23) ist aus der syrischen Stadt Aleppo geflohen - eine der am härtesten umkämpften Regionen. Vor acht Monaten ist er angekommen und hat sehr schnell Deutsch gelernt - auch wenn sein erstes Wort "Stop" war. Das hat er auf vielen Schildern gesehen. Yousef ist ehrgeizig. In seiner Heimat hat er bereits ein Pharmaziestudium absolviert. Und möchte hier daran anknüpfen. "Ich lese sehr viel", sagt er. Und er lernt, damit er schnell auf dem Stand ist. Auch in die deutsche Grammatik beißt er sich hinein. Allerdings sei es oft schwierig, in Ruhe zu lernen. In der Unterkunft sei man wenig für sich, sagt der junge Mann, der ohne Familie gekommen ist. In Aleppo hat er mit 18 Jahren das Abitur bestanden und anschließend fünf Jahre lang Pharmazie studiert. Sein Ziel in Langenfeld: das Deutsch-Zertifikat "L1", das zum Besuch der Universität berechtigt.

Auch in Syrien hat Yousef viele Stunden am Tag gelernt. "Fünf bis sechs Stunden", sagt er. Das ginge in der Unterkunft jedoch nicht so gut. Er wartet jetzt auf einen Termin beim Integrationsministerium, um seine Fluchtgründe darlegen zu können, und hofft, in Deutschland bleiben zu können. "Ich will nur Frieden", sagt Yousef. Ebenso wie bei den anderen spielt der Glaube als Fluchtursache eine große Rolle. Yousef hat als Kurde in Syrien gelebt, Arkan als Jeside im Irak und und Nazarin als Christin und Frau im Iran.

Eigentlich ist das VHS-Semester vorbei. Zurzeit läuft lediglich die Sommerakademie mit einem Konversationskurs. Irene van Dassen leitet die Klasse und ist stolz auf die guten Ergebnisse der Schüler.

Insgesamt haben 32 Teilnehmer ihre Deutschprüfung am Ende des ersten Integrationskurses Stufe (A1) erfolgreich abgelegt. "Die Ergebnisse können sich sehen lassen", sagt VHS-Leiterin Juliane Kreutzmann. Von den 32 Teilnehmern haben elf mit "sehr gut" und "gut", fünf mit "befriedigend" und drei mit ausreichend" bestanden. Zwei haben nicht bestanden.

Quelle: RP
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