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Leverkusen
Engelsgleiche Töne und eine Uraufführung

Leverkusen: Engelsgleiche Töne und eine Uraufführung
Michael Porr (l.) lenkte den Bach-Chor (hier die Kammerchorbesetzung) sicher durch die anspruchsvollen Werke des Adventskonzerts - eine Kantate hatte er selbst zum Programm beigesteuert. FOTO: uwe Miserius
Leverkusen. Der Bach-Chor bestach mit Werken von Benjamin Britten - und einer Komposition von Chorleiter Michael Porr. Von Horst Schaumann

Die Bielertkirche konnte den Publikumsandrang nur mit Mühe verkraften, als Michael Porr und der Bach-Chor Leverkusen am Wochenende den Advent musikalisch feierten und Weihnachten anklingen ließen.

Ein dreiteiliges Programm präsentierte Porr mit seinem Chor, der Harfenistin Konstanze Jarczyk und Ruth Theis an der Orgel. Für den Beginn hatte er Benjamin Brittens "Ceremony Of Carols" ausgewählt, wozu sich die Chordamen auf den Stufen des Altars um die Harfe scharten. Komponist Britten vertonte die ersten sieben Gedichte 1942 auf der Schiffsreise von Amerika nach England als "Seven Christmas Carols". Bald ergänzte der Brite das Werk um weitere Texte und den Gregorianischen Choral "Hodie Christus natus est". Den lässt er zu Beginn als "Procession" und am Ende als "Recession" singen. Die in altem Englisch zu singenden Stücke sind für dreistimmigen Knaben- bzw. Frauenchor geschrieben.

Michael Porr hatte die Frauenstimmen gut vorbereitet, insbesondere die acht Chorsolistinnen. Sauberer Unisono-Gesang ist in den Stücken ebenso erforderlich wie engelsgleiche Harmonien. Immer wieder stellten Reibungsklänge und das Hören auf die Harfe Herausforderungen dar, die Porr mit den Damen des Bach-Chores und Konstanze Jarczyk an der Harfe wunderbar meisterten.

Im zweiten Teil des Adventskonzertes spielte Jarczyk drei Soli, die ein wunderbares Bindeglied zwischen Brittens weihnachtlicher Komposition und Porrs Adventskantate wurden. Keltischen Klängen lauschte das Publikum vielfach mit geschlossenen Augen. Wie Meditationen kamen die Harfenklänge vom irischen "Sands Of Hosta" und dem schottischen "Christ Childs Lullaby" über die sichtlich berührten Zuhörer. Mit "Musical Priest" aus Irland setzte Konstanze Jarczyk einen rhythmisch akzentuierten Schlusspunkt und wurde dann vom Publikum mit großem Beifall verabschiedet.

Machtvoll klang es kurz darauf von der Empore: "Machet die Tore weit". In einer Uraufführung seiner Kantate erklangen bekannte adventliche Melodien, die Michael Porr dafür in seine ihm eigene Tonsprache gefasst hat. Zwischen neun Chorstücke, die fast ausschließlich a capella zu singen sind, hat Porr für die Orgel - exzellent: Ruth Theis - vier Meditationen gestellt, die sich zum Teil durch sehr freie Rhythmik auszeichnen.

Komponist Michael Porr zeigt in dieser Kantate seine große Erfahrung als Leiter des ausgezeichneten Bach-Chors Leverkusen, nutzt er doch alle chorischen Möglichkeiten aus, vom Unisono-Gesang mit Überchor über Chorsoli bis zum Kanon mit Orgel.

Diese reine Adventskantate wird sicher bald auch von anderen Chören zu hören sein, sie hätte es sehr verdient.

Quelle: RP
 
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