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Meerbusch
Sie ist immer dabei ...

Meerbusch. Was bedeutet für Sie Heimat? Diese Frage beantworten die Künstlerinnen Eri Krippner und Marlies Blauth, Petra Gesthuysen-Mieden als "Heimatshopperin 2016" und Steffi Valentin vom Meerbuscher Kulturkreis.

Eri Krippner "Bei dem Wort Heimat drängt sich bei mir zunächst die Gegend in den Vordergrund, in der ich aufgewachsen bin: Nordbayern, im schönen Frankenland. Als meine Heimat benenne ich durchaus ganz Franken. Dort habe ich 28 Jahre gelebt, unterbrochen durch einen zweijährigen Aufenthalt in München und ein Jahr in Genf; natürlich bezeichnete ich diese Städte nie als Heimat. Heimisch fühlen kann man sich an mehreren Orten, ich zum Beispiel bei meinen Monate währenden Aufenthalten in Paris. Hätte ich dort einen festen Wohnsitz (auch wenn er in der "Fremde" läge), könnte ich die Stadt als zweite Heimat bezeichnen. Sesshaft sein hängt eng mit dem Begriff Heimat zusammen. Seit mehr als vier Jahrzehnten lebe ich in Meerbusch. Hier bin ich jetzt daheim. Wenn ich von einer Reise komme und über die Flughafen-Brücke fahre, erfreut mich der Blick auf den Rhein und es ist, als begrüßte mich das grüne Meerbuscher Ufer. Hier ist mein Zuhause, in dem ich mich geborgen fühle. Hier habe ich amtlich und vor allem seelisch meine neue Heimat gewonnen."

Steffi Valentin antwortet etwas ausführlicher, weil, wie sie sagt, sie "ein großes Herz" habe, das viel Platz für heimatliche Gefühle habe. "Meine Wiege stand in Sachsen, genau in der Mitte zwischen Leipzig und Dresden, damals noch DDR. Durch familiäre Bande bin ich heute noch gern zu Besuch, und ich fühle mich dort immer angekommen. Es war eigentlich mehr die Familie, die mich immer wieder animierte, dorthin zu fahren. Heute bedeuten mir die beiden Kulturstädte Leipzig und Dresden noch mehr und es erfüllt mich mit Stolz, dass sie für mich ein Stück Heimat sind. Meine Schulzeit und Jugend erlebte ich im Niederbergischen Land, Wülfrath, Kreis Mettmann. Ich war glücklich, als 18-Jährige dieses Kleinstadt-Milieu mit Düsseldorf tauschen zu können. Heute ist es für mich ein Stück Heimat, und es zieht mich sehr oft in die Gegend. Am liebsten fahre ich ganz allein dorthin und gehe durch die Straßen der Erinnerung, überquere Plätze, wandere durch Parks und kleine Wälder - und obwohl sich so vieles verändert hat, empfinde ich auch für diese Stadt Heimatgefühle. Und dann baut man seine Zelte mit Familie auf. Dies geschah vor genau 44 Jahren in Kaarst. Die Verbundenheit mit den Menschen dieser Stadt, die ich durch die Kindergarten- und später Schulzeit meiner Tochter, durch meine/unsere Jahrzehnte lang betriebenen sportlichen Aktivitäten, aber auch durch andere Begegnungen kennen gelernt habe, ist teilweise auch heute noch groß. Da ist unter anderem der Kaarster Wochenmarkt eine willkommene "Begegnungsstätte". Hier fühle ich mich wirklich wie zuhause. Und last but not least möchte ich Meerbusch als ein Stück Heimat bezeichnen. Vor 20 Jahren startete ich im zarten Alter von 54 bei der Stadtverwaltung, lernte die Stadt und viele ihrer Bürger kennen. Auch hier fühlte ich mich dazu gehörig, obwohl ich ja eigentlich Kaarsterin war. Als ich dann den Schritt ins Rentendasein machte, begann erst recht meine intensivste Zeit in dieser Stadt, dank meines umfassenden ehrenamtlichen Engagements im Meerbuscher Kulturkreis. Heute nach zwölf Jahren kenne ich mehr Menschen in Meerbusch als in Kaarst; durch meine Aktivitäten im Meerbuscher Kulturkreis habe ich Freunde und viele nette Menschen gefunden, die mir sehr viel bedeuten. Auch hier sind es wieder die Menschen, die in mir das Gefühl "Heimat" erzeugen. Ich kann heute mit Fug und Recht sagen: Ich bin eine Meerbuscherin. Fazit: Heimat sind für mich Erinnerungen an Gegenden, wo ich lange gelebt habe und wo ich viele Menschen zurückgelassen habe, an die ich noch heute (oft) gern denke. Dazu gehören aber auch negative Erinnerungen. Auf mein Heimatland Deutschland bin ich sehr stolz. Ich lebe gern in Deutschland und bin froh und glücklich, eine Deutsche zu sein. Deutschland bietet viele unterschiedliche Landschaften, ist ein Kulturland und das Herzstück Europas (für mich jedenfalls!).

Marlies Blauth "Heimat ist für mich etwas Flüchtiges, Diffuses, irgendwo zwischen Sehnsucht und Erinnerung. Immer schon berührten mich diese Geschichten und Sagen (wie beispielsweise Rip van Winkle), in denen jemand "mal kurz" von zu Hause weggeht; es werden jedoch - unmerklich - mindestens 20 Jahre Dauerschlaf oder Ablenkung, je nach Geschichte. Als er, gefühlt nach einem Tag, in seine Heimat zurückkehrt, kennt er sich nicht mehr aus, die Menschen sind ihm fremd, sein Haus ist verfallen. Hier ist literarisch geschildert, wie Orte, die einmal heimatlich waren, entzaubert werden. Was jetzt dort geschieht, betrifft mich nicht mehr. Zwar finde ich noch Spuren und Zeichen von früher, aber die Gegenwart ist darüber gebreitet wie ein riesiges unbeschriebenes Blatt. Es bleibt die Erinnerung. Oft eine freundliche Täuschung: Heimat war nie das Paradies. Ich sehe sie als vergoldete Scherbe, schön und zerbrechlich; ich trage sie mit mir, überall hin."

Petra Gesthuysen-Mieden "Heimat ist für mich, mir mein Fahrrad zu schnappen und in den Ort zu fahren. Mir ganz sicher zu sein, dass ich auf dem Weg Bekannte treffe, mit denen ich einfach mal quatsche und die Zeit vergesse. Die Geschäfte und die Verkäufer/innen zu kennen und auch mal das Portemonnaie vergessen zu dürfen und beim nächsten Mal zahlen zu können. Heimat ist, mit seinen Enkeln vor der Eisdiele zu sitzen und dort Mütter zu treffen, die ich auch schon kannte, als sie so alt waren wie jetzt ihre eigenen Kinder. Heimat ist für mich Entspannung pur."

Zusammengestellt von Anke Kronemeyer

Quelle: RP
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