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Reitsport
In Erkrath für Olympia fit gemacht

Kreis Mettmann. Die Brasilianerin Luiza Almeida reitet in Rio für ihr eigenes Land. Sie trainiert seit langem bei Johan Zagers. Von Gökçen Stenzel

Ihre Lebensdaten rufen Staunen hervor. Als Luiza Almeida 15 Jahre alt war, wurde sie in das Team der Pan Amerikanischen Spiele berufen, ritt erstmals für ihre Heimat Brasilien auf internationalem Niveau - in einem Alter also, in dem sich reitende Kinder hierzulande vielleicht auf ihr erstes dörfliches Turnier vorbereiten. Im Jahr darauf nahm sie als jüngste Teilnehmerin überhaupt an den Olympischen Spielen in Hongkong teil. In London, 2012, war sie ebenfalls am Start. Und nun, mit 24 Jahren, erlebt sie ihr drittes Olympia - zudem im eigenen, gastgebenden Land. "Das wird etwas ganz Besonderes", sagt die junge Amazone dazu. "Etwas Einmaliges, das später sicher zu den Höhepunkten meines Lebens zählen wird." Brasilien kann ein Dressur-Team stellen, das sich qualifiziert hat. In ihm stehen auch noch zwei Brüder Luizas - beinahe eine Familienangelegenheit also. Die Geschwister stammen aus einer reichen Familie, die sich seit Jahrzehnten intensiv dem Pferdesport widmet, die Kinder saßen im Sattel, lange bevor sie in die Schule kamen.

Zwar ist die Konkurrenz in der brasilianischen Dressur nicht annähernd so groß wie in Deutschland - "Dressurreiten ist nicht so populär", sagt Luiza -, aber die Punkte für die internationale Qualifikation wollen dennoch erritten sein. Das haben die Almeidas geschafft, in der vorigen Woche sind sie formell ins Team berufen worden - nach anstrengenden Monaten mit Fahrten zu Turnieren in Spanien, Österreich, der Tschechei.

Luiza und ihr jüngerer Bruder Manuel (22) sind mit ihren beiden Pferden, den Hengsten Vendaval und Vinheste, in Erkrath zuhause. Im Stall des renommierten Ausbilders Johan Zagers trainieren sie beinahe täglich. Es kommt nicht selten vor, dass Spaziergänger, die eigentlich am Reitplatz vorbei Richtung Wanderweg Neanderlandsteig wollen, stehenbleiben, weil der weiße Lusitano Vendaval gerade durch das Viereck tanzt. Auch der Laie erkennt: Das spielt in einer anderen Liga als die Ritte, die er sonst vielleicht schon einmal live gesehen hat. "Der Sturm ist nicht groß", sagt seine Reiterin lachend, "er ist großartig." Vendaval heißt übersetzt aus dem Portugiesischen "Sturm" und so groß wie die meisten anderen Pferde in seiner Liga ist der 14-jährige Schimmel tatsächlich nicht. "Er ist absolut loyal dem Reiter gegenüber und gibt immer alles", lautet Luizas Lob. "Er macht unserem ganzen Land Freude." Es war Zagers, der den Schimmel vor knapp zwei Jahren entdeckte und seine Qualitäten erkannte, der ihn fit machte für das internatonale Parkett und den Brasilianern als geeignetes Olympiapferd anbot. Immerhin kennt er Luiza und die brasilianische Szene bestens: Schon bei Olympia 2008 war er der Coach der Mannschaft, sein Kontakt zur Familie Almeida brach auch nicht ab, als er kein offizieller Teamtrainer mehr war; Luiza trainiert er mit wenigen Unterbrechungen seit beinahe zehn Jahren. "Sie ist längst in der Lage, selber Fehler zu korrigieren und bei der Weiterbildung des Pferdes aktiv mitzuwirken und es nicht nur nachzureiten", sagt er über seine Schülerin. "Die Hengste sind beide top in Form." Zagers ist sichtlich zufrieden, vielleicht ein wenig stolz, seine Augen blitzen, wenn er über den kleinen großen Vendaval spricht, dessen Piaffen und Passagen ungeahnten Ausdruck bekommen haben. "Alles was ich kann, hat Johan mir beigebracht", sagt Jurastudentin Luiza über ihn. "Ich fühle mich sehr sicher, wenn er da ist, habe vollstes Vertrauen. Er ist eine große Persönlichkeit."

Ob sie selbst eigentlich ein Star in ihrer Heimat ist? Immerhin haben viele brasilianischen Zeitschriften über sie berichtet, zuletzt erschien eine Fotostory unter dem Titel "Alle unter 30", die junge Brasilianer vorstellte, die besonderes geleistet haben. Darunter auch Luiza. "Nein", antwortet sie auf die Frage. "Weil bei uns die Dressur nicht so wichtig ist, bin ich sicher kein öffentlich bekannter Star." Was sich nach den Spielen im eigenen Land ja ändern könnte. Vielleicht, schiebt Luiza nach, sei sie in der internationalen Welt der Reiter und Pferde ein wenig bekannter: "Ein bisschen."

In zwei Tagen, am Montag, treten die Pferde die lange Reise an den Zuckerhut an, erst geht es mit dem Transporter nach Frankfurt und von dort mit dem Flieger weiter. Ein Tierarzt ist während des Fluges bei ihnen, kontrolliert alles und sorgt für genügend Flüssigkeit, damit die Tiere unbeschadet und möglichst munter ankommen. Zagers will, dass sie so früh es geht transportiert werden, um genug Zeit zum Gewöhnen dort zu haben. Er selbst wird am Mittwoch folgen, aufregende Wochen in Rio verbringen, so viel ist jedenfalls sicher.

Im Stall in Erkrath, wo der Betrieb seinen gewohnten Gang gehen wird, sind die Bereiter, Pfleger und Pferdebesitzer reichlich gespannt auf die olympischen Nachrichten.

Quelle: RP
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