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Serie "Was macht eigentlich?"
Rock, Pop, stille Nacht: Alles passt zusammen

Booster: Rock, Pop, stille Nacht: Alles passt zusammen
Auch das Licht macht's: Booster 2016 im Chapiteau. FOTO: Silvana Rücker
Mönchengladbach. Reinhard "Vanni" Vander spielt seit 37 Jahren bei Booster, einer der führenden Coverbands Mönchengladbachs. Seit 18 Jahren begeistert sie mit der "Silent Night" ein großes Publikum. Doch Booster spielt längst nicht nur an fünf Abenden zur Stillen Nacht, sondern 50-mal im Jahr. Von O. E. Schütz

Booster - das ist in und um Mönchengladbach seit Jahrzehnten die Coverband, die Maßstäbe setzt. In der Region steht sie für diesen Begriff. "Es gibt nichts Besseres", sagt Musikexperte Horst Pawlik. "Coverband ist die Bezeichnung für eine Musikgruppe, die in allererster Linie Stücke anderer, meist berühmter Gruppen nachspielt. Ein gecovertes Stück kann dabei von originalgetreu dargeboten bis neu arrangiert und eigeninterpretiert klingen", heißt es bei Wikipedia.

Reinhard "Vanni" Vander, Ur-Mönchengladbacher aus Wickrath, ist seit 37 Jahren dabei. Er ist das älteste noch aktive Mitglied der Band, die seit 1979 mit Rock und Pop von den 70er Jahren bis zu aktuellen Stücken ihre große Fangemeinde begeistert: bei Unges Pengste in Korschenbroich, bei Konzerten im Hockey- bzw. Sparkassen-Park, beim NEW-Musiksommer an der Kaiser-Friedrich-Halle, in kleinen und in riesigen Festzelten, bei Open-Air-Veranstaltungen, zu Karnevals- und Schützenfesten quer durch das Land. Booster spielte sogar mal bei einem Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring und einem Firmen-Event auf der Adria-Insel Hvar, wofür sie eigens eingeflogen wurde. An die 50 Auftritte hat Booster im Jahr, mit bis zu 5000 begeistert mitgehenden Zuhörern. Meist ist sie alleine auf der Bühne, aber auch im Vorprogramm großer Bands.

Booster 1980 (von links): Frank Rothe, Vanni Vander, Helmut Oversberg und Horst Mitleger. FOTO: VV

Bei Booster geht es fetzig zu. Doch die Band kann es auch ein wenig anders. In Mönchengladbach ist "Silent Night" nicht nur für Rock- und Pop-Fans ein Muss. Es gibt fünf Auftritte in den letzten zehn Tagen vor Weihnachten. Die letzte "Stille Nacht" ist stets am 23. Dezember, unmittelbar vor Heiligabend. Alle fünf Konzerte sind fast immer ausverkauft. Denn die Mischung aus fetziger Musik und Stücken, die zur Weihnachtszeit passen, die ganze Atmosphäre: Da stimmt alles. "Und am Schluss der dreieinhalb Stunden muss die Post abgehen", sagt Vanni Vander.

62 Jahre alt ist der Gitarrist und seit 37 Jahren bei Booster. Ein Teilzeit-, aber auch ein Vollblutmusiker. Er hat einen "normalen" Beruf, war als gelernter Fernmelde-Handwerker bei der Bundespost bzw. später Telekom. Als Musiker aber hat er nie eine richtige Ausbildung gehabt. "Ich habe mir alles selbst beigebracht", sagt Vander.

In der Badewanne mit Playboy: Vannis erste Band war "Horizontal II" (von links): Bernhard Profus, Helmut Oversberg, Volker von Ameln und Vanni Vander. FOTO: VV

Die erste Gitarre hat ihm sein Vater gebaut, "aus einem Brett mit Drähten darauf". 13 oder 14 war er, hörte Radio und war von den Beatles fasziniert. Er fand ein paar Freunde in der Realschule Wickrath, mit denen er sich zusammentat und 1970 seine erste Band gründete. "Horizontal II" nannten sie sich, weil es "Horizontal" schon gab und die Wickrather Jungs einen deutschen Namen wollten, wie sie damals in Mode kamen: ",Sperrmüll" zum Beispiel.

Etwas von der Welt sehen: Vanni und Lydia beim Urlaub in Namibia FOTO: VV

Vier Jungs spielten bei "Horizontal II", darunter Helmut Oversberg, der später "Booster" gründete und Vanni Vander dorthin holte. "Wir haben bei Horizontal II immer versucht, uns weiter zu entwickeln", erzählt Vanni Vander. "Und wir fanden den Sohn eines kanadischen NATO-Soldaten, der in Wickrath stationiert war und jemanden kannte, der Gitarre spielen konnte. Er hat mir ein paar Akkorde beigebracht."

Das war es aber auch mit der musikalischen Ausbildung. Der Rest kam bei den regelmäßigen Proben - denn die Jungs nahmen die Sache ernst. Und Vanni leistete sich seine erste richtige Gitarre: "Gekauft beim Quelle-Versand." Sie hörten Radio und Schallplatten, spielten Titel nach ("ohne Noten, nur nach Gehör") und wagten sich bald schon vorsichtig bei Schulfesten oder in Jugendheimen in die Öffentlichkeit. 1971 hatten sie ihren ersten offiziellen Auftritt als Band: im Jugendheim Giesenkirchen. "Da bekamen wir zum ersten Mal Geld: 150 Mark für uns Vier." 1972 kam Volker von Ameln hinzu, der seit 1986 und bis heute ebenfalls bei Booster spielt.

"Taktlos" 1985 mit (v. l-.) Joe Terstappen, Bernhard Profus, Peter Rütten, Uwe Berghausen und Vanni Vander. FOTO: V

1978 wurde aus Horizontal II eine neue Band: "Alaska". Volker von Ameln, Bernhard Profus, Frajo Kromeich und Vanni Vander gehörten dazu. Sie spielten nicht nur Titel bekannter Bands nach, sondern auch eigene: komponiert von Profis und Vanni Vander. 1980 holte Helmut Oversberg Vanni Vander zu Booster. Es war der Beginn einer bis heute haltenden Beziehung, in der er nur einmal ein bisschen "fremdging": 1981 bis 86 war er parallel zu Booster noch bei "Taktlos", das überwiegend eigene Titel spielte, komponiert von Joe Terstappen.

Reizte es denn nicht, mit Booster nicht nur berühmte Bands zu covern, sondern auch eigene Stücke zu schreiben? Schon, aber: Booster hat eine über Jahrzehnte gewachsene, große Fan-Gemeinde. "Und unser Publikum erwartet so etwas nicht, sondern will die Hits hören, die es kennt, die wir professionell auf unsere eigene Art präsentieren. Und wir sind vielseitig. Auch das kommt gut an", weiß Vanni Vander.

Booster heute (von links): Vanni Vander, Dennis Bowens, Chris Schmitt, René Pütz, Volker von Ameln und Rüdiger Tillmann. FOTO: Dennis Vander

Einmal, 1998, hat die Band einen eigenen Titel herausgebracht, komponiert von René Pütz: "Verknallt in dich", hieß er. Die CD verkaufte sich auch recht gut. Weitere gibt es trotzdem nicht. Es wäre ein finanzielles Risiko. Und da bleibt Booster lieber in den eingefahrenen, in dieser Hinsicht sehr erfolgreichen Bahnen. So hat ja auch Vanni Vander seinen eigenen goldenen Mittelweg gewählt: die Sicherheit als Beamter bei Post und Telekom, aber auch die Freiheit, seine musikalische Leidenschaft sorgenlos und anerkannt zu leben. Das passt prima zusammen - wie Rock, Pop und die Weihnachtszeit mit den Silent Nights.

Heiße Musik und eiskalter Name: "Alaska" war Vanni Vanders zweite Band. FOTO: VV

Diesmal wird (ab 15. Dezember) in einer neuen "Location" gespielt, der vierten in der Geschichte des Konzerts: Nach dem Start 2000 im ehemaligen Casino des Rheydter Kabelwerks gab es Silent Night 15 Jahre lang im Wickrather "Kunstwerk" und dann 2016 im "Chapiteau" des Hockeyparks. Da aber die Lautstärke dort die Anwohner zu sehr störte, ist die Silent Night nun im ehemaligen Theater im Nordpark (TiN), das seit dieser Woche "Red Box" heißt.

Silent Night aber ist die "alte" geblieben, natürlich mit neuem Programm, wie immer ganz auf diesen Auftritt zugeschnitten und ausführlich geprobt. Dies allerdings konnte Booster bisher noch nicht im Red Box. Die Generalprobe ist dort aber für den 14. Dezember geplant.

Die Termine der Silent Night: 15., 16., 17., 22. und 23. Dezember. Einige sind längst ausverkauft, für andere gibt es im Moment noch einige wenige Karten.

Quelle: RP
 
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