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Mönchengladbach
Lebensmittel unterm Weihnachtsbaum

Mönchengladbach: Lebensmittel unterm Weihnachtsbaum
Schön verpackt und mit Leckereien gefüllt: 1400 Pakete gab die Tafel gestern an Bedürftige aus dem ganzen Stadtgebiet aus. FOTO: Marlen Kess
Mönchengladbach. Seit elf Jahren veranstaltet die Tafel vor Weihnachten eine besondere Lebensmittel-Ausgabe: Bedürftige können sich dann als Geschenke verpackte Leckereien abholen. 1400 solcher Pakete wurden der Tafel in diesem Jahr gespendet. Von Marlen Kess

Um 13.31 Uhr wandert das letzte sorgsam verpackte Geschenk über die schmale Metalltheke des Tafel-Ladens in Lürrip. 1400 Pakete haben die Mitarbeiter der Tafel an diesem schneeverregneten Montag an Bedürftige ausgegeben. "Die Geschenke kommen von Privatleuten", sagt die Tafel-Vorsitzende Monika Bartsch, "die meisten davon wurden am Sonntag abgegeben." Der Inhalt: haltbare Lebensmittel, von Kartoffeln, Reis und Nudeln über Obst- und Gemüsekonserven bis hin zu Schokolade und Plätzchen. Alles eben, um ein gemütliches Weihnachten feiern zu können.

Helmut Reinecke hat in seinem Geschenkpaket unter anderem Mehl, Zucker, Würstchen, Reis, Senf und eine Kerze gefunden. Der 62-Jährige ist schon seit zehn Jahren Kunde der Tafel. Damals bezog er Hartz IV, jetzt ist er Rentner. "Aber 800 Euro Rente reichen zum Leben kaum aus", sagt Reinecke. Deshalb kommt er regelmäßig zur Tafel - besonders gerne zur Weihnachtsaktion. "Es ist einfach etwas ganz Besonderes, eine Überraschung auspacken zu können", sagt Reinecke.

Wie er Weihnachten feiert, weiß der alleinstehende Rentner noch nicht. "Vielleicht alleine, vielleicht mit einem Bekannten", sagt Reinecke. "Zu essen habe ich jetzt ja auf jeden Fall genug." Fast noch mehr als über die Lebensmittel freut er sich aber über die Weihnachtskarte, die dem Paket beiliegt. Darauf wünscht das Spender-Ehepaar frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr. "Eine tolle Sache", sagt Reinecke.

Der 62-Jährige ist einer von mehr als 1000 Menschen, die sich an diesem Montag ihr Paket bei der Tafel abholen kommen. Darunter sind laut Monika Bartsch viele regelmäßige Kunden, aber auch Bedürftige, die sonst das ganze Jahr über nicht zur Tafel gekommen sind. Sie alle müssen zur Ausgabe einen Nachweis mitbringen, dass sie Sozialleistungsempfänger sind. Dann erhalten sie je nach Familiengröße ein oder mehrere Pakete.

Manche packen diese sofort auf dem Hof des Tafel-Ladens aus, wo sich zu Mittag bereits ein Berg aus Pappkartons und Geschenkpapier aufgetürmt hat. Andere wiederum nehmen ihr eingepacktes Geschenk mit nach Hause. "Das wird dann wirklich erst an Heiligabend unter dem Weihnachtsbaum ausgepackt", sagt Rita Kuhlen. Sie arbeitet seit neun Jahren ehrenamtlich bei der Tafel. Heute ist sie eine von 25 Ehrenamtlern, die bei der Geschenkausgabe mithelfen. Auch Kuhlen bereitet der Tag viel Freude: "Es ist einfach schön, dass die Menschen schon in freudiger Erwartung auf eine Überraschung herkommen. Die Atmosphäre ist dann eine ganz besondere."

Seit elf Jahren gibt es die Weihnachtspakete-Aktion der Tafel. Besonders viel verändert hat sich seit damals nicht, sagt Monika Bartsch. "Es kommen konstant viele Menschen zu uns", sagt die Tafel-Vorsitzende. Zwischendurch seien mehr Asylbewerber dabei gewesen, mittlerweile kämen aber wieder vor allem Stammkunden der Tafel: Hartz IV-Empfänger, alleinstehende Rentner, Kranke.

Damit sie alle bestmöglich versorgt werden, steht auf jedem Paket, was darin enthalten ist. "So können unsere Mitarbeiter die Lebensmittel passgenau zuteilen", sagt Bartsch. Die Pakete seien allesamt in den vergangenen zwei Wochen eingesammelt beziehungsweise abgegeben worden. Auch bei den Spendern gebe es einen festen Stamm. "Viele Familien, aber auch junge Pärchen und ältere Ehepaare", sagt Bartsch. "Für einige gehört das Paketpacken für die Tafel wahrscheinlich schon zum Advent dazu." Es ist die letzte große Aktion der Tafel in diesem Jahr.

Schon anderthalb Stunden vor Aktionsende sind die 1400 Pakete weg. Doch die Mitarbeiter der Tafel sind darauf vorbereitet - und geben die Lebensmittel stattdessen in Tüten und Kartons aus. Zu Weihnachten soll schließlich keiner ohne Geschenk nach Hause gehen.

Quelle: RP
 
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