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Mönchengladbach
Lesung im Ladenlokal: Geschichten von unterwegs

Mönchengladbach. Marlies Weißbrich, Paula Kemp und Simona Turini nahmen das Publikum mit auf die Reise. Spannend. Von Sophia Firgau

Wie ist es, 350 Kilometer zu Fuß auf dem Jakobsweg zu laufen? Welche Gedanken denkt man, wenn man den ganzen Tag läuft? Im Schein der Leselampe entführt Marlies Weißbrich, Master-Studentin an der Hochschule Niederrhein, das Publikum nach Spanien. Nicht ans Meer, nicht in die heiße Sonne, sondern in den eisigen Wind des galizischen Märzes. Sie geht gern allein, hört auf ihren eigenen Rhythmus: "Laufen setzt Gefühle frei. Laufen filtert Gefühle. Laufen ist ein Gefühl." Immer griffbereit: Ein Heft, in das sie ihre Gefühle und Gedanken notiert - unterwegs während der Pausen und nach Ankunft in einer Pilgerunterkunft. Auch Fotos zeigt sie: dichte Nebelschwaden, ein schmaler Weg durch den Wald, ein Blick ins Tal ... und ein Eisenkreuz mit einem riesigen Haufen Steine. Hier legt jeder Pilger einen Stein ab, symbolisch für die zu tragende Last. So lang der Weg auch ist, so wenig möchte sie am Schluss ankommen - und geht von Santiago de Compostela einfach noch ein Stück weiter - ans Meer. Tiefgründig, poetisch und humorvoll - es ist das zweite Mal, das Marlies Weißbrich aus ihrem Büchlein liest. Und die erste gemeinsame Lesung mit den aus Mainz angereisten Autorinnen Paula Kemp und Simona Turini - organisiert von Carolin Hartmann, die die poetischen Reiseberichte der drei zusammen bringt.

Dann geht es weiter mit Simona Turini. Sie liest aus ihrem Buch "Kopf hoch, sagte der Silberfisch in meiner Badewanne". Es erzählt von ihrem Aufenthalt im italienischen Genua. Davon, wie es ist, den 4. Advent bei 20 Grad zu erleben und Weihnachten in einer Höhle auf dem Friedhof. Und von Heimweh und Schreibfaulheit - selbstironisch und erfrischend ehrlich. Zum Schluss liest Paula Kemp aus ihrem noch unveröffentlichten Reiseroman "Moroccan Rhapsody". Es geht um ein Missverständnis mit Koffeintabletten irgendwo zwischen Nador und Casablanca ("Das sind keine Drogen, das ist wie Kaffee"), von einem Besuch bei einer britischen Katzenliebhaberin und einem arabischen Mann, der das deutsche Wort für Lauch lernt: "So entstand eine Geschichte vom Unterwegssein durch eine mythisch fremde Welt. Eine, in der Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen sich wirklich große Mühe geben, sich zu verstehen."

Quelle: RP
 
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