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Lokalsport
Test: Den Fußball einmal "blind" erleben

Mönchengladbach. Das Projekt "Neue Sporterfahrung" war zu Gast beim SV Glehn und zeigte unter anderem der C-Jugend, wie man kickt, ohne zu sehen. Von Dominik Lauter

Horst Hrubesch sagte einst: "Manni Bananenflanke, ich Kopf, Tor!" - so einfach kann Fußball sein. Aber nur, wenn die Spieler auch sehen können. Wie Blinde Fußball spielen, erfuhr die C-Jugend des SV Glehn am frühen Donnerstagabend am eigenen Leib. Zu Beginn gab es eine kurze theoretische Einführung durch den Trainer des Förderprojekts "Neue Sporterfahrung", Andreas Pauls. Der Trainer, der sehen kann, wird in der Regel von seinem blinden Kollegen Hasan Koparan begleitet, der allerdings krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte.

Das Interesse der Jungen war dennoch von Anfang an da, manche wussten auch schon ein wenig über diesen Sport, der 2004 zu den Paralympischen Spielen in Athen in den Kanon der Olympischen Disziplinen aufgenommen wurde. Nachdem alle Spieler mit einer undurchschaubaren Brille samt Kopfschutz ausgerüstet worden waren, stand die erste Übung an: Orientierung. Ein paar Schritte vor und zurück, rechts und links, ein paarmal im Kreis gedreht und Stop. "Wo ist euer Naturrasenplatz?", fragte Andi. Viele Finger, die wahllos in jede erdenkliche Himmelsrichtung zeigten. Aber rund ein Drittel der Probanden war noch ungefähr orientiert.

Danach stand Polonaise an. Eine Reihe aus neun "Blinden", nur Konstantin am Ende der Kette konnte sehen. Das, was dann folgte, erinnerte stark an das berühmte Handy-Spiel ,Snake'. Zwei Reihen über das abgesteckte Feld (20 x 40 Meter) schreiten, nur durch ein Klopfen auf die linke oder rechte Schulter gesteuert, wenn sich Tim vorne in die jeweilige Richtung bewegen sollte, um der Bande, dem harten Torpfosten oder dem noch härteren Schädel eines Teamkollegen aus der anderen Kette zu entgehen. Die Teilnehmer mussten lernen, sich gegenseitig wortwörtlich blind zu vertrauen.

Nach ein paar weiteren Kommando-Übungen waren die Jungs bereit für den mit Rasseln gefüllten Ball. Ein sogenannter Guide stellte sich hinter das Tor und rief dem Ballführenden die Richtung zu, in die er laufen und schießen musste. Die jungen Fußballer kamen mit dem Verlust eines wichtigen Sinnes immer besser zurecht. Die beistehenden Eltern waren begeistert. Zum Ende der Trainingseinheit gab es dann ein Spiel. Die Kicker ließen sich nicht abhalten, auch blind in den Zweikampf zu gehen, und schnell fiel auch das erste Tor.

Jugendleiter Norbert Jurczyk war begeistert von dem Projekt. "Der SV Glehn ist für sein soziales Engagement bekannt, und wir schauen gerne auch über den Tellerrand hinaus. Für uns ist Fußball mehr als nur ein 1:0", sagte Jurczyk. "Ich empfehle diese Initiative auch anderen Vereinen", ergänzte er. Die Spieler waren sich zum Schluss meistens einig: "Es war ein ganz anderes Gefühl aber es hat trotzdem Spaß gemacht", lautete die einhellige Meinung.

Quelle: RP
 
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