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Moers
Cricket für Flüchtlinge startet durch

Moers: Cricket für Flüchtlinge startet durch
Flüchtlinge spielen in der Turnhalle an der Eicker Grundschule Cricket. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Abad Arkam hat mit Unterstützung von Dennis Brandt vom SC Rheinkamp mit einem Crickettraining in Eick begonnen, das für alle offen ist. Die Gründung eines Moerser Cricket Clubs steht kurz bevor. Von Ulrike Rauhut

Es erscheint beim ersten Zusehen etwas rätselhaft: Mit einer weit ausladenden Armbewegung wird ein Ball geschleudert und von einem gegenüber stehenden Spieler mit einer Art Holzruder so weit wie möglich weggeschlagen. Der Ablauf des Spiels und die Regeln sind nicht leicht zu durchschauen. Aber die rund 20 Männer, die sich seit drei Wochen in der Turnhalle der Eicker Grundschule treffen, um Cricket zu spielen, freuen sich die ganze Woche auf den Freitagabend. Sie wohnen zurzeit in der Flüchtlingsunterkunft an der Rathausallee und kommen aus Pakistan, Bangladesh und Afghanistan. Die meisten haben als Jungen auf der Straße Cricket gespielt, so wie anderswo der Fußball gekickt wird. Und jetzt gehören sie zu den "Pionieren" dieser Sportart in Moers.

Das haben sie einem Mann zu verdanken. Abad Arkam war es ein Herzensanliegen, sich um die Flüchtlinge in Moers zu kümmern. Mit seinen Sprachkenntnissen ist er besonders hilfreich für diejenigen, die aus Südasien kommen. Der 37-Jährige stammt aus Pakistan, arbeitet als Softwareingenieur in der Automobilindustrie und wohnt mit seiner Familie in Moers. Es bedrückte ihn zu sehen, wie seine Schützlinge zur Untätigkeit verdammt sind. "Da sie weder eine Arbeit noch eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung haben, sehe ich die Gefahr des Abrutschens in die Drogensucht oder für psychische Krankheiten", erzählt Arkam. "Dem wollte ich etwas entgegensetzen." Er erzählte den Männern von seinem Hobby, dem Cricketspiel, und erntete Begeisterung. Seit neun Jahren spielt er beim Bochum Cricket Club, der in der NRW-Liga unterwegs ist. Arkam stellte seine Idee "Cricket für Flüchtlinge" beim "Bunten Tisch Moers" vor und erfuhr auch hier Zuspruch. Er wurde im November zur Sportkonferenz der Stadt eingeladen. Dort traf er Dennis Brandt, der sich für Fußball begeistert und seinen Verein SC Rheinkamp gerne für Flüchtlinge öffnen wollte. Brandt sorgte dafür, dass Arkam seine Idee in die Tat umsetzen konnte, indem er zusagte, einen Platz bzw. im Winter die Sporthalle zur Verfügung zu stellen.

Beim Spiel in der Halle müssen die Regeln des Spiels etwas abgewandelt werden. Die Spieler stört das nicht. "Das Spiel gibt mir positive Energie", sagt Nahman Khan (31), der vor fünf Monaten aus Pakistan flüchtete. Sich auspowern und das Können beweisen in einem seit Kindertagen bekannten Spiel - das bedeutet ihm und den anderen viel. Doch Abad Arkam hat noch viel mehr vor. Seit sein zehnjähriger Sohn Adyan seine Mitschüler mit dem Cricket-Fieber angesteckt hat, möchte er auch Kinder für das Spiel begeistern und plant, es im Sportunterricht der Grundschulen vorzustellen. Sein fest anvisiertes Ziel ist die Gründung eines Moerser Cricket Clubs mit einer Jugend- , einer Senioren- und einer Liga-Mannschaft.

"Cricket können alle spielen und jeder ist herzlich eingeladen, das Spiel kennenzulernen", so Arkam. Zunächst aber möchte er die Bewohner der anderen Moerser Flüchtlingsunterkünfte zum Mitmachen motivieren. Mit seinem Bruder und zwei Kollegen führt er das Training jeden Freitag von 20 bis 22 Uhr in der Turnhalle im Eicker Grund durch.

Jeder, der Interesse hat, kann zu dieser Zeit vorbeikommen. Spielerische Begegnungen mit anderen Mannschaften sind auch schon geplant, beispielsweise mit der Cricketmannschaft der Universität Duisburg/Essen. "Sport kann einen entscheidenden Beitrag zur Integration leisten", ist Arkam überzeugt. "Außerdem hat mir die deutsche Gesellschaft so viel gegeben - und Cricket ist das Beste, was ich als Gegenleistung zurückgeben kann."

Quelle: RP
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